KRITIK

To the Wonder

Plakat zum Film To the WonderEs kam selbst einem Wunder gleich, dass Terrence Malick kaum anderthalb Jahre nach seinem letzten Film „The Tree of Life“ mit „To the Wonder“ beim Festival in Venedig ein neues Werk vorstellte. Ließ sich der größte Enigmatiker des amerikanischen Films doch bislang mehrere Jahre, gar Jahrzehnte Zeit, ehe er mit einem neuen Film aus der Versenkung wieder auftauchte. Dass Malick kaum Interviews gibt oder Fotos erlaubt und sich selbst bei Preisverleihungen vertreten lässt, verstärkt das Eigenbrötlerische in J.D. Salinger-Dimensionen.

Allerdings, sein Oeuvre spricht für sich, kaum ein anderer Filmemacher kann ein ähnlich kohärentes Gesamtwerk aufweisen, das zudem von einer alles durchdringenden Humanität geprägt ist, von einer Spiritualität und Sinnhaftigkeit, die seine Filme nicht gerade leicht konsumierbar machen, aber jeden von ihnen zu einem Faszinosum ganz eigener Art. Malick ist ein Forschender, die Kamera in seinen Filmen ist stets auf der Suche, driftet hierhin und dorthin, entfesselt von den Zwängen herkömmlicher Dramaturgien, Spannungsbögen oder Figurenentwicklungen. Er möchte zu dem Kern der Dinge vorstoßen, dem Kern, was unsere Welt, unser Leben zusammenhält.

Szene zum Film To the WonderIn „To the Wonder“ ist Malicks Untersuchungsfeld die Liebe und es wird kolportiert, die impressionistisch inszenierte Romanze zwischen einem Amerikaner und einer Französin sei autobiographisch unterfüttert. Doch das ist ebenso wenig von Belang wie der Begriff einer „Geschichte“, wie er etwa in „Liebesgeschichte“ vorkommt. Malick ist allein interessiert an Momenten, an Eindrücken, die überdauern und sich einbrennen und ein Leben prägen. Dafür findet er überwältigende Szenerien wie die Abtei von Mont-Saint-Michel, aber auch ganz profane Locations in den Weizenfeldern Oklahomas, die Malick und sein Kameramagier Emmanuel Lubezki auf unnachahmliche Weise in betörendes Licht setzen.

Jedoch die ungezügelten Bilder sind nur ein Teil dieses in jedem Augenblick eindrucksvollen Amalgams aus Sinneserfahrungen, die an die Grenzen dessen stoßen, was das Mainstreamkino bislang gewagt hat, wenn es einen Bewusstseinsstrom auf den Film überträgt. „To the Wonder“ ist pure Leinwandpoesie, geschrieben und inszeniert von einem der größten lebenden Filmemacher, und Malicks bislang homogenster Entwurf seines einzigartigen Filmverständnisses.

  



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INHALT

Marina und Neil sind in Paris, der Stadt der Liebe, wie im siebten Himmel. Zurück in Oklahoma holt sie jedoch bald die Realität ein. Neil beginnt eine Affäre mit seiner Jugendfreundin Jane und Marina fühlt sich fern der französischen Heimat zunehmend verloren.
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