AKTUELL IM KINO

The Promise – Die Erinnerung bleibt

Bild (c) 2017 Capelight Pictures.

Türkei 1914: Bevor der armenische Apotheker Michael Boghosian sich auf dem Weg nach Konstantinopel macht, um dort Medizin zu studieren, gibt er das Versprechen ab, die junge Marla (Angela Sarafyan) zu heiraten. An seinem Studienort angekommen, ändert sich das Leben des eifrigen Medizinstudenten schlagartig, als er Ana Khesarian (Charlotte Le Bon) kennenlernt. Diese ist allerdings mit dem zynischen sowie trinkfreudigen Journalisten Chris Myers (Christian Bale) liiert. Dennoch keimt sofort eine starke jeweilige Zuneigung bei Michael und Ana auf.

Die sich anbahnende Liebe wird jedoch jäh unterbrochen als der 1. Weltkrieg ausbricht und das Osmanische Reich Jagd auf armenische Bürger macht. Der Medizinstudent wird schnell gefangen genommen. Er kommt zunächst in ein Arbeitslager. Allerdings gelingt Michael die Flucht, um sich dann bis in sein Heimatdorf zurück zu kämpfen. Endlich wieder Zuhause, fängt er ein bescheidenes Leben an, welches aber nicht von langer Dauer ist.

Fiktive Liebesgeschichten bzw. Dreiecksbeziehungen vor realen historischen Hintergründen sind immer eine heikle Angelegenheit. Insbesondere wenn es sich um einen tragischen historischen Hintergrund handelt. Der Liebesreigen soll bestenfalls den Ernst des geschichtlichen Backgrounds etwas abmildern, die soaplastigen Aspekte können das Geschehen schlimmstenfalls trivialisieren. So geschehen in „The Promise“: Es erscheint zunächst löblich, dass Regisseur Terry George ein cinematisches Licht auf ein in der westlichen Populärkultur kaum behandeltes Thema wirft. Dennoch brachte er mit „Hotel Ruanda“ oder „Im Namen des Vaters“ schon andere dunkle Kapitel der Geschichte mit wesentlich mehr Erfolg und vor allem Ernsthaftigkeit auf die Leinwand.

Von den leider sehr kitschig geratenen Wurzeln seines Historiendramas „The Promise“ kann sich George jedoch nie ganz lossagen. Weder die politischen Mechanismen hinter dem Genozid noch das menschliche Leid kann George, der auch das Drehbuch schrieb, genauer zu ergründen. Jeder noch so brutal ehrliche Moment wird vom relativ uninteressanten Melodrama überschattet, das dazu noch wesentlich emotional manipulativer gerät, als es hätte sein müssen. Die Ausstattung ist opulent, allerdings wirkt die ein oder andere Kameraeinstellung künstlich. Charlotte Le Bon, Oscar Isaac und Christian Bale sowie die meisten Nebendarsteller agieren routiniert, obwohl sie wenig zu tun bekommen. Die angebliche Leidenschaft, welche die Hauptfiguren füreinander empfinden, wird zu keinem Zeitpunkt wirklich spürbar.

 

 

Merken



Ähnliche Beiträge:

Dieser Beitrag wurde unter Aktuell im Kino, Kritik abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kritik schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*