KRITIK

Tristan und Isolde

Tristan und Isolde Die uralte keltische Sage von Tristan und Isolde ist seit dem Mittelalter immer wieder Stoff für Literatur und Oper gewesen, von Gottfried von Straßburg bis Thomas Mann. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die durch die „Herr der Ringe“-Trilogie ausgelöste, neoromantische Fantasy-Seligkeit im Gegenwartskino nach „King Arthur“ nun auch den berühmten unglücklich Liebenden zu neuen Leinwandehren verhelfen würde. Erstaunlich ist aber, dass Regisseur Kevin Reynolds („Monte Cristo“) die Sage so ernst, unironisch und damit allerdings leidenschaftlich inszeniert hat. Er erzählt die Geschichte als Historie, nicht als Legende. Liebestränke wie etwa bei Wagner gibt es hier nicht. Die Tragödie aber, natürlich, schon.

Tristan (James Franco, der Harry Osborn aus den „Spider-Man“-Filmen), Stiefsohn des Cornwall-Lords und designierten Briten-Königs Marke (gut: Rufus Sewell aus „Die Legende des Zorro“), verliebt sich ausgerechnet in Isolde (Sophia Myles, die Erika aus den „Underworld“-Filmen), Tochter des zutiefst verfeindeten Iren-Königs Donnchadh (drollig: David Patrick O’Hara aus „Hotel Ruanda“), und macht seine große Liebe dann, sozusagen aus Gründen der Staatsräson, zu Markes Frau. Das schmerzt nachhaltig und hat böse Konsequenzen.

Man folgt dem relativ gebannt, von einigen Stuss-Dialogen mal abgesehen. Selbstverständlich hat Reynolds das Sinnliche dabei nicht vergessen: Wollüstiges Schmusen vor dem Kaminfeuer, Pfeil-und-Bogen-Action und Heldentod gibt’s ebenso wie die ganze Tragik verhinderter Liebe: „Wieviele hast du vor mir geliebt?“ „Keine.“ „Und wieviele nach mir?“ „Keine.“ Ein kurzer Wortwechsel der Schmerzen.

Kamera und Ausstattung geben sich trotz aller Romantisierung recht naturalistisch, verzichten also auf poppige Mätzchen wie etwa in „Ritter aus Leidenschaft“ oder „King Arthur“. Regisseur Reynolds, der einst auch den erfolgreichen Robin-Hood-Film mit Kevin Costner drehte, kennt sich aus in der britischen Sagenwelt, lässt hier in vorzugsweise schummerigem Licht haufenweise knarzige, bärtige Typen auftreten und darin Marke, Tristan und Isolde wie aus der Welt gefallene Lichtgestalten erscheinen. In Nebenrollen können besonders Bronagh Gallagher („Skagerrak“) als Isoldes Zofe Bragnae und Melot (Henry Cavill aus „Monte Cristo“), Tristans Rivale um die Gunst des Königs, gefallen. Da neben Irland auch Prag als Drehschauplatz fungierte, kaufte man auch ein paar deutsche Mimen ein. Hans-Martin Stier („Goldene Zeiten“) als Kurseval macht eine gute Figur im Mischmasch der aufgebrachten Angelsachsen. Die Kampfszenen sind nicht wirklich auf „Herr der Ringe“-Niveau anzusiedeln, da aber Reynolds den Fokus ganz klar auf die tragische Liebesgeschichte setzt, kann man damit ganz gut leben. Kurzum: Nichts Neues, nichts Außergewöhnliches, aber eine solide Fantasyromanze, die geneigte Betrachter zufrieden stellen wird.



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INHALT

Nach dem Ende des römischen Reichs sind die Stämme Englands mit Irland verfeindet. Einer ihrer Führer, Lord Marke, zieht mit dem jungen Kämpfer Tristan, den er wie seinen eigenen Sohn liebt, in eine große Schlacht. Sie werden vernichtend geschlagen. Tristan selbst wird verwundet und vorschnell für tot erklärt. Sein vermeintlicher Leichnam wird, wie es die Tradition für Könige verlangt, mit einem Boot aufs Meer geschickt. Er strandet an der Küste Irlands und wird dort von Isolde, der Tochter des irischen Königs Donnchadh gefunden. Sie pflegt ihn heimlich gesund und zwischen ihnen entwickelt sich eine innige Liebe. Doch Irland ist zu gefährlich für Tristan und so kehrt er zurück nach England und zu Lord Marke. Die Rückkehr des Totgeglaubten wird begeistert gefeiert, aber Tristans Herz gehört von nun an Isolde. Und als Isolde als Teil eines Friedensvertrags mit Lord Marke vermählt wird, sind sich die Liebenden plötzlich wieder nah und doch so fern, denn ihre Liebe darf nicht sein. Doch je mehr sie versuchen, ihre Gefühle füreinander zu unterdrücken, desto stärker brennt die Leidenschaft in ihnen und so riskieren sie alles für einen letzten Moment in den Armen des anderen. Ohne es zu ahnen beschwören sie großes Unheil herauf….
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