KRITIK

Themba

Themba Jens Lehmann wurde wieder einmal ein Zettel zugesteckt. Anders als im WM-Viertelfinale 2006 standen diesmal nicht die argentinischen Elfmeterschützen drauf, auch nicht die durchaus zahlreichen Dialoge, die er in „Themba“ sprechen darf, sondern offenbar die Botschaft, die der deutsch-südafrikanische Fußballfilm übermitteln will. Dementsprechend ehrfurchtsvoll geht Lehmann in seiner Rolle als Talentscout Big John auch zu Werke, er macht seine Sache allerdings gar nicht mal so übel. Damit steht er in „Themba“ jedoch beinahe auf verlorenem Posten. Nicht genug, dass der allzu gut gemeinte Film sein Anliegen unmissverständlich ans Publikum transportieren will, er wählt dazu auch die denkbar unglücklichste Taktik.

Nach der fürs Gastgeberland durchaus gelungenen Fußballweltmeisterschaft, ist es nur zu verständlich, die wirklich drängenden Probleme Südafrikas wieder zu thematisieren – nein, das Vuvuzela-Getröte gehört nicht dazu – aber es ist ein sehr schmaler Grat, nicht in Betroffenheitsklischees zu verfallen, wenn so gewichtige Themen wie die AIDS-Problematik, Armut- und Gewaltdiskurse in einer exemplarischen Story, einem negativ wie auch positiv überladenen Einzelschicksal durchexerziert werden.

Dass der anfangs 11-jährige Protagonist auch noch Themba heißt, was in der Sprache der Xhosa soviel wie Hoffnung bedeutet, dass er ein dermaßen talentierter Nachwuchskicker ist, dessen Karriere bis in die Bafana Bafana trägt, mag man der gleichnishaften Geschichte noch verzeihen, wie schludrig allerdings die Fußballszenen inszeniert sind, wie wenig das angebliche Ausnahmetalent ins Bild gesetzt und exponiert wird, ist kaum nachvollziehbar. Und wenn dann noch der Profifußball als Ausweg aus dem Elend der Unterprivilegierten proklamiert wird, bleibt nicht nur mit einem Seitenblick auf das kolonialherrschaftliche Gebaren der FIFA in Südafrika ein ziemlich schaler Beigeschmack.

Die Binsenweisheit, dass gut gemeint und gut gemacht ein unüberbrückbarer Gegensatz sei, was Harald Schmidt in seinem Soloprogramm „Schmidtgift“ einen denkwürdigen Lacher einbrachte, bewahrheitet sich mit dieser übermotivierten, wenig subtilen Elends-Exploitation ein weiteres Mal. Und wer Botschaften habe, so konstatierte bereits der große Billy Wilder, solle eben ein Telegramm schicken. Auch in heutiger Zeit wäre das immer noch wirksamer als Jens Lehmann oder Zahlenkolonnen vorm Abspann dafür einzuspannen.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Der 11-jährige Themba lebt mit seiner Mutter Mandisa und seiner jüngeren Schwester Nomtha in armen Verhältnissen in einem kleinen Dorf im Südaftrika. Seine große Leidenschaft gilt dem Fußball: Er nutzt jede Gelegenheit, um mit seinem besten Freund Sipho zu kicken und den Vorbildern Zidane oder Ronaldo nachzueifern. Gemeinsam mit seinen Fußballfreunden gründet Themba die "Lion Strikers". Als ihre Mutter ihn und seine Schwester Nomtha mit ihrem arbeitslosen und trinkenden Freund Luthando zurücklässt, um in Kapstadt Geld für sich und ihre Kinder zu verdienen, bietet die Beschäftigung mit Fußball für Themba bald die einzige Chance, seine Sorgen zu vergessen. Bei einem Jugendturnier wird der Leiter der "All Star Academy", John Jacobs (Jens Lehmann), auf den talentierten Themba aufmerksam und gibt ihm seine Visitenkarte. Für Themba scheint ein Traum wahr zu werden.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*