KRITIK

The Kids are all right

The Kids are all right „The Kids Are All Right“ trägt bereits im Titel einen beschwichtigenden Unterton, der Normalität und Stabilität signalisiert, auch wenn das Umfeld, in dem er spielt in weiten Teilen der Welt, insbesondere auch in den meisten Regionen der USA, alles andere als normal gilt. Nic und Jules sind lesbische Eltern, ihr Leben mit der 18-jährigen Tochter Joni und dem 15-jährigen Sohn Laser läuft routiniert-harmonisch, die Familie ist gut situiert und moderat neurotisch. Alles ist so alltäglich, dass es letztlich fast subversiv daherkommt, wie Regisseurin Lisa Cholodenko diese alternative Familienkonstellation durch die Muster des Herkömmlichen jagt.

Bis die Kinder der Wunsch umtreibt, ihren biologischen Vater ausfindig zu machen, und der schnell aufgespürte Samenspender Paul sich als cooler und charmanter Junggeselle entpuppt, der auch die Gefühlswelt von Nic und Jules gehörig durcheinander wirbelt. Sind die beiden lesbischen Moms mit ihrem perfekt eingerichteten Haus und ihrer eingespielten Nestwärme beinahe ein Ausbund an Spießigkeit, versprüht der Biogärtner und Kneipier Paul dagegen den Duft von Freiheit und ungebremster Lebensfreude. Damit nimmt er nicht nur die Kids für sich ein, sondern zieht auch seine alte Liebe Jules in seinen Bann.

Mit sichtlichem Spaß dreht Lisa Cholodenko die gängigen Komödienkonstellationen auf links und gewinnt dem Genre gerade durch ihre verschobene Perspektive viele neue Möglichkeiten und Wendungen ab. Die Dialoge sind dermaßen auf den Punkt gebracht und streckenweise so urkomisch, dass sie an die Filme der Großmeister des Genres Allen, Wilder und Co erinnern. Auch die Darstellerriege ist in bester Spiellaune – „The Kids Are All Right“ ist ein Mainstream-Vergnügen, das keines sein darf, zumindest in den USA, wo Tea-Party-Bewegungen und reaktionäre Meinungsmacher auf dem FOX Channel homosexuellen Beziehungen das Leben derzeit gehörig schwer machen. Umso bemerkenswerter ist die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Lisa Cholodenko ihr Familienmodell hier durchzieht, sich aber auch eben nicht vor den Karren eines „Gay Movement“ spannen lässt, sondern allen Lebensentwürfen ihre Schwächen und Lächerlichkeiten zugesteht.

Gemeinsam mit „The Social Network“ ist „The Kids Are All Right“ einer der derzeit wenigen Filme, die zeitgemäß vom Leben im 21. Jahrhundert erzählen. Unter allem Slapstick versteckt sich hier eine Gesellschaftsutopie, deren Charme man sich kaum entziehen kann. Diese Kids sind mehr als nur all right.



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INHALT

Jules und Nic sind seit Jahren ein glückliches lesbisches Paar, mit der 18-jährigen Joni und dem 15-jährigen Laser haben sie zwei aufgeweckte Kids, mit denen sie in Los Angeles leben. Unruhe in ihr ereignisloses Dasein bringt die Erkenntnis, dass ihre Kinder ohne ihr Wissen Kontakt zu ihrem biologischen Vater aufgenommen und ihn zu sich nach Hause eingeladen haben. Die Ankunft des alten Hippies Paul bringt Nic auf die Palme, zumal er Jules schnell verspricht, ihr bei ihren bislang wenig erfolgreichen Versuchen als Landschaftsgärtnerin unter die Arme zu greifen - und vielleicht nicht nur da. Konfrontationen scheinen unausweichlich.
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Eure Kritiken zu The Kids are all right

  1. Maskottchen

    Einer der besten Filme des Jahres, intelligent, schauspielerisch überzeugend und inszenatorisch aller erste Sahne. Julianne Moore und Annette Benning sind ein Traumpaar, alle passt hier also, selbst der ansonsten eher durchschnittliche Darsteller Mark Ruffalo.

  2. Udo

    Welcome New Family Values in Hollywood. Tochter von lesbischer Mutter mit Partnerin sucht Samenspender. Und das mit DIESEN Darstellerinnen. Klasse. Tolle Dialoge, nicht allzu viel Herzschmerz, kein erhobener Zeigefinger, so muss intelligente Unterhaltung heute aussehen, toll! Bitte mehr davon!

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