KRITIK

The Limits of Control

The Limits of Control Jim Jarmusch liebt Fährten. Fährten, die den Zuschauer zu gedanklichen Exkursionen animieren sollen, ohne dass sie eindeutig auf irgendetwas hinaus wollen. Cineasten erkennen in diesen Fährten Reminiszenzen an Filmklassiker oder gar Neuinterpretationen – und sind begeistert. „No Limits of Control“ beispielsweise ist eine erkennbare Reminiszenz an John Boormans Meisterwerk „Point Blank“. Damals war Lee Marvin der geschasste Outlaw, der sich auf einen gefährlichen Rachefeldzug gegen ein Gangstersyndikat begab. Und das Herausragende an John Boormans Klassiker war nicht die simple Story sondern dessen kongeniale bildliche Umsetzung im Breitwandformat.

In Jarmuschs Roadmovie geht es nicht um einen Rachefeldzug und schon gar nicht gegen ein Gangstersyndikat, es geht um einen einsamen Auftragskiller, der immer neue Hinweise für seine nächsten Schritte erhält. Isaach De Bankolé ist dieser Lone Man, ein Mann auf Mission, und gleichzeitig ein Mann auf dem Weg ins Jenseits. Um seinem Vorbild aus den 70ern in Nichts nachzustehen, erhält Wong Kar-Wai Kameramann Christopher Doyle von Regisseur Jim Jarmusch ungewöhnlich viel Freiheit, die er auch nutzt, um auf analogen 35mm in Grün- und Rottönen schwelgen zu können, ganz so, als ob er eine Fortsetzung zu „2046“ in Europa plane.

Jarmuschs Film ist ein außergewöhnliches Experiment. Gleichzeitig opulent und asketisch, simpel und philosophisch, wortkarg und elegisch. Wer kann sich beispielsweise heute noch vorstellen, auf sein Handy zu verzichten? Oder auf die tägliche Abendunterhaltung aus dem Fernsehgerät? Jarmuschs namenloser Auftragnehmer kann es. Er reist dazu durchs menschenleere Spanien, wahlweise im graublauen oder braunen Anzug, erhält kryptische Nachrichten auf einem kleinen Zettel, den er sofort verschluckt und trifft dabei auf seltsame Figuren wie auf den von Verfolgungsängsten geplagten Amerikaner (Bill Murray) auf eine blonde Filmfanatikerin (Tilda Swinton) oder auf eine lustvolle Nackte (Paz de la Huerta). Jarmuschs Reminiszenz nicht nur an den Klassiker von Boorman, sondern auch an die Filme von Wong Kar-Wai, Wim Wenders oder Jacques Rivette ist eine beruhigende fernöstliche Meditation mit den bekannten Western-Elementen eines Roadmovies und den Stilmitteln der Krimis der 60er und 70er Jahre. Nach Filmen wie „Dead Man“ oder „Ghost Dog“ ein weiteres Meisterwerk von einem Regisseur, der wie kein zweiter mit seinen einsamen Figuren genial durch die Filmhistorie geistert.



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INHALT

Ein geheimnisvoller Fremder in einem gutsitzenden Anzug kommt in Spanien an und macht sich auf den Weg, einen Auftrag zu erfüllen, der so mysteriös ist, dass teilweise nicht einmal der Fremde selbst zu wissen scheint, was sein Inhalt ist. Bei sich trägt er einen kleinen Koffer mit unbekanntem Inhalt und einen Satz Schlüssel. Auf verschiedenen Stationen trifft der Fremde auf undurchsichtige Figuren, die rätselhafte Botschaften für ihn bereithalten. Nur eines ist klar: Keine Waffen, kein Sex, kein Mobiltelefon während der Arbeit.
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Eure Kritiken zu The Limits of Control

  1. Manni

    Wieder einmal ein Meisterwerk von Jarmusch. Man sollte aber auch ein Freund des entschleunigten Films sein und genug Geduld mitbringen.

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