KRITIK

Timm Thaler oder das verkaufte Lachen

Bild (c) 2017 Constantin Filmverleih.

Bild (c) 2017 Constantin Filmverleih.

Nach Detlev Buck und seinen vier „Bibi & Tina“-Teilen sowie Fatih Akin mit „Tschick“ widmet sich ein weiterer „Erwachsenen“-Regisseur dem Kinderkino: Andreas Dresen, mit Filmen wie „Halbe Treppe“ bekannt für realistisches Erzählen. Sein namhaft besetzter „Timm Thaler“ ist die erste Leinwandumsetzung des berühmten Kinderbuchs von James Krüss (1962), doch sie wird es nicht leicht haben, einen ähnlichen Eindruck zu hinterlassen wie die heute noch sehenswerte ZDF-Weihnachtsserie von 1979.

Anders als die Serie belässt Dresen den Buch-Plot in den 1920er-Jahren – oder vielmehr in einem Umfeld, das in Kostüm und Ausstattung an die Weimarer Republik erinnert, aber stets Raum für märchenhafte Ausflüge lässt. Timm Thaler (Arved Friese) lebt mit seinem Vater (Bjarne Mädel) in Armut, ringt aber jeder noch so betrüblichen Situation Tröstendes ab: mit seinem gewinnenden Lachen.

Szene_Timm_ThalerAls Timms Vater stirbt und er in die Obhut seiner bösen Stiefmutter (Steffi Kühnert) gerät, tritt der Baron Lefuet (Justus von Dóhnanyi) an ihn heran – eine dämonische Gestalt mit Zylinder, deren frankophonen Namen man besser nicht rückwärts lesen sollte. Der Baron verleitet Timm zu einem Handel nach Art von Faust und Schlemihl: Der Junge verkauft dem „Dealmaker“ sein verkaufsförderndes Lachen und gewinnt dafür im Gegenzug jede Wette.

Wie Timm mit dem plötzlichen Reichtum seine Seele zu verlieren droht, das erzählt Dresen im Einklang mit der konsumkritischen Vorlage, auch wenn die Umtriebe des Barons, der afrikanische Länder unter seine raubtierkapitalistische Knute zwingen will, hier mit kleinen Erklär-Animationen recht didaktisch behandelt werden. Dresen zeigt jedenfalls ungeahnte Lust an der Spielerei: Die Handlanger des Barons (Axel Prahl und, als Transvestit, Andreas Schmidt) werden in Trickfiguren verwandelt, als Rennbahnsprecher chargiert Harald Schmidt, es gibt lustige Gastauftritte von Heinz Rudolf Kunze (als Schuldirektor) und Serien-Timm Thomas Ohrner, mittlerweile 51 Jahre jung, als Hotelcon­cierge. Auch Charly Hübner, Nadja Uhl und Milan Peschel machen mit.

Szene_Timm_Thaler_2So unterhaltsam das ist: Für die im Kern sehr dramatische Story setzt Dresen ein bisschen zu sehr auf Witzeleien. An die auf Lanzarote gedrehte Serie, die einst mit Horst Frank einen der faszinierendsten Schurken der deutschen TV-Geschichte zu bieten hatte, kommt der Film nicht ganz heran.

 

 

Kritikerspiegel Timm Thaler oder das verkaufte Lachen



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Frank Brenner
choices, FRESH, etc.
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen in unserem Kritikerspiegel.

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