KRITIK

The Light Between Oceans

Bild (c) Constantin Filmverleih 2016.

Bild (c) Constantin Filmverleih 2016.

Derek Cianfrance ist einer der Shooting-Stars des anspruchsvolleren US-Kinos: Der Durchbruch gelang ihm 2010 mit der herben Liebesabwicklungstragödie „Blue Valentine„, mit deren Star Ryan Gosling er zuletzt das Krimidrama „The Place Beyond the Pines“ drehte. Man darf also ruhig stutzen, wenn Cianfrance mit „The Light Between Oceans“ seinen vierten Film vorlegt, die Verfilmung einer australischen Romanschmonzette (von M. L. Stedman), deren Plot verdächtig nach Rosamunde Pilcher klingt.

Da zieht sich ein vom Ersten Weltkrieg seelisch versehrter Mann anno 1918 auf eine einsame Leuchtturminsel vor Westaustralien zurück, verliebt sich in eine zauberschöne Frau aus dem nahen Küstendorf. Tom und Isabel heiraten, scheitern aber wegen zweier Fehlgeburten an Nachwuchs, bis eines Tages ein Boot an die Insel geschwemmt wird, darin: ein toter Mann und ein Baby. Das Paar zieht den Säugling als vermeintliches Adoptivkind auf, doch nach fünf Jahren passiert das Unvermeidliche: Die tatsächliche Mutter kreuzt auf.

Szene_Light_Between_OceansMan kann diesen Stoff als Fernsehschnulze pilcherisieren oder als gewaltkitschigen Tränenzieher in Nicholas-Sparks-Manier ausbeuten – beides ist oft genug gemacht worden. Cianfrance hatte aber natürlich Wertigeres im Sinn: Ihm schwebte ein wuchtiges, schicksalsschweres Edelmelodram vor, ganz so, wie es (siehe etwa „Brooklyn“) in jüngerer Zeit wieder in Mode gekommen ist. Drei geschätzte Schauspieler aus der Oscar-Liga tun alles dafür, emotionalen Überwältigungstendenzen durch gekonntes Unterspielen entgegenzuwirken: Michael Fassbender („Steve Jobs„) lässt die Seelenkonflikte des kriegstraumatisierten Tom selbst in den Glücksmomenten fein durchscheinen, seine Lebensgefährtin Alicia Vikander und die immer gute Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“) überzeugen als ungewollt rivaliserende Mütter nicht weniger.

Bis die Gewissenszwickmühle im letzten Akt das ganz große Rad dreht, kommt der 132-Minüter leider sehr zäh in die Gänge, und so ganz entkommt Cianfrance der Kitschfalle nicht. Ob das für den Goldenen Löwen reicht, um den der Film derzeit in Venedig buhlt? Wohl nicht. Spektakulär indes sind die aufgepeitschten Meer- und Landaufnahmen, die Kamera-Ass Adam Arkapaw eingefangen hat.

 

 

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