KRITIK

The Proposition – Tödliches Angebot

The Proposition - Tödliches Angebot „Warum nicht Australien?“ schlägt Butch Cassidy seinem Gefährten Sundance Kid vor, beide bereits verwundet, in einem Verschlag inmitten der südamerikanischen Ödnis kauernd, umzingelt von der bolivianischen Armee in Kompaniestärke, die das Leben der beiden in wenigen Augenblicken auslöschen wird. Warum also nicht Australien? Schließlich gebe es dort Pferde, jede Menge Banken und man spreche Englisch, wäre demnach nicht einmal wirklich Ausländer. Zu einer Zeit in der der amerikanische Westen unaufhaltsam zivilisiert wird und der Lebensraum für Outlaws schwindet, erscheint es schlüssig, die „frontier“ ins noch ungezähmte Neuland nach Down Under zu verschieben.

Nimmt man das von Singer/Songwriter Nick Cave (Script) und Regisseur John Hillcoat inszenierte Westernepos „The Proposition“ zum Maßstab, darf bezweifelt werden, dass Australien ganz nach dem Geschmack von George Roy Hills ja durchaus einer gewissen Behaglichkeit zusprechenden Revolverhelden gewesen wäre. Auf der anderen Seite des Globus brennt die Sonne noch erbarmungsloser, ist die Wüste trockener, sind die Aborigines blutdurstiger und treffsicherer als Apachen oder Comanchen. Wer hier lebt, überschreitet entweder die Grenze zur kreatürlichen Existenz oder richtet sich samt importiertem Teeservice und Union Jack ein in einer vagen, vom Commonwealth getragenen Hoffnung auf zukünftiges Recht und Ordnung britisch-bürgerlicher Provenienz.

„Australia. What fresh hell is this?“ zischelt Captain Morris Stanley (Ray Winstone), ungläubig aus einer Baracke in das menschenfeindliche Outback blinzelnd. Frisch verhaftet hocken die Brüder Charlie (Guy Pierce) und Mikey Burns (Richard Wilson) in seinem Rücken, gleichwohl diese sich vom ältesten Bruder Arthur (Danny Huston) losgesagt haben, dessen bestialische Gewaltexzesse die Region erschüttern. Stanley, ein stämmiger Brite mit über 20 Jahren Militärerfahrung, unterbreitet Charlie ein Angebot, wonach dieser den älteren Bruder Arthur bis Weihnachten töten soll. Andernfalls landet der jüngere, ein wehrloser, hysterischer Teenager, am Galgen.

Wie weiland Martin Sheen als Captain Willard in „Apocalypse Now“ macht sich Charlie in der Folge auf zu einer mythopoetischen Reise ins Herz der Finsternis, hin zum Bruder, dem inzwischen legendenumwobenen Dämon. Und ganz ähnlich wie in Francis Ford Coppolas Vietnam-Epos erweisen sich fortan auch bei Hillcoat die vermeintlich Zivilisierten als lynchender Mob und der mordende Teufel zugleich als Schöngeist und Philosoph.

„The Proposition“ erzählt im Kern noch einmal die vertraute Geschichte von der Eroberung und Zivilisierung der Wildnis, von der Konkurrenz zwischen Individualismus und Gemeinwesen, von der Ausbeutung der Schwarzen durch die Weißen und von der Ambivalenz von Recht und Gewalt. Jene lässt sich im Western seit jeher nur über neuerliche Akte der Gewalt lösen, die Hillcoat allerdings weit über das genreübliche Maß hinausreichend exponiert. Vor der eindrucksvoll fotografierten Kulisse des australischen Outbacks wird Caves schlüssiges, klassisches Script nicht zuletzt auch von allesamt grandiosen Hauptdarstellern belebt, die dem Geschehen jederzeit existentielle Gravität verleihen. „The Proposition“ erweist sich so in fast jeder Hinsicht als neuerlicher Glücksfall für ein nicht tot zu filmendes Genre, wiewohl eher als Neu- denn als Fortschreibung seiner nordamerikanisch verwurzelten Tradition.



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INHALT

Die Gang der Burns-Familie sorgt für Angst und Schrecken in Australien Anfang des 20. Jahrdts. Arthur und seine Brüder Charlie und Mike haben eine junge Frau vergewaltigt und danach die ganze Familie brutal ermordet. Und aus diesem Grund ist ihnen der englische Captain Stanley auf den Fersen. Einen kleinen Erfolg kann er bereits verbuchen. Charlie und Mike sind in seiner Gewalt. Nach einer Schießerei hat er die beiden Brüder festnehmen können. Jedoch ist der Anführer Arthur noch auf freiem Fuss. Aus diesem Grund lässt sich der Captain auf ein gefährliches Spiel ein. Er lässt Charlie frei und offeriert ihm das Leben seines kleinen Bruder Mike, wenn er seinen älteren Bruder Arthur tötet. Doch dieser hat sich irgendwo in den Bergen verschanzt. Dort wo sich kein Mensch (ob eingeboren oder zugezogen) hintraut, soll sich Charlie zwischen seinen Brüdern entscheiden.

Während Charlie sich auf den Weg ins Unbekannte macht, fängt Bürgermeister Fletcher an, die Dorfbewohner gegen die Machenschaften des Sheriffs auf zu bringen. Er fordert Gerechtigkeit und somit auch die Tötung des inhaftierten Mike. Sogar Stanleys Ehefrau wird Zeuge dieser Revolte und bringt den Captain in eine missliche Lage.
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