KRITIK

The New World

The New World Terrence Malick, der große Regiesonderling der USA, hat alle gegenteiligen Erwartungen widerlegt und nur sieben Jahre verstreichen lassen nach „Der schmale Grat“, um mit einem neuen Film aufzuwarten. Manche hatten ja gemutmaßt, dass es wieder 20 Jahre dauern wird wie damals seit „Badlands“. Wie dem auch sei: Diesmal hat er sich einen amerikanischen Urmythos vorgeknöpft – die Geschichte des Indianermädchens Pocahontas, die im 17. Jahrhundert von den ersten britischen Kolonialisten entdeckt wird. Bekanntlich ist die Mär schon für einen der schlechtesten Disney-Trickfilme aller Zeiten verwurstet worden, und so durfte man hoffen, dass Malick dem Sujet allen Ethnokitsch austreiben würde. Das ist ihm nicht so ganz gelungen.
„The New World“ ist einer jener Filme, die man irgendwie bewundern möchte und das phasenweise sogar tut, die aber trotzdem nicht das Meisterwerk sind, als das sie angetreten sind. Man wird nicht recht schlau aus diesem Werk. Einerseits ist es meilenweit jenseits aller Hollywood-Normen angesiedelt, schert sich nicht um gängige Dramaturgien und Plot Points, andererseits schwingt es sich mitunter in pathetische Höhen auf, denen man auch in „Pearl Harbor“ oder so begegnen kann. Und wie man zur Figur Pocahontas stehen soll, die hier die 15-jährige Neuentdeckung Q’Orianka Kilcher in dauergoldiger Naturkind-Manier in die unberührte Natur hineintanzt, das weiß man auch nicht. Manchmal, nachdem Malick mal wieder minutenlang nur im Wind wogendes Gras gefilmt hat und dazu Wagners „Rheingold“-Ouvertüre durch die Boxen dröhnen lässt, möchte man aus dem Kino stürmen und den nächsten Baum umarmen. Manchmal rutscht das Ganze jedoch zu heftig in den New-Age-Sektor hinein, und es wird unangenehm. Da fängt dann das Meisterwerk an, in den Gefilden des Mäßigen zu enden.

Es beginnt schon komisch. Da liegt Captain John Smith (Colin „Alexander“ Farrell), neben Pocahontas der Held des Mythos, in Ketten auf dem Schiff der in Virginia anlangenden Briten. Warum, weiß man nicht, erfährt man nicht, ist wohl egal. Während die Kolonialisten unter Captain Newport (Christopher Plummer, momentan auch in „Syriana“) ein schäbiges Fort errichten, streift Smith durch die nicht nur symbolisch unberührte Natur und findet das Indianermädel, das hier niemals Pocahontas genannt wird, aber natürlich Pocahontas ist. Es kommt zum interkulturellen Austausch (aber nie zum geschlechtlichen, weshalb Farrell auch stetig gequälter aus den dunklen Augen starrt) und später zu blutigen Scharmützeln. Es bleibt symbolisch: Die Vergewaltigung des ursprünglichen Lebens durch die Zivilisation wird hier ganz postkolonialistisch drastisch vor Augen geführt. Nicht umsonst spielt auch David Thewlis hier den gleichen Schurken wie schon im „Königreich der Himmel“.

Irgendwann kommt es zum kuriosen Bruch in der Dramaturgie. Smith verschwindet in die Arktis, ein neuer Engländer (sanft: Christian „Batman“ Bale) taucht auf und holt Pocahontas nach England, wo die Hecken symmetrisch geschnitten sind und kein wildes Gras mehr wogt. Das kann nicht gut gehen. „The New World“ dröselt etwas aus, obwohl Smith dann wieder zurückkommt aus dem ewigen Eis. Wie gesagt: Man wird nicht schlau aus dem Film und auch nie ganz zufrieden. Inszeniert ist der Film tadellos. Malick versteht sein Handwerk und versetzt den Betrachter in den besten Momenten in tranceartige Zustände, die mehr als einmal an „Der schmale Grat“ erinnern. Leider blieben auch die verquasten Off-Monologe erhalten, philosophische Ausführungen mit Hang zum Banalen. Ein mehr als merkwürdiger Anti-Hollywood-Film, der sich großer Hollywood-Gesten bedient, immer am Kitsch entlangschrammt, aber nie wirklich auf den Punkt kommt. Vielleicht aber will er das gar nicht. Terrence Malick wird’s wissen, und wir dürfen rätseln.



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INHALT

Im Jahr 1607 starten drei Schiffe der Virginia Company von England aus in die sog. Neue Welt. Unter den 103 Abenteurern an Bord ist auch der Glücksritter John Smith, zunächst unter Deck wegen Anstiftung zur Meuterei in Ketten gelegt. An der Küste des heutigen Virginia bauen die Kolonisten unter den misstrauischen Augen der Ureinwohner ihre Siedlung Jamestown. Die Konflikte spitzen sich zu, als sich Smith in die Indianer-Prinzessin Pocahontas verliebt. Als der Nahrungsvorrat zu Ende geht und Captain Newport Nachschub aus England besorgen will, wird Smith die Leitung über ein Entdeckungstrupp anvertraut. Doch er wird gefangen genommen, was aber seiner Liebe zu der Indianer-Prinzessin keinen Abbruch tut.
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Eure Kritiken zu The New World

  1. HumpelDink

    Idioten gibt es überall!Und Gian-Philip Andreas, der Kritiker zum Film THE NEW WORLD ist einer! Er sollte Kinobesuche meiden, wenn er so unsachliche Kritiken schreibt wie eben zu diesem Film. Verstanden er hat er nichts, aber auch gar nichts! Er ist schlichtweg ein Dummkopf und ich hoffe, seine Leser lassen sich förderhin nicht für noch dummer verkaufen!

    Mit Gruss

  2. @HumpelDink

    Hallo HumpelDink, danke für dein Statement. In diesem Falle müssen wir dazu kurz sagen, dass wer im Glashaus sitzt, nicht mit Steinen schmeißen sollte. Hier sollen Bewertungen zum Film abgegeben werden und keine Bewertungen über eine subjektive Filmkritik. Dein Statement ist unsachlich, unproduktiv und einfach nur nervig. Der Film polarisiert, keine Frage, doch hier bitte nur eigene Empfindungen über ein Werk abgeben und nicht über eine Person, einen Kritiker. Mit freundlichen Gruessen, die Redaktion

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