KRITIK

The King´s Speech

The King´s Speech Ein Mikrofon. Die Menge tobt, der zukünftige König aber stottert: Tom Hoopers Film startet so, wie Historiendramen in jüngerer Vergangenheit eben starten, wenn sie solche Aufsteiger- und Bewältigungs-Geschichtlein erzählen möchten – mit szenischem Einstieg und großer Geste bei der Erläuterung des nun zu behandelnden Problems.

Auch in den darauffolgenden 116 Minuten wird viel über Sprachbarrieren und die Rolle des Königs geredet, und letztlich doch gar nichts dazu erzählt: So sehr sich Hoopers Film darum bemüht, die Zwänge seines Szenarios hinter sich zu lassen, und nicht den Weg über Ausstattung, sondern klassische Erzählung bemüht – sein Ansatz bleibt bloße Behauptung: Der vierfache Oscar-Gewinner 2011 interessiert sich für die Monarchie als solches ebenso wenig wie für das Stottern, sondern ist im Grunde seines Herzens doch nur der banal ausbuchstabierte Archetyp jener abgegriffenen Emanzipationsparabel, die das Kino immer wieder neu für sich entdeckt.

In ebenso klaren, wie auch naiven Bildern und Schnitten spielt Hooper Gut gegen Böse, Prinz gegen Krone aus: Auf der einen Seite das Korsett adliger Prägung und Tradition, auf der anderen Seite der von Versagensängsten psychisch wie physisch beeinträchtigte Thronfolger. Sich seiner eigenen Gefälligkeit stets bewusst, entblödet sich der Film dann noch nicht einmal, den Weg in die Unabhängigkeit seines Protagonisten mit plattester Symbolik zu säumen – hier darf es auch gerne einmal regnen, wenn der Schützling mit seinem Lehrer bricht (Dramaturgiekurve bedacht!) und ihn zwischenzeitlich vor die Tür setzt.

Bezüge zu seinem Szenario bleiben hier bloße Lippenbekenntnisse, an historischer Verortung der Geschichte ist Hooper ebenso wenig interessiert, wie an der eigentlichen Erosion englischer Traditionen durch den angedeuteten Wegfall der Klassenunterschiede zwischen dem König und dessen scharlatanischem Heiler.

Wenn man „King`s Speech“ etwas zu Gute halten möchte, dann wohl die Tatsache, dass man dem manipulativen Gestus seiner Inszenierung ein gewisses Verve durchaus nicht abstreiten kann, und dadurch zwischenzeitlich etwas vergessen lässt, wie hohl es hinter seiner Fassade doch eigentlich aussieht. Klamauk? Zu hart. Außen hui, innen pfui? Das trifft es vielleicht. Mögen Geoffrey Rush und Colin Firth auch mit noch so viel Verve agieren -beide haben schon besser bezahlte Rollen gespielt – verleihen Story und Inszenierung dem Film eine Schablonenhaftigkeit, die jüngeren Historiendramen anhaftet wie ein untherapierbarer Sprachfehler.

 




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INHALT

Als Sohn des britischen Königs George V. gehört es zu Berties Pflichten, öffentlich zu sprechen. Für den zurückhaltend-besonnenen Mann eine Qual, denn seit seiner Jugend leidet er an einem schweren Stottern. Kein Arzt und kein Psychologe kann ihm helfen, weshalb sich Berties liebevoll sorgende Ehefrau Elizabeth an den exzentrischen Sprachtherapeuten Lionel Logue wendet. Mit seinem forschen Auftreten und den unkonventionellen Behandlungsmethoden stößt er seinen adligen Patienten zunächst vor den Kopf. Bald aber zeigen sich erste Erfolge.

Nach dem Tod seines Vaters und der Abdankung seines Bruders Edward VIII, wegen dessen Liebe zur geschiedenen Bürgerlichen Wallis Simpson, wird Bertie unter dem Namen George VI. 1936 unerwartet zu Englands neuem König. Öffentliche Auftritte und Radioansprachen lassen sich fortan noch weniger umgehen als zuvor, und nicht zuletzt der drohende Krieg erhöht den Druck auf den schüchternen Regenten. Die Zusammenarbeit und wachsende Freundschaft mit Logue hilft Bertie dabei erheblich. Doch kurz vor der offiziellen Krönung stellt eine unerwartete Enthüllung das gegenseitige Vertrauen und damit auch Berties Kampf gegen das Stottern auf die Probe.
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Eure Kritiken zu The King´s Speech

  1. Feelicitas

    Ich fand den sehr gut. Vor allem die Darsteller waren toll. Super gespielt. Der Film hat mich gefesselt und berührt.

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