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Nov 2015
26
Turbo Kid

Cover_turbo-kidMit „den musst Du unbedingt sehen!“ hatte mir ein Filmfreund diese Blu-ray/DVD-Neuerscheinung empfohlen. Ein Spielfilm, der auf einem Kurzfilm basiert, 2014 gedreht wurde, im Look der 80er Jahre daherkommt, und dabei eine Zukunftsvision des Jahres 1997 skizziert. Mit einem etwa 16-jährigen Comic-Fan als Hauptfigur, der als Waise durch eine dystopische Industrielandschaft streunert. „Das ist mal etwas anderes“ habe ich mir gedacht. Und mir nach der Sichtung fest vorgenommen in Zukunft vorsichtiger zu sein bei Filmempfehlungen. Vor allem, wenn es sich um Filme mit heftigen Splatter-Szenen handelt, wie im Fall von „Turbo-Kid“.

Das Franco-Kanadische Kunstkollektiv um François Simard, Anouk und Yoann-Karl Whissell frönen unter dem Namen „Roadkill Superstar“ seit einigen Jahren ihrer Liebe für B-Movies. Das ist auch „Turbo-Kid“ deutlich anzumerken, ihrem Langfilmdebüt, das der Kurzfilmidee „T is for Turbo“ entsprang. Mit geringen finanziellen Mitteln wurde auf einem Industriegelände eine stimmungsvolle Postapokalypse kreiert, die durch detailverliebte Ausstattung überzeugt. So dürfen ein abgestürztes Raumschiff ebensowenig fehlen wie eine provisorisch eingerichtete Festung in einem Kalksandsteinwerk. Wie bereits erwähnt, wir schreiben das Jahr 1997. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht von Munro Chambers, dem „Turbo Kid“, einem cleveren und manchmal etwas naiven Titelhelden, der auf seinen „Feldzügen“ durch die Landschaft mit seinem BMX-Fahrrad auf vergessene Wertgegenstände hofft, die er gegen Trinkwasser und Essbares eintauschen kann.

Szene_turbo-kidAls er eines Tages bei einem seiner Streifzüge auf die etwa gleichaltrige, seltsam lebensbejahende Apple (Laurence Leboeuf) trifft, die unbedingt seine Freundin sein will, scheint sein Leben wieder einen Sinn zu bekommen. Gemeinsam stellen sich die beiden dem selbsternannten Ödland-Herrscher Zeus entgegen, überzeugend verkörpert von B-Movie-Held Michael Ironside, der mit Apple noch etwas vorhat, was unser Turbo-Kid unbedingt verhindern will. Abgerundet wird diese recht dünne Handlung von hochwertiger Splatter-Handarbeit. Gegner spritzender Blutfontänen und durch die Luft fliegender Gliedmaßen sollten demnach einen großen Bogen um diesen Film machen.

Zusammen mit der sehr dünnen Handlung wirken diese Szenen wie eine naive Fantasterei. Die meisten Einstellungen sind deutlich auf den Splatter-Effekt hin inszeniert, was vor dem Hintergrund der zuckersüßen Coming-of-Age-Handlung ein ums andere Mal Kopfschütteln evoziert. Eingebettet wird diese Disharmonie in einen altmodischen Synthesizer-Soundtrack, der nur dann unterbricht, wenn die meist einfältig gezeichneten Nebenfiguren auf ihren Zwei- und Dreirädern aus dem Blickfeld verschwunden sind. Nichts gegen bedingungslosen Trash-Spaß aber dem Franco-Kanadischen Kunstkollektiv gelingt es nicht, aus den zahlreichen Versatzstücken ein harmonisches Ganzes zu entwerfen mit dem zusätzlich die Gefühle für den Hauptdarsteller erwärmt werden können.

Somit bleibt „Turbo Kid“ ein zwar auf kreativen Ideen aber dünner Story basierendes Sammelsurium, das durch die Brutalität und ausufernde Splatter-Effekte wie ein unstimmiges, disharmonisches Orchester wirkt, das ungelenk große Vorbilder des Genres covern will. Mit enttäuschendem Ergebnis.

 




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