KRITIK

Trennung mit Hindernissen

Trennung mit Hindernissen Sicher, jede Liebe beginnt mit Schmetterlingen im Bauch, alles flattert vor Glück und beflügelt. Aber nach ein paar leidenschaftlich verrauschten Jahren und einer Überdosis Alltag sind es dann meistens Insektenleichen. Die liegen schwerer im Magen und wollen erstmal verdaut sein.

Schon Billy Crystal hat an der Seite von Debra Winger in der postromantischen Komödie „Forget Paris“ vorgeführt, wie zementzäh die Zeit nach dem Happyend fließen kann, wenn aus den kleinen Eigenheiten des Partners plötzlich handfeste Marotten werden – mit Katerschreck erblickt man den Feind im eigenen Bett.

An diesem toten Punkt ihrer Beziehung sind auch Gary (Vince Vaughn) und Brooke (Jennifer Aniston) angelangt, deren flirtfröhliches Kennenlernen im Baseballstadion und anschließenden Nestbau wir im Prolog fotoromanhaft flott erzählt bekommen. Heute aber ist die gebildete Angestellte einer Chicagoer Kunstgalerie mit Vorliebe für Ballett und Tischdekoration bloß noch genervt von der Ignoranz ihres Pantoffelhelden, der zwar als Stadtführer im Touristenbus seine Entertainerqualitäten besitzt, zuhause aber mit hirnlosen Computerspielen und Sportfernsehen zufrieden ist. Brooke wünscht sich nicht, dass Gary ihr mal beim Abwasch hilft, nein, sie wünscht sich, dass er es auch selbst möchte. Und damit steht das Dilemma im Raum, das zu Zwist, Zerwürfnis und Zickenkrieg führt.

Getrennte Liebende sollten nicht länger unter einem Dach leben, diese Erkenntnis führte einst Danny DeVitos Scheidungsschlacht „Der Rosenkrieg“ mit Kathleen Turner und Michael Douglas so höllisch schwarzhumorig vor. Der Film war so böse, dass er durch eine nachgedrehte, süßliche Rahmenhandlung milder gestimmt werden musste. Von solcher Schärfe ist Peyton Reeds „The Break-Up“, so der Originaltitel, weit entfernt. Seine Trennungsballade funktioniert von Beginn an nicht, weil man nicht nachvollziehen kann, was der Hotdog-Mann und die Hochkunst-Frau je aneinander attraktiv gefunden haben sollen.

Dass Jennifer Aniston und Vince Vaughn, deren Privatbeziehung ein bisschen PR-Schwung in den holprigen Start der Anti-Lovestory brachte, keine begnadeten Screwball-Spieler sind, kostet zusätzlich Esprit. Zäh wie ein Streitgespräch, bei dem man unfreiwilliger Zuhörer wird, schleppt sich der Film – und gewinnt bloß, wo er ungekünstelt melancholisch das Gefühl von echtem Trennungsschmerz aufscheinen lässt.



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INHALT

Brooke macht mit ihrem Freund Gary Schluss, doch beide weigern sich, die gemeinsame Wohnung zu räumen. Beflügelt von den Ratschlägen der gegenseitigen Freunde und Vertrauten sowie einiger völliger Fremder setzen beide mentale Kriegsführung ein, um den anderen aus der Residenz zu vertrieben - bis ihnen klar wird, dass sie ihren Krieg womöglich deshalb so inbrünstig führen, weil sie einander gar nicht verlieren wollen.
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Eure Kritiken zu Trennung mit Hindernissen

  1. Sabs

    Dieser Film ist eher die Schilderung der üblichen (und wohl ewigen) Probleme zwischen Männern und Frauen bei dem man sich auch amüsieren darf. Würde aber vollkommen für einen (Frauen?)DVD-Abend ausreichen.

  2. ann

    das stimmt, auf dvd reicht der film völlig. aber dann ist er durchaus eine nette unterhaltung – netter, als man erwartet. gut, dass man bis zuletzt nicht weiß, wie es ausgeht.

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