KRITIK

Tournée

Filmplakat zu TournéeEs geht nicht um Tanz. Es geht um eine humorvolle theatralische Darstellung mit parodierenden und grotesken Elementen. Gemeint ist Burlesque. Was im 17. Jahrhundert als „Burla“ (Schabernack) begann, enwtickelte sich bis heute, dem modernen Burlesque, hin zu einer erotischen Bühnenshow, die unter dem Einfluss der großen Pariser Varietétheater wie Moulin Rouge und Folies Bergère entstand. Mit „Burlesque“ von Steve Antin (USA 2010), jener Kino-Resterampe für die grell tönenden Diven Cher und Christina Aguilera, hat diese Bande im Film von Mathieu Amalric gar nichts zu tun: Laut, lustig, gekonnt vulgär und fernab der im Hollywoodkino obligatorischen Modelfiguren toben diese Damen umher.

Der Film folgt der Tour ihrer Show. Ihr Glamour freilich beschränkt sich auf jene Nummern zwischen Varieté und Striptease, die unter dem Label „Neo-Burlesque“ derzeit in Mode sind – der Rest ist Tingeltangel durch die Provinz. Szene aus dem Film TournéeJoachim Zand, ihr Produzent und Manager, holt die Mädels aus den USA nach Frankreich, wo nicht Pariser Cabarets auf sie warten, sondern lediglich die Peripherie. Sehr zum Missfallen der Künstlerinnen, die ihrem Manager damit ständig auf die Nervem gehen. Diesen Zand, nervöser Zampano zwischen feurigen Ladies, spielt der Franzose Mathieu Amalric selbst. Man kennt ihn aus Filmen wie „Schmetterling und Taucherglocke“ von Julian Schnabel oder vielleicht noch als Gegenspieler von James Bond in „Ein Quantum Trost“. Hier führte er nicht nur Regie (jüngst in Cannes dafür ausgezeichnet) und spielt die Hauptrolle, er hat auch am Drehbuch zum Film mitgeschrieben.

Kein Wunder: Seine sprunghafte Tour-Beschreibung pendelt gekonnt zwischen Doku (die Tänzerinnen sind auch im wirklichen Leben Tänzerinnen) und Spielfilm, verschiebt nuancenreich die Stimmungen und präsentiert sich so offen und frei schwebend wie John-Cassavetes-Klassiker. Mehrfach ausgezeichnet. Sehenswert.

 



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INHALT

Seine Karriere und sein Leben in Frankreich waren am Ende: Ärger, Schulden, Feinde an allen Fronten. Der einstige TV Produzent Joachim ließ schließlich Frau und Kinder zurück, um in den USA einen Neuanfang zu wagen. Und tatsächlich gelingt ihm mit einer New Burlesque Show ein Achtungserfolg, der ihn von einer triumphalen Rückkehr in seine Heimat träumen lässt. Von Hafenstadt zu Hafenstadt tourt er mit seinen bunt schillernden und lebensfrohen Tänzerinnen durch Frankreich. Das Publikum ist begeistert von der ebenso amüsanten wie erotischen Show der Amerikanerinnen. Auch hinter den Kulissen können trostlose Hotelzimmer und mangelndes Geld die Stimmung nur selten trüben. Der große Traum von einem extravaganten Tourabschluss in Paris hält diese besondere Schicksalsgemeinschaft am Leben. Doch kaum in Paris angekommen, muss Joachim feststellen, dass längst nicht alle alten Wunden verheilt sind ...
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