KRITIK

The Zero Theorem

Bild (c) 2014 Concorde Film Verleih.

Bild (c) 2014 Concorde Film Verleih.

Wenn Terry Gilliam von der Zukunft erzählt, sieht die Welt nur wenig vielversprechend aus. Das steht seit seinen kafkaesken Dystopien „Brazil“ (1985) und „12 Monkeys“ (1995) fest und gilt auch für sein neues Science-Fiction-Szenario: „The Zero Theorem“ spielt in einem London der nicht ganz so fernen Zukunft, in einer beinahe komplett entmenschlichten Konsumwelt aus durchindividualisierten Werbebotschaften, die von jeder Hauswand herunter- und aus jedem Display hinauswuchern. Knallbunt, laut und leer.

Wer nach dem Sinn sucht, sollte Qohen Leth fragen. Der versponnene Programmierer haust in einer von Mäusen durchwuselten Kirchenruine, hantiert an merkwürdigen Apparaturen und Computern herum und sucht nach der Weltformel. Zumindest hat er vom Diktator den Auftrag erhalten, das titelgebende Theorem zu entschlüsseln, das vereinfacht besagt: Alles ist nichts. Oder umgekehrt. Für den Fall der Decodierung erhofft sich Leth „den Anruf“: eine Art mythische Erlösung, vielleicht auch nur einen Sachbearbeiter, der ihm den Sinn des Lebens durchkabelt.

Szene_Zero_TheoChristoph Waltz spielt diesen Qohen, der unwillig und depressiv an dieser schönen, neuen Welt leidet – mit Kunstbauch und Glatze, die Augenbrauen abrasiert. Seine Figur ist eine Mischung aus Soziopath und Herman Melvilles „Bartleby“. Ein Eigenbrötler, der auf alle Angebote und Anweisungen stets antwortet mit: „Ich möchte lieber nicht.“ Trotzdem pfuschen lauter exzentrische Figuren um ihn herum, der Sohn des Chefs, der ihn ausspioniert, eine junge Prostituierte mit unklaren Absichten, der Chef selbst (von Matt Damon mit verwegener Frisur gespielt), eine virtuelle Therapeutin (von Tilda Swinton mit sogar noch verwegener Frisur gespielt).

Regisseur Gilliam, der Monty-Python-Veteran, spickt das düstere, die Kirchenruine nur selten verlassende Geschehen mit jeder Menge skurriler bis surrealer, abgründig witziger bis schmerzhaft bitterer Details. Wie aufgedreht fährt seine Kamera durch die abgeranzten Sci-Fi-Kulissen: London könnte hier auch Tokio sein, und gedreht wurde in Bukarest. Leider fügt sich die Hundertschaft von Ideen nicht zu einem packenden Film, zu unentschlossen wirkt der Plot. „Zero Theorem“ landet schnell im Leerlauf, die ausgestellte Skurrilität nutzt sich ab. An seine frühen Highlights kann Gilliam damit nicht anknüpfen.

 




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INHALT

In einer dystopischen Zukunft lebt das exzentrische Computergenie Qohen Leth (Christoph Waltz) äußerst zurückgezogen in der Ruine einer ausgebrannten Kirche. Für eine anonyme Firma arbeitet er fieberhaft daran, das „Zero Theorem" zu lösen. Diese mathematische Formel enthält nicht weniger als die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Den Machthabern der Orwellschen Zukunftswelt, in der Qohen lebt, scheint dies gar nicht zu gefallen. Sie schicken ihm immer wieder die verführerische Bainsley (Mélanie Thierry) sowie Bob (Lucas Hedges), den rebellischen Sohn des mysteriösen Firmenvorstands „Management" (Matt Damon) ins Haus, um seine Forschungen zu stören und die Lösung des größten Rätsels der Menschheit zu verhindern. Doch Leth ist fest entschlossen, seine Arbeit zu Ende zu bringen. Denn man hat ihm in Aussicht gestellt, dass er dann jenen Anruf erhalten würde, auf den er seit Jahren verzweifelt wartet. (Text: Condorde Film Verleih)
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