KRITIK

There Will Be Blood

There Will Be Blood Paul Thomas Anderson hat schon in seinem furiosen L.A.-Reigen „Magnolia“ eine biblische Geschichte verhandelt. Von den Sünden der Väter erzählte er da. Und am Ende lässt er, als verdiente Plage, Frösche über der Stadt der Engel regnen. In seinem jüngsten, für acht Oscars nominierten Werk „There Will Be Blood“, einer freien Adaption des Romans „Oil!“ von Upton Sinclair aus dem Jahr 1927, forciert Anderson den alttestamentarischen Zorn.

Der Film ist ein Gleichnis auf die unersättliche Gier und Selbstsucht, er lässt falsche Propheten und verlorene Söhne auftreten, er schildert einen Brudermord und überhaupt Verstöße gegen vielerlei Gebote. Und das mit einer Wucht und Strenge, wie man sie im Gegenwartskino selten sieht. Von Kapitalismuskritik, die der Regisseur betreibe, war vielfach die Rede, aber „There Will Be Blood“ hat mehr zu bieten als das.

Andersons finsterer Held heißt Plainview und wird von Daniel Day-Lewis verkörpert, dem ja der Ruf eines wahnsinnigen Method-Actors vorauseilt. Doch egal, wie er es anstellt – Day-Lewis ist einmal mehr sensationell. Im ersten, völlig wortlosen Teil der Chronik seines unaufhaltsamen Aufstiegs erleben wir Plainview als noch mittellosen Goldschürfer unter Tage, wo er, anno 1898, den ersten Blutzoll zahlt.

Und es werden größere Opfer folgen, während Plainview zum Öl-Tycoon aufsteigt. Der Mann versündigt sich. Schickt seinen Adoptivsohn, der nach einem Unfall an der Förderstelle sein Gehör verloren hat, in die Wüste. Luchst einer Farmersfamilie billig wertvolles Land ab und bricht seine Versprechen gegenüber dem Gemeinde-Prediger Eli Sunday (hervorragend: der junge Paul Dano), der allerdings auch kein Heiliger ist.

Anderson nimmt sich zweieinhalb Stunden für diese faszinierende Moritat, die so schroff wirkt wie der karge Boden des amerikanischen Westens und so dunkel wie das Öl, das darunter liegt. Auch Anderson geht es um die tiefen Schichten, die menschlichen indes. Getrieben wird sein Film von der bohrenden Frage, ob es möglich ist, ohne Glauben zu leben.



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INHALT

Als Daniel Plainview um die Jahrhundertwende in Amerika nach Silber sucht und statt dessen Öl findet, wird er binnen weniger Jahre zum schwer reichen Tycoon. Mehrfach hat er sein eigenes Leben riskiert, um an das schwarze Gold zu gelangen und seitdem ihn die Gier nach Reichtum erfasst hat, kommt seine menschenfeindliche Borderline-Persönlichkeit immer mehr zum Vorschein. Bis er in Familienvater Eli Sunday einen ebenbürtigen Gegner findet.
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Eure Kritiken zu There Will Be Blood

  1. Martin

    Schwierig, wer den oscar bekommen soll. Dieser Film hat einen Film-Oscar verdient, Johnny Depp die Leistung für den Darstellerpreis.

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