KRITIK

Troja

Troja
Vielleicht ist Größenwahn die einzig wirksame Überlebensstrategie für einen Hollywoodregisseur, der schon alles erreicht hat. Dem man regelmäßig ein paar hundert Millionen Dollar in die Hand drückt, damit er aus dem halben Planeten einen Abenteuerspielplatz macht. Vielleicht kennt ein derart Erfolgsverwöhnter am Ende nur noch eine echte Sehnsucht: die nach Unsterblichkeit. Danach, dass sich sein Name auf ewig in die Filmgeschichtsbücher einbrennen möge.

Von nichts anderem als von dem Verlangen nach zeitloser Größe handelt in jeder Hinsicht Wolfgang Petersens monumentales Antikenprojekt „Troja“, das eher freizügig auf Homers „Ilias“-Sage basiert und einen Achilles zum Helden erhebt, der ununterlassen vom eigenen Nachruhm redet. Nicht für Götter, Könige oder Vaterland kämpft dieser stolze Mann (Brad Pitt), der als tapferster Krieger seiner Epoche gilt, sondern für seinen Platz im Elysium der Legenden. Und weil mit Durchschnitts-Siegen kein Blumentopf zu gewinnen ist, zieht er in die größte Schlacht aller Zeiten, gen Troja. Der deutsche Regisseur durfte dafür ein Rekordbudget verpulvern, mit einer sagenhaften Schiffsflotte digitale CGI-Maßstäbe setzen und sich zum Feldherrn einer kaum zu überschauenden Statisten-Armee aufschwingen. Wer keine Superlative bietet, dem bleibt die Aufmerksamkeit versagt. Und der Ruhm sowieso.

Wirklich erstaunlich ist aber nicht die Dimension dieses Unternehmens, das kaum gigantomanischer erscheint als etwa Peter Jacksons „Ringe“-Trilogie. Verblüffend ist die Renaissance des Sandalenfilms, die hier eingeläutet wird. Allein drei Filme über Alexander den Großen weren derzeit gedreht, unter anderem von Oliver Stone und Baz Luhrmann. Regisseur Ridley Scott, dessen „Gladiator“ überhaupt den Rückweg zu den Tagen von „Spartacus“ ebnete, wird sich den Kreuzzügen widmen, James Cameronarbeitet an einem Pompeji-Stoff. Petersen selbst erklärt das neuerliche Kreisen des Péblum-Mobiles damit, dass alle Geschichten, die wir heute kennen, schon von den Griechen erzählt wurden. Warum also nicht gleich aufs antike Original zurückgreifen?

Drehbuchautor David Benioff, der das vorzügliche Skript zu Spike Lees „25th Hour“ geschrieben hat, befreit Homers Vorlage vom Wirken der Götter und konzentriert sie auf einen sehr irdischen Machtkampf. Der trojanische Prinz Paris (Orlando Bloom) raubt die schöne Helena (Diane Kruger), Gattin des spartanischen Königs Menelaos (Brendan Gleeson). Der Gehörnte bittet seinen Bruder Agamemon (Brian Cox) zu Hilfe, dem allerdings weniger an der Familienehre, als vielmehr an der feindlichen Übernahme Trojas gelegen ist – er will über die gesamte Agäis herrschen. Ohne die Hilfe des rebellischen Achilles, den Brad Pitt als ruhmsüchtigen Melancholiker gibt, kann das indes nicht gelingen. Doch selbst der Zweikampf zwischen Achilles und Paris´ redlichem Bruder Hektor (Eric Bana) lässt Trojas Mauern nihct wanken. Da braucht es erst die legendäre Pferdelist. Und einen Showdown, der jeden wackeren Altphilologen entsetzen wird.

Benioffs Readers-Digest-Fassung der Ilias stampft dabei haufenweise plakative Sentenzen in den Set-Sand und wirkt eher geistesschlicht. Petersen aber versteht es, dem verschlankten Mythenstoff Dynamik zu verleihen und die imperialen Umtriebe des Agamemnon sehr amerikanisch erscheinen zu lassen. Ein Fortschritt für jemanden, der sich noch vor Jahren patriotischer gab, als der Präsident erlaubt („Air Force One“). Besonders jedoch gewinnt er in den Ruhemomenten zwischen den staunenswerten Schlachtszenen. Wenn Peter O´Toole als Priamos Achilles um die Leiche seines Sohnes Hektor bittet, oder Paris von seiner Helena grtröstet wird, weil er ein Leben als liebender Feigling dem ruhmreichen Tod vorgezogen hat. Das fällt allemal aus dem Rahmen der gängigen Kriegsspektakel. Ob Petersen sich damit seinen Platz im Hollywood-Olymp errungen hat, wird sich in ein paar tausend Jahren herausstellen.



