KRITIK

The Limits of Control

The Limits of Control Man muss ja nicht gleich die große Krise des Autorenkinos ausrufen, wie sie einige Feuilletonisten anlässlich der diesjährigen Filmfestspiele in Cannes heraufziehen sahen. Aber dass einige der herausragenden Protagonisten des Independent-Kinos der vergangenen Jahrzehnte ihre beste Zeit allmählich hinter sich haben, das ist wohl eine traurige Wahrheit. Und zu denen zählt Jim Jarmusch.

Oberflächlich betrachtet ist sein jüngstes Werk „The Limits of Control“ früheren Geniestreichen wie etwa „Dead Man“ gar nicht mal unverwandt. Eine Reise, in deren Zuge die Grenzen zwischen Traum und Realität verwischen, das lakonisch geladene Schweigen, das über weite Strecken den Dialog ersetzt, die Begegnungen, die von Station zu Station skurriler werden – das alles kennt man von dem Regisseur. Aber man kennt es besser.

In „The Limits of Control“ erzählt Jarmusch von einem namenlosen Loner, der von seinen ebenfalls identitätslosen Auftraggebern nach Spanien geschickt wird. Worin sein Job besteht, das bleibt lange rätselhaft. Zunächst einmal aus Warten. Der gut aussehende, wortkarge Schwarze im seidenen Anzug harrt in Madrid auf Instruktionen, die ihn schließlich über Sevilla bis in die Provinz führen werden. Das Spiel ist jedes Mal das gleiche. Er bestellt in einem Café zwei Tassen Espresso, jemand gesellt sich zu ihm, fragt: „Sie sprechen kein Spanisch, oder?“, beginnt dann einen Smalltalk – über die Herkunft des Wortes Bohemien, über die Filme von Hitchcock und Orson Welles, über Moleküle –, dann wechselt eine Streichholzschachtel den Besitzer, die einen Zettel mit enigmatischer Buchstaben- und Zahlenfolge enthält. Eine Reihe prominenter Schauspieler geben sich dabei die Zündhölzer in die Hand, darunter Tilda Swinton, John Hurt, Gael García Bernal. Und wie musikalische Leitmotive wiederholen sich Sätze, die ihren Sinn nicht in den Bildern finden. Etwa: „Die Realität ist beliebig.“

Isaach De Bankolé spielt den Nobody indes auf eine fesselnde Art stoisch, und Kameramann Christopher Doyle findet immer wieder Einstellungen, die lange nachhallen. Und doch wirkt dieser Film letztlich ungeheuer prätentiös, er löst auch seine Rätsel nicht auf. Es ist eines langen Tages Reise in das Nichts.



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INHALT

Ein geheimnisvoller Fremder in einem gutsitzenden Anzug kommt in Spanien an und macht sich auf den Weg, einen Auftrag zu erfüllen, der so mysteriös ist, dass teilweise nicht einmal der Fremde selbst zu wissen scheint, was sein Inhalt ist. Bei sich trägt er einen kleinen Koffer mit unbekanntem Inhalt und einen Satz Schlüssel. Auf verschiedenen Stationen trifft der Fremde auf undurchsichtige Figuren, die rätselhafte Botschaften für ihn bereithalten. Nur eines ist klar: Keine Waffen, kein Sex, kein Mobiltelefon während der Arbeit.
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Eure Kritiken zu The Limits of Control

  1. Manni

    Wieder einmal ein Meisterwerk von Jarmusch. Man sollte aber auch ein Freund des entschleunigten Films sein und genug Geduld mitbringen.

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