KRITIK

The Wind That Shakes the Barley

The Wind That Shakes the Barley Endlich hat`s geklappt: Für „Land and Freedom“, seinen Film über den Spanischen Bürgerkrieg, war der Brite Ken Loach 1996 für die „Goldene Palme“ von Cannes nur nominiert, für „The Wind that Shakes the Barley“ („Der Wind, der die Gerste wiegt“), sein gewaltiges, radikales Drama über den irischen Bürgerkrieg, hat er die wohl wichtigste Auszeichnung, die in Europa vergeben wird, nun endlich erhalten. Denn wie könnte man den Wahnsinn von Krieg, Terror und Vergeltung besser zeigen als durch einen blutigen Konflikt, der sogar Brüder zu Todfeinden werden lässt? Vielleicht hat Altmeister Loach („Just a Kiss“) damit, zusammen mit seinem Stamm-Drehbuchautor Paul Laverty, seinen besten Film seit Jahrzehnten gedreht.

Irland 1920: Immer mehr britische Soldaten – die gefürchteten „Black and Tans“ – terrorisieren die nach Unabhängigkeit strebende Bevölkerung, unter der sich allmählich der Widerstand gegen die Willkür der Besatzer formiert. Auch der junge Damien (Cillian Murphy aus „Breakfast on Pluto“), der eigentlich in London als Arzt Karriere machen wollte, gibt seine Pläne auf, um für die Unabhängigkeit seines Landes zu kämpfen. Er schließt sich den Verbündeten seines Bruders Teddy (starker Newcomer: Pádraic Delaney) an, die sich nach dem Oster-Aufstand 1916 und der international nicht anerkannten irischen Unabhängigkeit in der „Irisch Republikanischen Armee“ (IRA) zusammengetan haben, um gegen die übermächtigen britischen Besatzer vorzugehen. Die dürftige Bewaffnung und die nominelle Unterzahl der IRA lässt nur eine Möglichkeit zu: den Guerilla-Krieg. Als es zwischen den Anführern der Aufständischen und den Briten 1921 zu einem zweifelhaften Friedensvertrag kommt, der die Mitglieder des irischen Parlaments verpflichtet, einen Treueschwur auf die englischen Krone abzugeben, zerbricht nicht nur die Widerstandsbewegung, er bringt auch die Brüder Damien und Teddy auseinander, die sich im nun folgenden Bürgerkrieg als Todfeinde gegenüberstehen. Bis sie endlich verstehen, dass sich ihr früherer gemeinsamer Gegner die individuellen Interessen der Aufständischen zu Nutze gemacht hat, ist es bereits zu spät.

Die vielfach verwickelte Geschichte des (nord-)irischen Bürgerkriegs, deren Nachwehen auch heute noch deutlich zu spüren sind, war schon mehrfach Thema packender Kinofilme – Loachs Werk, eine französisch-irisch-britische Co-Produktion, gehört auf Anhieb zu den überzeugendsten von ihnen. Weil er ein mitreißendes Drama erzählt, ohne sich in Kitsch und Pathos zu ergehen. Weil er stets die historischen Fakten im Blick behält, ohne zum trüben Thesenmelodram zu schrumpfen. „The Wind that Shakes the Barley“ ist allerbestes Polit-Kino, da es Privates mit Öffentlichem auf geschickteste Weise verschränkt, das Ergebnis in bewegende Bilder kleidet und obendrein auf grandiose Darsteller vertrauen kann. Zum Jahresende kommt damit noch einmal eine absolute Perle in die deutschen Kinos, die man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.



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INHALT

Der junge Damien gibt seine Arztkarriere auf, um für die irische Unabhängigkeit zu kämpfen. Er schließt sich den Verbündeten seines Bruders Teddy an, die nach dem irischen Oster-Aufstand 1916 und der international nicht anerkannten irischen Unabhängigkeit gegen die übermächtige britische Krone ins Feld ziehen. Bewaffnet und doch wehrlos, zahlreich und doch zu wenige, leidenschaftlich und doch verwundbar, bündeln sie ihre Kräfte und treiben ihre einzige Chance, den Guerilla-Krieg gegen die Weltmacht, bis ins Inferno.

Doch die Waffen, die gestern noch ihr Ziel trafen, sind am nächsten Tag schon verbraucht. Der zweifelhafte Friedensvertrag mit den Briten zerbricht nicht nur die Widerstandsbewegung, sondern sprengt auch die Brüder Damien und Teddy auseinander. Viel zu spät verstehen sie, dass der Gegner längst erkannt hat, wie er sich die individuellen Interessen der Aufständischen zu Nutze machen kann. Die radikale Konfrontation hat sich in innere und äußere Zerrissenheit aufgelöst – Damien und Teddy stehen sich im nun folgenden Bürgerkrieg als Todfeinde gegenüber und nur die Liebe zu Sinead scheint für Damien nichts an Reinheit eingebüßt zu haben.
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