KRITIK

The Witch

Bild (c) Universal Pictures Germany.

Bild (c) Universal Pictures Germany.

Kann man nach zwei Großtaten innerhalb weniger Monate in einem kränkelnden Genre schon von einer Renaissance sprechen? Wahrscheinlich nicht, aber nach „It Follows“ ist „The Witch“ der nächste Beweis dafür, dass es im US-Kino Tendenzen gibt, das uninteressant gewordene Horrorgenre neu zu beleben. Der junge Debütregisseur Robert Eggers erzählt seine verstörende Hexengeschichte mit der Akribie eines weisen Historikers: Die antiquierten Dialoge basieren auf Gerichtsprotokollen, die Kostüme auf Museumsexponaten. Doch Eggers nutzt das nicht zur Authentizitäts­huberei, sondern für die Atmosphärensteuerung. Und das gelingt ihm ganz hervorragend: Dieser Film ist sehr unheimlich.

Erzählt wird von einer streng puritanischen Familie, deren Vater so sündenfixiert ist, dass er anno 1630 aus seiner kleinen neuenglischen Siedlung vertrieben wird. Am Rande eines Waldes versucht sich die Familie durchzuschlagen, doch bald häufen sich die Unglücke: Die Ernte verdirbt, die Ziege gibt Blut, das Baby verschwindet. Ist die älteste Tochter Thomasin (starkes Kinodebüt: Anya Taylor-Joy) mit dem Teufel im Bunde?

Szene_The_WitchAuch wenn „The Witch“ keinen Hehl daraus macht, ein echter, übersinnlich operierender Gruselfilm sein zu wollen, erzählt Eggers, in beklemmend langsamem Tempo und tollen, fahlen, wie aus der Zeit gefallenen und romantizistisch anspielungsreichen Märchenbildern, von ganz anderen Dingen: von geschlossenen Ideologiesystemen, deren Fundamentalismus in den Untergang führt; vom Misstrauen, das sich in eine Familie schleicht, deren Patriarch an seiner Bigotterie scheitert. Vorgetragen von überzeugenden Darstellern (Sarah Stephens, Julian Richings, Kate `Game of Thrones Lysa Arren` Dickie) gelingt dieser Transport ganz hervorragend. Vom Sounddesign bis zum Schnitt also: ein erfreulich furchterregendes Vergnügen. Sehenswert.

 

 

 

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