AKTUELL IM KINO

The Square

Plakat zum Film The Square mit einem Aktionskünstler, der auf einem Bankett-Tisch steht.

Bild (c) Alamode Filmverleih.

Ist das Kunst? Oder ein Versehen? Ist das noch Leben oder schon Performance? Gibt es da noch einen Unterschied? Und wenn sich Künstler danebenbenehmen dürfen, warum dann nicht wir alle? Dies sind komplizierte Fragen, die der schwedische Regisseur Ruben Östlund in seinem Film stellt. Und wie so oft sorgt er dafür, dass das Nachdenken darüber wehtut.

Östlund ist berüchtigt dafür, das Selbstbild seiner (männlichen) Figuren gnadenlos zu dekonstruieren, zuletzt tat er das mit einem Familienvater in seinem Meisterwerk „Höhere Gewalt“. Diesmal ist der smarte Stockholmer Kunst-Kurator Christian (hervorragend: Claes Bang) an der Reihe. Er lebt das vorbildliche Leben eines modernen Endvierzigers: ein kümmernder Vater, kommunikativ, attraktiv, erfolgreich, nachhaltig, natürlich fährt er ein Elektro-Auto.

Hauptdarsteller Claes Beng als Christian aus dem Film The SquareDann bricht das Leben in seine Kreativ-Blase ein: Handy und Geldbörse werden ihm geklaut, als er in eine Notsituation eingreift, die sich als Trickdiebstahl entpuppt – als kriminelle Performance. Christian findet das Handy per GPS und lässt sich zu Drohbriefen hinreißen, eine ganz dumme Idee. Auch im Kunstmmuseum laufen die Dinge aus dem Ruder: Die brutalisierte PR-Kampagne zur neuen Installation „The Square“ (einem Quadrat, innerhalb von dessen Grenzen jeder gleich sein soll) endet im Shitstorm, Journalistin Anne („Mad Men“-Star Elisabeth Moss) will sich nicht mit Christians One-Night-Stand Routinen abfrühstücken lassen, und die Performance eines Radikalkünstlers sprengt ein Sponsoren-Dinner.

Szene-aus-dem-Film-The-SquareEs sind mitunter schwer erträgliche Szenen, die Östlund da entwirft, oft brutal-satirisch, aber erhellend, was den Umgang des modernen, sich aufgeklärt gebenden Großstadtmenschen mit jenen angeht, die sich gegen all das sträuben, was die Rechte gern als „politische Korrektheit“ diffamiert.

Östlunds spöttischer Blick auf zeitgenössische Kunst ist diskutabel, weil er die denunziatorischen Reflexe der Populisten übernimmt, wird aber da interessant, wo er den Kunstbetrieb als hermetisches System inszeniert. Vor allem vor dem Hintergrund, dass dieses gern von Gesellschaft spricht, aber am liebsten unter sich bleibt. Östlund ist selbst ein wenig wie der Mann mit Tourette-Syndrom, der in einer grandios gemeinen Szene den phrasensatten Teilnehmern einer Podiumsdiskussion Unflätigkeiten an den Kopf wirft. In Cannes erhielt Östlund für seine spannende Versuchsanordnung die Goldene Palme. Sehenswert.

 

 

 



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