KRITIK

The Walk

Bild (c) 2015 Sony Pictures.

Bild (c) 2015 Sony Pictures.

Die Geschichte vom Hochseilartisten, der 1974 zwischen den beiden Türmen des damals noch nicht ganz fertiggestellten World Trade Centers in New York herumbalancierte, ist im Kino nicht neu: James Marshs Dokumentarfilm darüber, als „Man on Wire“ treffend betitelt, gewann 2009 den Oscar. Nun hat „Zurück in die Zukunft“-Regisseur Robert Zemeckis die imponierende Tat in den Mittelpunkt eines Spielfilms gestellt. Heraus kam dabei ein romantisch-nostalgischer Abenteuerfilm mit „Ocean’s Eleven„-Anklängen – und prächtiger Verwendung für die 3D-Technik.

Philippe Petit, so heißt der heute 66-jährige Lebenskünstler aus Frankreich, wird in „The Walk“ von „Inception“-Star Joseph Gordon-Levitt gespielt – mit antrainiertem französischen Akzent. Eingangs steht er auf der Fackelplattform der Freiheitsstatue und führt als selbstironischer Conférencier in „Die fabelhafte Welt des Philipe Petit-Manier“ quer durchs eigene Leben: Früh verlässt er das Elternhaus, in den 1960ern lernt er beim grimmigen Zirkus-Urgestein Papa Rudy (schöne Rolle für Ben Kingsley) die Hochseilartistik. Szene_The_Walk2Dabei strebt der tatsächlich klein geratene Petit in himmlische Höhen: Sein erster großer Coup ist ein Balanceakt zwischen den Türmen der Pariser Kathedrale Notre-Dame. Als er dann vom Bau des World Trade Centers aus einer Zeitung erfährt, gibt es kein Halten mehr.

Der Mittelteil des Films präsentiert sich als Variante des Einbruchfilms: Zusammen mit seiner Freundin, der Musikerin Annie (unterbeschäftigt: Charlotte le Bon aus „Yves Saint Laurent„), trommelt Petit einen Haufen Glücksritter zusammen, die ihm bei der Planung und Durchführung des illegalen Unterfangens helfen. Schon das bietet ein paar schöne Spannungssequenzen, doch die sind noch gar nichts gegen das letzte Filmdrittel, in dem Petit schließlich mehrfach zwischen den 75 Meter entfernten WTC-Türmen hin- und herbalanciert. In fast 500 Metern Höhe, ohne Sicherungsseil.

Szene_The_WalkIn diesen Momenten kann die 3D-Technik zeigen, was sie kann: den Zuschauern schweißnasse Hände bereiten und sie bei ihrer Höhenangst packen. Immer wieder gleitet die Kamera über Petit hinweg oder um ihn herum, auf ihn zu und von ihm weg – das macht das nostalgisch eingefärbte Biopic endgültig zur spektakulären Jahrmarktsattraktion. Als solche funktioniert es freilich bestens. Und ein zart-melancholisches filmisches Denkmal für das 2001 im Terrorstaub kollabierte World Trade Center entsteht ganz nebenbei. Sehenswert.

 

Kritikerspiegel The Walk



Gian-Philip Andreas
Westfälische Nachrichten
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Christian Gertz
nadann... Wochenschau, mehrfilm.de
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Antje Wessels
wessels-filmkritik.com
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Julius Zunker
kinofans.com
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Durchschnitt
7/10 ★★★★★★★☆☆☆ 


Weitere Noten zu aktuellen Kinofilmen in unserem Kritikerspiegel Oktober.



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