KRITIK

Tom meets Zizou

Filmplakat Tom meets ZizouKein Sommermärchen, droht der Untertitel. Eine Langzeit-Doku über einen talentierten Fußballspieler? Die zudem von „Liga total“ und dem Fachmagazin „11 Freunde“ empfohlen wird? Das klingt nicht nach Drohung sondern eher nach einem Versprechen. Es geht um nur einen Fußballer. Thomas Broich heißt er. Als er 2003 mit Wacker Burghausen in die zweite Liga aufsteigt, nahm er das Angebot von Borussia Mönchengladbach an, ging in die erste Liga und galt als künftiger Nationalspieler, als Netzers Erbe, Mittelfeld-Genie und Intellektueller. Aber Thomas Broich ist ein Fußballer, der Camus liest, Klassik hört und seine eigene Denke hat. Kann das gut gehen in der kommerzialisierten Fußball-Bundesliga? Nicht im Falle Broich.

Der damalige U-21-Nationalspieler wechselte die Vereine, kam nicht mit den Trainern klar, spielte immer weniger, wollte schließlich aufgeben. Heute ist er 30 und spielt erfolgreich in der australischen Liga. Zuletzte wurde er Meister mit Brisbane und als zweitbester Spieler der Saison ausgezeichnet. Szene aus dem Film Tom meets ZizouRegisseur und Grimme-Preisträger Aljoscha Pause hat den sympathischen Querdenker seit 2002 acht Jahre lang begleitet und eine epische Doku gedreht: Knapp zweieinhalb Stunden lang gibt es Selbst- und Fremdeinschätzungen Broichs, die erhellende Einblicke ins Karrieresystem Profifußball bieten.

Zum Glück erliegt Pauses (formal konventioneller) Film nicht der klischeehaften Dramaturgie eines Unangepassten, der an der Macht zerschellt: Broich hält sich selbst verantwortlich, für Niederlagen und Glück. Ein ehrlicher und ein sehenswerter Film. Keine Abrechnung und kein Sommermärchen. Wie versprochen.

 



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INHALT

Die erste Langzeit-Dokumentation über einen Deutschen Fußballprofi. Der Film setzt ein, als der 22-jährige Thomas Broich als Zweitligaspieler von Wacker Burghausen in der bayrischen Provinz und als hochtalentierter Mittelfeldstratege von sich Reden macht. Schnell wird er in einem Atemzug mit Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski und Philipp Lahm als "Hoffnungsträger" für die Nationalmannschaft genannt.
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Eure Kritiken zu Tom meets Zizou

  1. Der Hans

    Großartiger Film!

  2. Daniel0481

    hab mir den film gestern angeschaut nachdem im vorfeld schon einiges darüber gelesen, und mir auch alle im netz verfügbaren trailer angeschaut hatte. Meine Erwartungen an den film waren von daher schon recht hochgesteckt, da man ja eigentlich nichts Schlechtes aus den Rezensionen und Vorabberichten entnehmen konnte. Ein bissl skeptisch sollte man bei soviel überschwänglicher Verehrung trotzdem bleiben dürfen, und ich finde stellenweise Kritik an dem Gesamtwerk schon angebracht.
    Man erfährt in dem film defintiv einiges über den Menschen Thomas Broich, seine sportliche Entwicklung wird dabei immer auch mit seiner persönlichen Weiter-/Rückentwicklung in einen Kontext gebracht und insgesamt ergibt sich da schon ein recht stimmiges Bild seiner nicht immer zielstrebigen Karriereplanung.
    Das er in entscheidenden Momenten dann auch noch von Verletzungen zurückgeworfen wurde ist jetzt nicht unbedingt ein Alleinstellungsmerkmal seiner Laufbahn, da gibt es sicherlich Spieler die es noch sehr viel härter getroffen hat als ihn(zb Deisler, Kehl, Nowotny…) Aber er schiebt es ja in erster Linie schon auf seine damaligen Trainer, dass aus ihm nie der große Leistungsträger werden konnte, zu dem er sich selbst nach seiner Eigencharakterisierung potentiell schon berufen gefühlt hat. Seine zahlreichen aussersportlichen Aktivitäten (Töpferkurse, Literatur, Musik…) verwendet er innerhalb des films schon ein stück weit berechnend dazu sein „IntellektuelenImage“ durchaus willentlich zu zementieren, nur um retrospektiv dann davon zu sprechen hier sprichwörtlich in die Falle getappt zu sein, und das Spiel der Medien eben einfach nur bereitwillig und naiv mitgespielt zu haben. Das kann ich ihm persönlich nicht so ganz abnehmen, da er mir dazu einfach zu clever erscheint, um sich auch mit Anfang 20 nicht schon soweit über die Konsequenzen seines extrovertierten Verhaltens für den Beruf als Fußballprofi bewußt gewesen zu sein.
    Wenn man sich die Statements einzelner Mannschaftskollegen aus seiner Gladbacher zeit anhört, wird er von den „normalen“ Fußballprofis ja durchaus respektiert, und ihm entstehen durch sein Verhalten ja nicht wirklich Nachteile im Hinblick auf sein Standing innerhalb des Mannschaftsgefüges. Er scheint sich zwar im Lauf der Zeit schon stückweise der gängigen „Oberflächlichkeit“ des Geschäfts anzupassen, aber man merkt ihm in bestimmten Situationen auch an, dass er sich unter den grobschlächtigen Teamkollegen schon ein gewissen Sonderstatus herausnimmt und dadurch nach meiner Einschätzung sicher öfter Probleme bekommen haben könnte, ist natürlich Spekulation ganz klar.
    Im Endeffekt stellt sich Thomas Broich schon so ein klein wenig als missverstandenes Genie dar, der leider in seiner Karriere häufig zur falschen Zeit im falschen Verein gespielt hat, bzw vom falschen Trainer trainiert wurde, und dadurch bedingt niemals sein zweifellos riesiges Potential dauerhaft konstant abrufen konnte. Gerade unter Horst Köppel und später nochmal unter Michael Oenning hatte er doch im prinzip absolute Befürworter seiner Spielweise als verantwortliche Trainer, da hätte ich mir stellenweise noch etwas mehr Selbstkritik an seiner professionellen Einstellung gewünscht die er nur im ansatz durchschimmern lässt. Das er auf seiner letzten Station in Deutschland beim 1.FC Nürnberg dann offensichtlich von teilen der Mannschaft nicht zu 100% warmherzig empfangen wurde, dürfte auch schon anderen Spielern bei anderen Vereinen so ergangen sein, ich denke ihm hat dann am ende einfach komplett die Motivation für seinen Beruf gefehlt, das spricht er ja auch schon sehr offen und ehrlich an, das finde ich wiederrum sehr gut!
    Alles in allem ist der film aber auf jeden fall extrem empfehlenswert für jeden der sich nicht nur wenn WM ist für fußball interessiert, und meiner meinung ansatzweise etwas über die HIntergründe des Profitums zu erfahren. Mich freut es außerdem außerordentlich für ihn, in Australien endlich den Respekt und die Wertschätzung zu erfahren, den er eigentlich schon früher verdient gehabt hätte, ihm aber teils durch eigenes Verschulden immer verwehrt geblieben ist…sehr gute,glaubwürdige Doku insgesamt!

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