KRITIK

Thor

Thor Nachdem seit Beginn der sog. „Nuller-Jahre“ das Marvel-Universum die Kinoleinwand mit Figuren wie „Spider-Man“, „Hulk“, „X-Men“, „Fantastic Four“, „Daredevil“, „Elektra“, „Ghostrider“, „Iron Man“ und „Wolverine“ überflutet, kommt aus gleichem Hause mit „Thor“ eine Adaption in die Kinos, die im Vergleich zu den anderen Leinwandhelden ihre Tücken hat: Thor ist kein Mensch, sondern der nordische Donnergott. Während alle anderen Figuren bei Marvel – selbst die zwiespältigsten – eine menschliche und verletzliche Seite aufweisen, ist Thor unsterblich und verfügt über Kräfte jenseits allen Vorstellbaren. Eine große Portion „Fantasy“ hält also Einzug ins Marvel-Universum.

Thor, der Sohn des Odin, ist arrogant und selbstgefällig. Das geht soweit, dass er den lange herrschenden Waffenstillstand zwischen dem Geschlecht Asgards, den Asen und den Eisriesen zunichte macht, woraufhin in den Sphären der Götter wieder Krieg auszubrechen droht. Zur Strafe beraubt ihn Odin all seiner Kräfte, einschließlich seines mystischen Hammers Mjolnir und verbannt ihn auf die Erde, wo er als Sterblicher unter Sterblichen Bescheidenheit und Demut lernen soll.

Szene aus dem Film Thor

Paramount Pictures - Marvel Studios

Währenddessen nutzt Loki, Thors Bruder und Gott der Täuschung und List, die Gelegenheit, um durch einen boshaften Plan Asgards Thron zu besteigen. Glücklicherweise hat Thor immer noch treue Freunde im Götterreich, die alles daran setzen ihn wieder zurückzuholen. Und auch auf Erden hat er zwischenzeitlich Allianzen geschlossen, und eine davon ist sogar besonders reizvoll.

Wenn derlei gottgleiche Gestalt für die Kinoleinwand angepasst wird, sind Vereinfachungen nicht zu vermeiden. Ob man es dabei zu weit trieb oder nicht, kann nur der einzelne Cineast für sich selbst entscheiden. In Kenneth Branaghs „Thor“ machte man aus dem Göttergeschlecht, Wesen aus einer anderen Dimension, die über eine derart fortschrittliche Technologie verfügen, dass sie uns zwangsläufig wie Magie vorkommen muss. Vieles, was man in der Literatur über die nordischen Götter lesen kann, wurde zudem kurzerhand ignoriert oder zugunsten der ersonnenen Geschichte umgedeutet. So verliert Odin beispielsweise sein Auge nunmehr in einer Schlacht und gibt dieses nicht preis, um Allsicht zu erlangen, wie es in den Mythen geschrieben steht. Und auch Loki bekommt im Verlauf der Story eine gänzlich neue Herkunft angedichtet.

Wer sich an solchen Marginalien weniger stört, der kann sich zwei Stunden an leicht verdaulichem Popcorn-Effekttheater erfreuen. Blockbuster-Kino, das glücklicherweise vom Branagh mit einer gehörigen Portion Ironie inszeniert wurde. Gerne hätte man sich von diesen eher stillen und süffisanten Momenten mehr gewünscht. Die Götterwelt ihrerseits wurde mit immenser Theatralik und opernhaften Pomp wiedergegeben, was ziemlich genau dem entspricht, wie man es sich daheim bei den Asen vorstellen mag. Wer bei „Thor“ allerdings Charakterstudien vergleichbar mit „Spider-Man“ oder „X-Men“ erwartet, der könnte arg enttäuscht werden.

Szene aus dem Film Thor

Paramount Pictures - Marvel Studios

Das Geschehen wirkt glatt und „mainstreamig“. Thor selbst erscheint zudem derart unangreifbar und mächtig, dass kein Gegner – und sei es die ultimative zerstörerische Kreatur, die selbst Odin in all seiner Weisheit lieber unter Verschluss hält – ihn ernsthaft in Bedrängnis bringen kann. Derart übermächtig könnte die Figur Thors im kommenden „Avengers“-Film durchaus für einige Dysbalancen sorgen. Schauspielerisch können letztlich nur Anthony Hopkins, als Allvater Odin und Stellan Skarsgard, als irdischer Wissenschaftler überzeugen. Der Rest im Cast, inklusive Hauptdarsteller Chris Hemsworth, müht sich bestenfalls durch eine leicht unausgegorene Geschichte, in der zuletzt auch die etwas übers Knie gebrochene Romanze hölzern wirkt und keinen zusätzlichen Charme befördert. Der einzig wirklich kreative Moment in Branaghs Inszenierung spiegelt sich somit vielleicht allein im inszenatorischen Mut, die Figur Heimdalls, des Wächters der Regenbogenbrücke, mit einem Farbigen zu besetzen.

Kritikerspiegel Thor



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
5/10 ★★★★★☆☆☆☆☆ 


Sebastian Büttner
It´s just a film
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Bernhard Trecksel
Die Wochenschau
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 


Sascha Westphal
epd film, Die Welt, FR
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
6/10 ★★★★★★☆☆☆☆ 




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INHALT

Asgard - das sagenumwobene Königreich der Götter. Hier hat sich der mächtige Thor als wagemutiger und tapferer Krieger einen Namen gemacht. Doch durch eine rücksichtslose, mutwillige Entscheidung entfesselt der ebenso arrogante Donnergott aufs Neue einen seit Generationen befriedeten Krieg im Götterreich. Zur Strafe wird Thor daraufhin von seinem Vater Odin auf die Erde verbannt und ist gezwungen, sein Dasein unter den Menschen zu fristen. Die Rückkehr in seine Heimat ist ihm erst gestattet, wenn er gelernt hat, seine Überheblichkeit zu zügeln und seine Kräfte nach den göttlichen Regeln von Asgard zum Wohle aller einzusetzen. Es ist ein harter Aufschlag auf der Erde für Thor - im wahrsten Sinne des Wortes. Die Wissenschaftlerin Jane Foster und ihr Team nehmen den jungen Mann auf, der direkt vor ihren Augen wie ein Stein vom Himmel fällt. Auch das Militär wird schnell auf den ungewöhnlich kampferprobten Fremden aufmerksam. Denn dieser hadert schwer mit seinem Schicksal und stößt bei der Suche nach seinem Machtsymbol, dem Hammer, immer wieder an die Grenzen der irdischen Welt. Doch dann bietet sich ihm die Gelegenheit zur Bewährung: Ein übermächtiger Gegner, der im Verbund mit den dunkelsten Kräften seiner Heimat Asgard steht, beginnt, die Erde mit einem Inferno zu überziehen. Nur Thor ist in der Lage, die Menschheit zu beschützen.
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Eure Kritiken zu Thor

  1. Christoph

    Ich weiss gar nicht, was alle an diesem Film so toll finden. Hauptdarsteller Chris Hemsworth besitzt das Schauspieltalent einer Schaufensterpuppe, Natalie Portman bangt und zittert und die großen Gesten der übrigen Darsteller wirken so aufgesetzt wie die Effekte. Das ist alles nur recht spärlich unterhaltsam. Kenneth Branagh inszeniert mutlos und ohne Verve und auch die Effekte hat man in anderen Comicverfilmungen schon besser gesehen. Insgesamt eine Enttäuschung.

  2. RobbyTobby

    Ein sehr unterhaltsamer Film. Fantasy, Comic, nette Effekte, süße Portman, was will man(n) mehr bei sonnigem Wetter – eben gute Unterhaltung.

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