KRITIK

The Road

The Road Wer „Die Straße“ gelesen hat, den mit dem Pulitzerpreis ausgezeichneten Roman des US-Kultautors Cormac McCarthy, der hat die Verfilmung eigentlich schon im Kopf: In knappen, detaillierten Szenen beschreibt McCarthy darin eine postapokalyptische Welt ohne Tiere und Pflanzen und Sonne, in der die letzten Überlebenden umherstreifen.

Ein zappendusteres Endzeitszenario zwischen Krankheit und Kannibalismus, und ganz schön anstrengen musste sich der, der einen Funken Hoffnung darin erkennen wollte.

Der australische Regisseur John Hillcoat („The Proposition“) hat diese Szenen nun relativ getreulich in schwefelfinster monochromisierte Bilder umgesetzt, gedreht in vulkanischen Schuttwüsten: Da ist sie nun also, die Welt nach der Katastrophe, deren Art und Grund die Erzählung nicht nennt. Und wo in Katastrophenfilmen sonst am Ende die Arche der Hoffnung dümpelt, brandet hier bloß das offene Meer.

Dorthin marschieren die Hauptfiguren, ein namenloser Vater (Viggo Mortensen aus „Tödliche Versprechen“) und sein Sohn, ohne genau zu wissen, warum. Sie begegnen einem traurigen Alten (Robert Duvall) und brutalen Menschenfressern, während um sie herum Wracks in den Himmel starren und verkohlte Bäume in sich zusammenfallen.

Dieses triste Arrangement wäre kaum erträglich ohne einen Funken humanistische Philosophie: Was zeichnet den Menschen aus in einer Welt, aus der jeder Wert und jede Hoffnung wich? Bleiben ihm Mitgefühl und Aufrichtigkeit erhalten, oder opfert er alle Moral dem bloßen Überlebenswillen?

An der ungebrochenen Sorge des Vaters um seinen Sohn werden solche Fragen durchgespielt, wobei der Film der nüchternen Prosa McCarthys erwartungsgemäß hinterherhinkt. Die angekitschten Rückblenden zur Mutter (Charlize Theron), die sich nach der Katastrophe umbrachte, gehören deshalb sicher zu den Schwächen eines Films, der das Endzeit-Genre ansonsten mit faszinierender Kompromisslosigkeit bereichert. Sehenswert.



Ähnliche Beiträge:

INHALT

Die Zivilisation, wie wir sie kennen, existiert nicht mehr. Die Sonne ist verdunkelt, tierisches wie pflanzliches Leben ist ausgestorben, und nur wenige Menschen haben die Katastrophe überlebt. Unter ihnen ein Vater, der nach dem Selbstmord seiner verzweifelten Frau alleine mit dem gemeinsamen Sohn durch verwüstete Städte und zerstörte Straßen Richtung Süden zieht, in der Hoffnung, dass es dort wärmer ist. Angst, Furcht und Hoffnungslosigkeit dominieren ihren Alltag auf der Suche nach Zuflucht, Wasser und Essen. Inmitten dieser Welt aus unendlicher Ödnis und kannibalistischer Gewalt versucht der Vater nach allen Kräften, seinem Sohn einen Rest Lebensmut zu erhalten.
Dieser Beitrag wurde unter Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eure Kritiken zu The Road

  1. dadaist

    was für ein set, was für eine atmosphäre. viggo mortensen überzeugt vollends in einem durchweg spanenden, tief bewegenden film. ich fand ihn spitze!

  2. Guter Mensch

    Ein Film der uns in ungeschminkter Weise verdeutlicht, was aus sogenannten zivilisierten Menschen wird, wenn es ums nackte Überleben geht…
    Ein Szenario, das uns in nicht allzu ferner Zukunft genau so drohen könnte!

    Der Film ist Klasse und ich empfehle ihn sehr.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*