KRITIK

The Wrestler

The Wrestler Natürlich war Mickey Rourke nie so komplett weg vom Fenster, wie es gern behauptet wird: Auch in den 90er Jahren, diesem „Scheiß-Jahrzehnt“, wie er es in und als „The Wrestler“ einmal formuliert, drehte er Filme am laufenden Band. Nur an seine großen Hauptrollen-Erfolge in den 80er Jahren konnte er damit nie anknüpfen. Mit viel Kokain und einer kurzen Box-Zweitkarriere ruinierte er sich stattdessen den Körper.

Wohl schon deshalb wird sein großes Hauptrollen-Comeback mit „The Wrestler“ geradezu als die Wiederauferstehung eines Gefallenen gefeiert; 15 wichtige Darstellerpreise hat er dafür bekommen. Seinen Reiz bezieht der Film freilich vor allem daraus, dass sich Rourkes Fall mit dem Niedergang seiner Filmfigur so bestens analogisieren lässt. Wie Rourke hatte Randy „The Ram“ Robinson, so heißt er, seine beste Zeit als Wrestler in den 80ern, und wie bei Rourke ging es in die 90ern bergab. Noch heute aber läuft er herum wie damals, mit peroxid-blonder Metal-Mähne und anabolikageblähten Muskelpaketen. Mit drittklassigen Fights in Turnhallen verdient er nicht einmal genug für die Miete seines schäbigen Wohnwagens im Trailer Park. Doch eines Tages kippt er um: Herzinfarkt. Er muss seinen geschundenen Körper schonen, arbeitet an der Wursttheke im Supermarkt, möchte sich mit der Tochter aussöhnen und mit seiner Lieblings-Stripperin (toll: Marisa Tomei) glücklich werden. Doch am Ende lockt immer noch der Ring. Trotz Bypass.

Regisseur Darren Aronofsky, der für seinen Film in Venedig den Goldenen Löwen erhielt, hat nach dem kunstgewerblichen Flop „The Fountain“ seinen Stil geändert: „The Wrestler“, ganz schmucklos und mit Handkamera gedreht, wirkt wie ein dokumentarisches Porträt der halbseidenen Wrestlingszene, voller blutiger Details in den beinharten Kämpfen, in denen sich gegenseitig der Rücken zugetackert wird.

Randys Geschichte ist dabei eine melodramatische, aber ohne Rourkes darstellerische Wucht wäre sie nur halb so stark. Wie ein waidwundes Tier schleppt er sich durch den Film, schwer atmend, mit Hörgerät und Brustnarbe. Doch so sehr sich der Altgewordene auch aufbäumt: Ein Ausweg ist nicht mehr in Sicht. Sehenswert.



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INHALT

Randy "The Ram" Robinson ist ein Gladiator des Pop-Zeitalters. Als Wrestler feierten ihn früher die Fans in ganz Amerika. Doch der Preis dieses Ruhms war hoch: Der Star von einst ist ein Wrack, er hält sich mit Billigkämpfen für seine letzten, unverbesserlichen Anhänger über Wasser. Selbst mit der üblichen Dosis an Steroiden lässt sich der körperliche Verfall nicht mehr aufhalten. Nach einem Herzanfall erkennt Randy endlich die Grenzen dieser Existenz: Der Einzelgänger nimmt Kontakt zu seiner lang entfremdeten Tochter Stephanie auf, findet in der Stripperin Cassidy eine Seelengefährtin und wagt die ersten Schritte in ein gewöhnliches Berufsleben.
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Eure Kritiken zu The Wrestler

  1. Udo

    Mit zuviel Begeisterung und Superlativen sollte man immer vorsichtig sein, hier sind sie aber angebracht. Der Film von Aronofsky ist ein Meisterwertk. Und man sollte den Film unbedingt im Kino sehen, um die grandiose Leistung von Rourke auf der großen Leinwand staunend betrachten zu können!

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