KRITIK

Tucker and Dale vs Evil

Tucker and Dale vs Evil Schema F oder Chuzpe? Es ist ein sympathischer Ansatz, den sich Regiedebütant Eli Craig mit seinem Versuch einer Horrorpersiflage „Tucker & Dale vs Evil“ herausgesucht hat: Den typischen Backwood-Slasher aus gespiegelter Perspektive, als Verkehrung der Fronten.

Angelehnt an die großen Vorbilder des Genres konzentriert sich sein streng schematisch ablaufender Film auf die beiden Rednecks Tucker (Alan Tudyk) und Dale (Tyler Labine), und erzählt deren Aufeinandertreffen mit einer zugereisten College-Clique, die sich in Folge von mannigfaltigen Missverständnissen langsam aber sicher selbst dezimiert.

Die Simplizität des Plots scheint verzeihlich, ist letztendlich auch eher dem Spottobjekt selbst, als mangelnder Script-Kreativität geschuldet – und doch stellt sich bisweilen Enttäuschung ein, wenn man feststellt, dass Craig die durchdeklinierten Pfade des Genres bis zum Schluss zu keiner Zeit verlassen möchte, ja sie nicht einmal variiert.

In vielerlei Hinsicht kämpft die Splatter-Komödie mit der gleichen Mutlosigkeit, die bereits ähnlich konzipierte Filme in jüngerer Vergangenheit zum Straucheln brachten: Ein Konglomerat aus Klischees ist weder automatisch lustig, geschweige denn Satire, selbst wenn man sie so offensichtlich zelebriert, wie es hier der Fall ist.

Craig lässt die Distanz vermissen, die es ihm erlauben würde, den Stoff wirklich zu überzeichnen und zu ironisieren. Zu klar möchte sein Film mit seinen beiden Hinterwäldlern dem Publikum ein Identifikationsangebot unterbreiten. Es gibt Szenen – und es sind derer nicht wenige – in denen der Film sein durchaus vorhandenes parodistisches Potential deshalb fallen lässt, um sich unbewusst jenen Genrekonventionen und -dramaturgien hinzugeben, die er eigentlich entlarven möchte. Hier erodiert das Konzept des Films, die Überspitzungen werden als platt wahrgenommen. Und es ist nicht verwunderlich, dass einige Bilder dabei von schwarzen Humor in unbequemen Zynismus umschlagen.

So bleibt die Redneck-Schlachtplatte schlussendlich auch nur ein Potpourri aus Einzelpassagen, die zu gefallen wissen und mal mehr, mal weniger offensiv mit Verweisen auf die Klassiker des Horrorkinos – von Hoopers „Chainsaw Massacre“ bis hin zum neueren „Eden Lake“ – den liebenswerten Horror-Fan auf dem Regiestuhl durchblicken lassen.
Das ist, wie erwähnt, nicht unsympathisch. Aber die Qualität und Detailversessenheit im Umgang mit der Materie und das Chuzpe in der Inszenierung eines Edgar Wright oder Simon Pegg erreicht „Tucker..“ zu keinem Zeitpunkt.

Vieles lebt für den Moment, zieht seine Faszination aus Funsplatter-Mechanismen, aber geht doch nie über diese hinaus. Die Möglichkeit der gewitzten Reflexion über die eigenen Ursprünge und die Entwicklung seit diesen, wie sie Craven mit „Scream“ seiner Zeit als machbar bewies, gelingt auch Craig nicht. Am Ende bleibt ein Werk, das sich am Besten irgendwo zwischen „nett“ und „enttäuschend“ in der Filmhistorie verorten lässt.



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INHALT

Mit den besten Vorsätzen für ein friedliches Männer-Wochenende machen sich Tucker McGee und Dale Dobson auf den Weg zu ihrer Ferienhütte in der Wildnis West Virginias. Als sie auf dem Highway fast mit einer Gruppe Collegekids kollidieren, ahnen die gutherzigen Hinterwäldler nichts Böses. Doch genau das stellt sich ein, als sich beide Gruppen in der Einsamkeit erneut begegnen: Dales schüchterne Einfalt und die Vorbehalte der Studenten gegen das rustikale Äußere der Hillbillies lenken die Ereignisse in eine fatale Richtung. Dass Tucker und Dale die hübsche Allison vor dem Ertrinken retten, interpretiert ihre Clique als Entführungsversuch. Als die properen Camper beginnen, sich gegen die vermeintlichen Psychokiller zur Wehr zu setzen, geraten die Kumpels unfreiwillig in ein Gemetzel – in dem ein Student nach dem anderen auf skurrile Weise das Zeitliche segnet.
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