KRITIK

The Promotion

The Promotion Das Regiedebüt eines etablierten Drehbuchautors, der zum ersten Mal ein eigenes Skript verfilmt, wird in der Filmindustrie immer mit Spannung erwartet. Gerade dieses Jahr dürfte das wohl berühmteste Beispiel Charlie Kauffman sein, dessen Drama „Synecdoche, New York“ dieses Jahr in Cannes seine Uraufführung hatte. 2008 erleben wir auch das Debüt eines Hollywoodautors, der in letzten Jahren immer mehr von sich hören ließ: Steve Conrad. Mit „The Weather Man“ (2005; Regie: Gore Verbinski) lieferte er sein offiziell erst drittes Drehbuch seiner Karriere ab, konnte damit aber schon seinen Durchbruch feiern. Nur ein Jahr danach brachte sein Skript zu „The Pursuit of Happyness“ (Regie: Gabriele Muccino) seinem Hauptdarsteller Will Smith dessen zweite Oscarnominierung ein. Und mit „The Promotion“ konnte Steve Conrad nun selbst am Regiestuhl platz nehmen.

Erzählt wird die Geschichte von Doug (Seann William Scott), einem Angestellten eines Supermarkts in einer Vorstadt von Chicago. Er ist überzeugt davon, dass er den Posten des Geschäftsleiters der neuen Filiale bekommen wird. Bald jedoch wird Richard (John C. Reilly), ein Kanadier, in demselben Supermarkt angestellt. Auch er bewirbt sich um den Job. Doug gerät dadurch unter Stress, da er fix mit dem Managerposten gerechnet hatte.

Anfangs befreunden sich die beiden, doch der Konkurrenzkampf wird immer spürbarer. Gegenseitig versuchen sie Schwächen zu entdecken und beginnen schon bald, jede Gelegenheit zu nutzen um dem anderen den Job wegzuschnappen: So wird Doug zum Beispiel von Richard bei der Filialleitung angezeigt da er ihn unabsichtlich leicht verletzt. Zudem verdreht Doug oft die Tatsachen vor seinen Vorgesetzten und versucht, seinen Kollegen und Konkurrenten schlechter darzustellen als er eigentlich ist.

Der aufbauende Druck in deren beruflichen Leben überträgt sich schon bald auf das Privatleben der Kontrahenten. Doug fängt an, seiner Frau vorzulügen, dass er den Job bereits bekommen hat und Richard wird gar von seiner Gattin verlassen, nachdem sie erfährt, dass er gerne ab und zu zur Entspannung Marihuana konsumiert.

Beide Anfangs noch sympathische Angestellte einer familiären amerikanischen Supermarktkette geben immer mehr Schattenseiten ihrer Selbst Preis und verwenden ihre Energie darauf, den anderen bei der Promotion abzuhängen. Wer den Posten letztendlich bekommt sei hier nicht verraten. Gesagt werden sollte aber, dass Steve Conrad einen guten, wenn auch nicht sehr guten, Film geschaffen hat. Diese Komödie behandelt das ernste Thema des immer mehr steigenden Konkurrenzkampfes, sei es im beruflichen, oder im privaten Leben. Dabei konzentriert sich Conrad jedoch nicht auf den seelischen Untergang, der, wie uns Hollywood immer wieder erinnert, mit fanatischem Machtstreben oft verbunden ist (wie zum Beispiel Paul Thomas Anderson mit seinem jüngsten Meisterwerk „There Will Be Blood“), sondern nur auf zwischenmenschliche Beziehungen und wie sich diese im direkten Fokus einer „Konkurrenzgesellschaft“ entwickeln. So zeigt der sonst stets nette Doug immer wieder unbewusst seine rassistische Seite und Richards Wutausbrüche, die anscheinend von ihm lange unterdrückt wurden, nehmen ebenfalls im Laufe der Handlung größere Ausmaße an.

Ein ernstes Thema wird hier in eine leichte Komödie verpackt und Steve Conrad beweist, dass er auch ein Regietalent ist. Herausragend sind dabei aber seine Darsteller. John C. Reilly ist als Richard natürlich souverän wie immer; nach „Walk Hard“ wendet er sich mit „The Promotion“ einer ernsteren Komödie zu und liefert somit einen weiteren Beweis dafür, dass er zu den besten Komödianten zählt, die Hollywood momentan zu bieten hat. Seann William Scott zeigt nach „Southland Tales“ wieder einmal, dass er in seinem Metier ernst genommen werden will und nicht nur den Stifler aus „American Pie“ spielen kann. Auch die Nebenrollen sind aufs Feinste besetzt: Der Zuschauer wird zum Beispiel von einem Gastauftritt von Jason Bateman („Arrested Development“; „Juno“) überrascht, der in „The Promotion“ einen Leiter eines Gemeinschaftskurses für die Supermarktangestellten spielt.



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INHALT

Doug ist Angestellter eines Supermarkts in einer Vorstadt von Chicago. Er ist überzeugt davon, dass er den Posten des Geschäftsleiters der neuen Filiale bekommen wird. Wenig später jedoch wird Richard, ein Kanadier, in demselben Supermarkt angestellt. Auch er bewirbt sich für den Job. Doug gerät dadurch unter Stress, da er fix mit dem Managerposten gerechnet hatte. Ein heißer und nicht immer fairer Wettkampf entbrennt.
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