KRITIK

True North

True North Wenn man als Filmemacher trübe Situationen noch trüber aussehen lassen möchte, dann färbt man die Bilder blau ein. Das hat auch der englische Regisseur Steve Hudson beherzigt, als er sein auf größtmögliche Empörung abzielendes Fischermelodram nachbearbeitete: Selten sah die Nordsee trostloser aus.

Hudson nimmt hier die finanziell prekäre Situation in der globalisierten Fischerei als Beispiel für die Not der Arbeiterklasse insgesamt und folgt dabei erkennbar auf Ken Loachs Spuren: Die Hauptdarsteller Peter Mullan („My Name Is Joe“), Gary Lewis („Just a Kiss“) und Martin Compston („Sweet Sixteen“) kennt man alle aus Loachs „Working Class“-Dramen.

Hier tuckern sie auf einem fast vollständig an die Bank verpfändeten schottischen Fischerboot der Pleite entgegen, bis sich der Sohn (Compston) des wortkargen Skippers (Lewis) von einem knorrigen Menschenhehler (Hark Bohm) zwanzig Chinesen andrehen lässt – Schmuggel-„Ware“ für Schottland. Die Chinesen werden unter Deck versteckt, und die blauen Bilder, der peitschende Regen, der wortkarge Alte, sie alle machen von Anfang an klar, dass nichts hier fröhlich enden wird.

Davon, Substanzielles zum Thema Menschenschmuggel zu erzählen, bleibt „True North“ indes denkbar weit entfernt. Im Kern geht es hier um ein Moraldrama auf engem Raum, aus dem die Chinesen weitmöglichst ausgesperrt werden. Sie kommen nur ins Bild, wenn es dramaturgisch opportun ist. Stattdessen hagelt es Klischees: ein raubeiniger Seebär, ein sexuell verklemmter Smutje und ein Vater-Sohn-Duo, deren Darsteller in Fridrik Thor Fridrikssons „Niceland“ zuletzt um ganze Charakterlängen glaubwürdiger waren als in diesem Nordseedramolett.



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INHALT

Zwanzig illegale chinesische Einwanderer wollen per Schiff nach Schottland. Bevor sie an Bord gehen, müssen sie sich eine glaubwürdige Geschichte für ihre Flucht überlegen. Für den Fall, dass sie geschnappt werden. Daran scheint das Mädchen Su Li zu scheitern. Unter Tränen sagt sie immer wieder, dass sie Geld verdienen muss. Doch die Flüchtlinge sind nicht die einzigen Menschen, die ums Überleben kämpfen: Die Fischerei in der Nordsee läuft für die Besatzung des Fischkutters „Providence“ schon lange schlecht. Der alte Skipper steht kurz vor seiner Rente, doch die Bank will das Boot verschrotten lassen. Sein Sohn Sean will nicht, dass sein Vater nach 32 Jahren sein Boot verliert und an Land auf den Tod warten muss. So geht er zu dem Schmuggler Pol, der ihm eine Ladung Zigaretten besorgen soll. Doch Pol hat eine andere Fracht für Sean: 20 illegale chinesische Einwanderer, für die es viel Geld gibt.

Heimlich werden die Chinesen an dem schlafenden Vater vorbei in den vorderen Frachtraum des Fischkutters geschleust. Nur die kleine Su versteckt sich im Maschinenraum. Der Maat Riley ist überrascht von dem vielen Geld, das er für den Schmuggel bekommen soll. Seine Aufgabe ist es, nachts den Eimer zu leeren, der den Chinesen als Toilette dient. Doch die Probleme beginnen mit dem Auslaufen. Sean will erst Fische fangen, um vor dem Zoll nicht in Verdacht zu geraten. Da zieht ein Sturm auf.

Der Aufenthalt in dem nasskalten Frachtraum wird mehr wie ungemütlich. Su stiehlt sich immer wieder Essen aus der Küche und hinterlegt chinesische Geldscheine als Bezahlung. Der Koch bemerkt dies. Er hinterlegt einen Köder, auf den Su Li hereinfällt. Doch Su hat Glück, denn der Koch kümmert sich rührend um sie. Der Fischfang auf hoher See bei Sturm ist enttäuschend. Riley, Sean und der alte Skipper wollen die Netze jedoch weiter im Meer lassen. Währendessen verschlechtert sich die Situation für die Flüchtlinge dramatisch. . .
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