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INHALT

Immer schon haben die Menschen Kriege geführt. Manche wollten Macht, manche Ruhm oder Ehre – andere wollten Liebe. Im alten Griechenland provoziert die Leidenschaft eines der legendärsten Liebespaare aller Zeiten jenen Krieg, der eine ganze Zivilisation in den Untergang stürzen wird: Paris, der Prinz von Troja, raubt Helena, die Frau des Königs Menelaus von Sparta – eine Beleidigung, die der König nicht hinnehmen kann. Die Sippenehre gebietet: Wenn Menelaus provoziert wird, trifft die Provokation auch seinen Bruder Agamemnon, den mächtigen König von Mykene, der alsbald die starken Stämme Griechenlands zusammenruft, um Helena seinerseits den Trojanern zu rauben und so die Ehre seines Bruders wiederherzustellen. Doch in Wahrheit schiebt Agamemnon die Familienehre nur vor – tatsächlich ist seine immense Habgier das Hauptmotiv: Er muss Troja unterwerfen, um die Ägäis unter seine Kontrolle zu bekommen und so die Vorherrschaft seines bereits riesigen Reiches zu sichern.
In der von Mauern bewehrten Stadt Troja regiert König Priamos, verteidigt wird sie vom titanischen Prinzen Hektor: Diese Festung hat bisher allen feindlichen Angriffen widerstanden. Ob Troja siegt oder fällt, hängt nur von einem einzigen Mann ab: Achilles – er gilt als der größte Krieger seiner Zeit.
Achilles ist arrogant, rebellisch und schier unüberwindlich – er nimmt für niemanden Partei, ihn interessiert allein sein eigener Ruhm. Weil er als Held unbedingt unsterblich werden will, entschließt er sich, für Agamemnon gegen die Tore Trojas zu stürmen – doch letztlich ist es die Liebe, die sein Schicksal besiegeln wird. Im Krieg um Ehre und Macht treffen zwei Welten aufeinander. Tausende werden dem Ruhm geopfert. Und aus Liebe wird ein ganzes Volk vernichtet.
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Eure Kritiken zu Troja

  1. Christian

    ErgreifendGeht hier die Gigantomie in Sachen Ausstattung und Bauten zu Lasten einer überzeugenden Charakterzeichnung – Nein! Wolfgang Petersen hat es geschafft, diesem Epos den nötigen Tiefgang zu verleihen. Vornehmlich die männlichen Schauspieler glänzen, währen die weiblichen aus wenigen Dialogzeilen das Beste herauszuholen versuchen. Die Besetzung ist erstklassig und gelungen. Ein Film, von dem man noch viel hören wird.

  2. SAP_USER

    Fehlbesetzt !Sorry Chrise !

    Ich fand die Besetzung gar nicht gut! Brad Pitt in so einer Rolle passt einfach nicht ! Vielleicht bin ich aber auch ein zu großer Fan von „Gladiator“, was ja in die gleiche Richtung geht, und mit Russel Crowe 1 mio mal besser bestzt war ! Ansonsten ist der Film ganz gut !

  3. Denise

    Braaaaad Pitt!!!!Hallo zusammen, an alle Frauen auf der Welt, schaut euch diesen Film an – allein wegen Brad Pitt. Die Rolle ist super, sein Körper ist super, alle anderen sind auch super

  4. Joy

    Geschicte über die GeschichteJa, Wolfgang Petersens Geschichtenerzählung gelingt! Der Hauptdarsteller überzeugt und alle anderen darstellungen auch.. Ein Film, der einen über die ganze Spielzeit fesselt.

  5. ANNE

    Einkaufstipp!!!Troja als DVD bei Amazon – das sollte man sich nicht entgehen lassen! Schade, dass man auf dem Cover bloß Bradis runzelige Stirn sieht. Kauft man den Film, kann man auch seinen Körper immer wieder aufs neue bewundern!

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