KRITIK

Tintenherz

Tintenherz Bücher sind wie Fliegenpapier – an nichts haften Erinnerungen besser als an bedruckten Seiten. Bücher müssen schwer sein, weil die ganze Welt in ihnen steckt. Bücher … Nein! Stopp! Obwohl man noch eine ganze Weile weiterzitieren könnte, denn Cornelia Funkes Mega-Erfolgsroman „Tintenherz“, aus dem all diese Zitate stammen, ist eine Fundgrube an Kalenderweisheiten über das Universum zwischen zwei Deckeln. Was ein bisschen putzig wirkt, denn jeder, der „Tintenherz“ zur Hand nimmt, hat sich ja schon gegen das Fernsehen entschieden. Wobei das Lesen doch – wie die Autorin selbst mal sagte – auch eine zutiefst asoziale, weil einsame Angelegenheit ist.

Etwas anders verhält sich die Sache natürlich im Kino. Aber Regisseur Iain Softley, bekannt geworden mit dem Beatles-Film „Backbeat“, hat in seiner Verfilmung des 566-Seiten-Opus auf all die Buchpreisungen verzichtet und heißt die Kinder stattdessen im Zauberreich der Effekte willkommen. Ist schon okay, wenn ihr nicht lest, sagt der Film. Das Problem ist nur, dass in der Adaption das durchaus komplexe Spiel der Autorin mit den Ebenen der Imagination völlig eindimensional bleibt. Fantasiearm.

Brendan Fraser spielt den Buchbinder Mortimer, genannt Mo, der über die Gabe verfügt, Dinge und Figuren aus Romanen „herauszulesen“, was ihm den Spitznamen Zauberzunge eingetragen hat. Liest er beispielsweise Rotkäppchen vor, weht gleich ein rotes Cape auf die Wäscheleine. Nur leider hat Mo eines Tages zum falschen Buch gegriffen, „Tintenherz“, woraufhin eine Reihe Finsterlinge lebendige Gestalt annahmen und im Gegenzug Mos Frau Resa von dem Buch verschluckt wurde.

Von all dem ahnte bis dato Mos Tochter Meggie (Eliza Bennett) nichts, was sich aber mit dem Auftritt eines ominösen Fremden namens Staubfinger ändert. Dieser Gaukler setzt eine ziemliche Hatz auf das letzte Exemplar von „Tintenherz“ in Gang, das benötigt wird, um Resa zu befreien.

Softley inszeniert diese Jagd, in die schließlich noch der „Tintenherz“-Autor selbst verwickelt wird, mit dem Gestus eines Märchenonkels, der mit großem Atem Ereignisse aneinanderreiht, die lebendigen Details aber wegschummelt.



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INHALT

Meggie Folchart lebt mit ihrem Vater Mo, der Bücher restauriert, in einem alten Haus. Eines Nachts warnt ein unheimlicher Gast ihn vor jemandem namens Capricorn. Überstürzt flüchtet Mo daraufhin mit Meggie zu ihrer Tante Elinor und ihrer kostbaren Bibliothek. Ihre Verfolger sind ihnen bereits dicht auf den Fersen. Meggie erfährt von Zauberzunge, der Buchfiguren real werden lassen kann.
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Eure Kritiken zu Tintenherz

  1. Eliza

    Im Fahrwasser von LotR und Potter schwimmt auch diese Fantasy-Mär nach „unserer“ Frau Funke. Die Darsteller überzeugen, doch die Geschichte kommt mit einem merkwürdigen Gefühl daher, das alles schon tausendmal gesehen zu haben. Schade, ein nur mäßiger Film.

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