KRITIK

The Riot Club

Bild (c) 2014 Prokino Filmverleih.

Bild (c) 2014 Prokino Filmverleih.

Die erlesensten Studentenverbindungen an der Universität Oxford nennen sich „Dining Societies“. Doch was sich so fein anhört, präsentiert sich eher als Zusammenrottung von Elite-Knaben, die, bevor sie von der Uni umstandslos an die Schalthebel der britischen Macht wechseln, noch einmal gehörig die Sau rauslassen wollen: Saufen, Fressen, Sex – und dabei immer die internalisierte Verachtung für die niederen Gesellschaftsschichten raushängen lassen. Stimmt das wirklich? Dramatikerin Laura Wade zeichnet es in ihrem Theaterstück „Posh“ von 2010 jedenfalls fast parodistisch drastisch.

Auf „Posh“ basiert dieser neue Film der dänischen Regisseurin Lone Scherfig („Zwei an einem Tag“) – und ein Vergnügen, so viel Warnung muss sein, ist er nicht. Anhand zweier Neumitglieder führt sie in den dünkelhaften Zirkel des „Riot Clubs“ ein, einen Verein, in den nur die besten der besten jungen Männer aus der feinen Gesellschaft des UK aufgenommen werden. Miles (Max Irons, „Seelen“) erliegt der Faszination des Bündischen, Alistair (schön fies: Sam Claflin) zeigt sich rücksichtsloser noch als der Rest.

Szene_Riot_ClubIn einem Provinz-Pub geht es dann ans Eingemachte: Der von ehrbaren Arbeitern geführte Laden soll traditionsgemäß zertrümmert, die Rechnung danach gönnerhaft bezahlt werden. Doch die Sause läuft aus dem Ruder, ein Hauch von „Uhrwerk Orange“ weht durch das abstoßende Geschehen. Am Ende, wenn die Beziehungen ins Machtzentrum erkennbar werden, lässt Scherfig keinen Zweifel mehr an ihrem abgrundtief pessimistischen Blick auf die britische Gesellschaft: Ein Staat ist das, der von einem verschworenen Zirkel regiert wird und den eigenen Monsternachwuchs fleißig selbst heranzüchtet.

Wäre „Riot Club“ von Lone Scherfig etwas weniger plakativ, man bekäme richtig Lust, da mitzufrösteln – so effektiv ist das inszeniert. So aber bietet der Film nicht mehr als eine überzeugend gespielte Stundenten-Sause. Muss nicht sein!

 




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INHALT

Sie sind charmant, aus besserem Hause und zählen sich zur Elite der Gesellschaft. Als die exklusive "Riot Club"-Runde der Oxford University neue Mitglieder sucht, fällt die Wahl auf die beiden Studienanfänger Miles (Max Irons) und Alistair (Sam Claflin). Für Alistair ist das keine wirkliche Überraschung, war doch schon sein großer Bruder Präsident des legendären Zirkels. Auch der bodenständige Miles zögert nicht lange, obwohl seine Freundin Lauren (Holliday Grainger) Miles’ arrogante neue Freunde nicht ausstehen kann. Höhepunkt des Jahres ist das traditionelle Dinner in einem abgelegenen Pub, das für gewöhnlich schlimm endet. Wie schlimm ahnt Miles erst, als die Situation völlig außer Kontrolle gerät und er vor einer furchtbaren Entscheidung steht ... (Text Prokino Filmverleih 2014)
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