KRITIK

(T)Raumschiff Surprise: Periode 1

(T)Raumschiff Surprise: Periode 1 Es soll kinobegeisterte Menschen in Deutschland geben, die haben, gut festhalten bitte, nie Michael Bully Herbigs „Der Schuh des Manitu“ gesehen. Kaum vorstellbar. Den erfolgreichsten deutschen Film aller Zeiten! Ein Gesamtphänomen, das über 12 Millionen Zuschauer in Raserei versetzte, weil es Karl Mays gesammelte Werke kalauernd von hinten überfiel und von einem schwulen Indianer namens Winnetouch erzählte.

Aber jetzt kommt der wirklich dicke Hund: Es soll sogar kinobegeisterte Menschen in Deutschland geben, die haben „Der Schuh des Manitu“ gesehen – und fanden ihn nicht witzig. Nicht zu einer Sekunde. Das müssen sehr einsame Zeitgenossen sein.

Nichts schließlich ist erfolgreicher als der Erfolg. Wer Millionen Fans auf seiner Seite hat, der braucht keine Kritiker. Bloß eine Fortsetzung. Die Bestätigung, dass der Witz nicht nachlässt. Herbig, der Basisdemokrat unter den Königen der Klamottenkiste, war so klug, seine Anhängerschaft via Internet abstimmen zu lassen, welche Parodie er nach dem rosaroten Western-Ulk nun drehen soll. Die Wahl fiel, zumindest hierfür sei Dank, nicht auf „Sissi – Wechseljahre einer Kaiserin“, sondern auf die „Star Trek“-Veralberung „(T)Raumschiff Surprise“, deren Grundidee, wie schon im vorigen Marter-Fall, aus dem Sketche-Repertoire seiner Fernsehshow, der „Bully Parade“, stammt.

Es geht schwul-albern zu wie gewohnt, aber der Familienvater Herbig kommt mit seiner hemmungslos exaltierten Tunten-und-Blasen-Revue angeblich in der Gay Community bestens an. Ist auch egal, nach ein paar Eierlikörchen muss einfach jeder herzlich darüber lachen, dass sich ein phallusförmiges Raumschiff „am Arsch der Welt“ befindet.

Zur Rest-Handlung: Die Kommando-Crew der Surprise, bestehend aus dem Sahneschnitten-Trio Käpt’n Kork (Christian Tramitz), Schrotty (Rick Kavanian) und Mr. Spuck (Bully), soll im Jahre 2304 die Erde vor dem Angriff der Marsbewohner retten. Hierfür müssen sich die zärtlichen Chaoten auf ein Zeitreise-Sofa begeben und stranden versehentlich im Mittelalter. Alle Scherze, die sich danach ereignen, sollen auf Wunsch des Regisseurs nicht verraten werden. Offen gestanden, auf den Gedanken wären wir auch nicht gekommen. Nur soviel noch: Til Schweiger verkörpert einen Space-Taxifahrer namens Rock Fertig-Aus, und seit er den Hajo Heiermann in „Das Superweib“ gespielt hat, war er nicht mehr derart in Form.

Ja, es gibt in der deutschen Filmgeschichte nur ein verlässliches Genre, die Posse. Von Heinz Erhardt, über Otto, Dieter Hallervorden und die Supernasen führt eine gerade Linie zu Herbig, der sich einst als Hitchcock-Verehrer an der Münchner Filmhochschule bewarb und leider abgewiesen wurde.

Vielleicht rührt daher der Bierernst, der seine Komödien so grässlich angestrengt wirken lässt, als hätten Hans Eichel und Wolfgang Clement beim Mineralwasser einen Schwank über den Reformstau verfasst.



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INHALT

Im Jahre 2054 hat die Menschheit den Mars besiedelt. 250 Jahre später kehren die Nachkommen der ersten Siedler zurück. Ihr Ziel ist es, die Erde zu erobern und deren Bewohner zu vernichten. Und tatsächlich scheint die Lage aussichtslos: Die Invasion hat begonnen. Königin Metapha befiehlt dennoch, „nicht den Sand in den Kopf zu stecken“. Denn es gibt eine letzte Hoffnung: Die Besatzung des „(T)Raumschiff Surprise“ muss auf einer Zeitreise die Besiedlung des Mars rückgängig machen. Die Crew hat allerdings eine sehr viel dringendere Mission: Sie steckt mitten in der Vorbereitung ihrer Tanznummer für die „Miss Waikiki Wahl“. Und nimmt deshalb nur sehr widerwillig ein Taxi zur Erde... .
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Eure Kritiken zu (T)Raumschiff Surprise: Periode 1

  1. Detlef74

    Hohe erwartungen.. habe ich gehabt. Die sind zwar nicht enttäuscht, doch TSP1 ist mehr eine Ansammlung zahlreicher gags und kein halbwegs zusammenhängendes Witzgestrüpp wie Der Schuh… Man kann aber den Ärger der schwulen gemeinde durchaus verstehen.

  2. eowyn

    GutGute Unterhaltung für einen entspannten Samstagabend. Gott sei Dank hatte das Kino eine Klimaanlage. Danach ein Kaltgetränk bei guter Stimmung, der uns auch der Film vermittelte – wunderbar….

  3. Udo

    OrdentlichOrdentliche Leitung von Bully Herbig. Ein Gag-Feuerwerk, bei dem das Timing wie ein perfekt geschnittener Anzug sitzt…

  4. Andy

    Trekkies in TüttüüIch bin ein Freund der Bullyparade und habe auch online für die Raumschiff-Crew gestimmt. Der Film erfüllte meine hohen Erwartungen, die Witze stimmten, bei Til Schweiger war ich überrascht.. Super Unterhaltung…

  5. weil baum

    alle warenn perfekt ich ♥den film ;D

  6. Pingback: Latest Dieter Hallervorden Blu Ray News | our health life

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