KRITIK

Tschiller: Off Duty

Bild (c) 2016 Warner Bros. Germany.

Bild (c) 2016 Warner Bros. Germany.

Mit „Tschiller: Off Duty“ ballert Kassenmagnet Til Schweiger den Sonntagabend-Krimi in Bond-Manier in die Multiplexe. Dabei nimmt er das mit dem „Wegmähen“ allzu wörtlich. Wer so etwas mag, wird eventuell auch über die typischen Schweigerfilm-krankheiten hinwegsehen. Seit sich Schimanski vor drei Jahrzehnten zweimal auf der großen Leinwand wiederfand („Zahn um Zahn“, „Zabou“), hat es keinen „Tatort“ mehr im Kino gegeben. Womöglich liegt das daran, dass die ARD-Krimireihe als sonntägliches Ritual und kollektiv abrufbares Büro-Thema am Montag besser funktioniert denn als Ausgeh-Event im Multiplex. Til Schweiger aber, Deutschlands größter Kassenmagnet, lässt keine Gelegenheit ungenutzt, um mit vielen Ausrufezeichen zu betonen, dass sein Nick Tschiller wenig gemein habe mit den üblich biederen TV-Ermittlern und als Actionheld amerikanischer Herkunft zwingend ins Kino gehöre. Wer da widerspricht, ist für ihn ein „Trottel“.

Den also lang geplanten Tschiller-Kinofilm kann man nun problemlos ansehen, ohne die vier vorangegangen TV-Episoden zu kennen. Na klar, um komplexe Meisterwerke der Figurenzeichnung hatte es sich dabei sowieso nicht gehandelt. Dass der vom Dienst suspendierte („off duty“) Tschiller nach wie vor seiner Nemesis hinterher ist, dem kurdischen Drogenhändler Firat Astan (Erdal Yildiz), kriegt man ebenso mit wie den tragischen Umstand, dass Astan Tschillers Frau umbrachte.

Szene_Tschiller-Off-dutyNicks Tochter Lenny (Til Schweiger Tochter Luna) macht sich eingangs rachetrunken nach Istanbul auf, wo sie Astan vermutet, gerät dort aber bald in einen fatalen Gewaltzusammenhang und an russische Mädchenhändler. Tschiller hetzt von Hamburg aus hinterher, absolviert diverse (solide inszenierte) Ballerszenen, landet im türkischen Knast und manövriert irgendwann einen Mähdrescher über den Roten Platz. Richtig, einen Mähdrescher.

Auch wenn Schweiger und Stammregisseur Christian Alvart mit den exotischen Schauplätzen wohl eine deutsche Antwort auf 007 im Sinn hatten, erinnert das Ergebnis eher an die „Taken“-Filme mit Liam Neeson – die zuletzt ja auch nicht mehr sehr originell waren. Neues fügt „Off Duty“ dem Genre also sicher nicht hinzu, doch immerhin weiß sich Fahri Yardim als Tschillers ur-hanseatischer Kollege Yalcin sehr humorig einzubringen. Ansonsten laboriert der Film an den bekannten Schweigerfilmkrankheiten: nölig vorgetragene Dialoge und von sich selbst ergriffener Kitsch. Spannung also Ja. Innovativ? Nein.

 

 



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