KRITIK

TV-Kritik: Breaking Bad

Geschichten, wie die von Walter White sind nicht neu, schon vor Jahrzehnten hat Brian DePalma dem uramerikanischen Mantra „From rags to riches“ in der Figur des Tony Montana seinen unschuldigen Glanz geraubt. Mit BREAKING BAD ist der pervertierte American Dream nun durchaus sprichwörtlich, in einer Szene läuft SCARFACE auf dem heimischen Fernseher, in den Vororten angekommen.

Es geht hier nicht um große Villen und schnelle Autos, sondern darum, sich im desolaten Gesundheits- und Sozialsystem der USA zu behaupten, so zumindest der anfängliche Tenor. Warum die Serie diesen Aufhänger ebenso rasch vergisst, wie sie letztlich auch die Krebserkrankung ihrer Hauptfigur in den Hintergrund drängt, bleibt bis zum Ende ungewiss. Viel zu schnell findet nicht nur der harmlose Chemie-Lehrer, sondern auch die Serie selbst, Gefallen daran, über Leichen zu gehen. Die menschliche Tragödie nebst beißendem Unterton wird nach und nach durch eine ausufernde Gangster-Ballade verdrängt, in deren Mittelpunkt nur noch das Ego seiner Hauptfigur Platz zu haben scheint.

"You two suck at peddling meth."

Man möchte all das als Groteske lesen, den oftmals befremdlichen Umgang mit Nebenfiguren und die Zeitraffer-Verwandlung vom Biedermann zum Killer als Überspitzung rechtfertigen, würde Vince Gillian nicht zwischendurch doch immer wieder nahelegen, dass man hier eben keine Versuchsanordnung serviert bekommt, dass die Protagonisten nicht nur Mittel zum Zweck sondern Charaktere sind. Aber was bleibt von der Melancholie solcher Szenen schon übrig, wenn im nächsten Moment ein Zug überfallen oder ein Auto zum Feuergefecht umgerüstet wird?

***Ab hier befinden sich vereinzelt Spoiler im Text***

Die Möglichkeit, aufgrund des Formats Entwicklungen differenziert und vor allem langsamer erfahrbar zu machen, nutzt BREAKING BAD viel zu selten, nahezu teilnahmslos sieht man zu, wie der Kreis sich am Ende wieder schließt und der Aufstieg mit dem Fall besiegelt wird. Eine seltsam inkohärente Angelegenheit.



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