DVD / BLU-RAY TIPP

The Innkeepers

Er wird einfach immer besser: Nachdem Ti West dem Kino mit HOUSE OF THE DEVIL vor nicht allzu langer Zeit die wohl liebevollste Genreverehrung und -verinnerlichung der letzten Jahre beschert hat, waren die Erwartungen hoch, doch auch dem neusten Streich gelingt es problemlos, sich in das augenscheinlich stetig (noch) besser werdende Œuvre des Regisseurs einzureihen: Getreu der Überzeugung, dass die Form ungleich wichtiger als der Inhalt sei, versucht sich THE INNKEEPERS erst gar nicht an ausufernden Twists oder abstrakten Narrationsstrukturen, sondern erzählt angenehm altmodisch von einem kleinen, kurz vor dem Bankrott stehenden Hotel, einer Tragödie in der Vergangenheit und natürlich von ruhelos umher spukenden Seelen.

Vielleicht liegt in jener Bescheidenheit tatsächlich die große Stärke von Wests Werken: Sie begegnen sowohl ihren Charakteren als auch dem Zuschauer auf Augenhöhe. Keine postmodernen Reflexionen, kein ausgestelltes Namedropping für die Videothekennerds, keine ausufernden Subtexte – sie geben nie vor, mehr zu sein, als Märchen im Gewand eines Gruselfilms.

Vom körnigen VHS-Look des Vorgängers hat sich der Amerikaner verabschiedet, sein Gespür für atmosphärische Settings und das Talent eben jene in Szene zu setzen findet hier jedoch seinen bisherigen Höhepunkt: Seit Kubricks SHINING durfte man nicht mehr so elegant durch halbdunkle Gänge fliegen und sich in fast schon elegisch wirkenden Kameraschwenks verlieren und am Dekor satt sehen. Und obwohl der Film in seiner punktgenauen Darstellung von Räumlichkeiten fast schon mathematisch kalkuliert wirkt, gerät er doch nie zur Technik-Posse. Etwas, wofür sich Darsteller und Drehbuch gleichermaßen verantwortlich zeigen: Gerade weil die Figuren von Sara Paxton und Pat Healy keinen großartigen Plot-Ballast schultern müssen, weil sie im positiven Sinn einfach gezeichnete Charaktere sind, wirken sie vergleichsweise authentisch und ja: auch sympathisch. Ti West gelingt es, dem Mysteriösen etwas Alltägliches abzugewinnen: Spuk und Starbucks gehen Hand in Hand.

Mit dem ganz großen Schock kann und will THE INNKEEPERS auch am Schluss nicht rausrücken, vielmehr bleibt er von Anfang bis Ende ein wohlig gruseliges Kleinod an Film. Ein Geheimtipp auch -aber keineswegs bloß- für Nostalgiker.

Die US-DVD und BluRay ist am 24.04. erschienen, und wartet mit gutem Bild und Ton, aber leider mageren Extras (nur ein siebenminütiges Making-Of, zwei Audiokommentare und ein Trailer) auf. Am 25.05. erscheint in Großbritannien eine RC2-Veröffentlichung des Films. Über ein deutsches Release ist bis dato nichts bekannt.



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Eure Kritiken zu The Innkeepers

  1. Sunny

    ÜBERRAGEND und SUPER – bis auf das Ende, welches einen irgendwie im Regen stehen lässt. Alle die den Film langweilig finden, haben leider absolut keine Ahnung und sind wahrscheinlich noch recht jung und durch die heutige Horror-Filmlandschaft versaut, die nur noch auf Schockeffekte setzt. Zudem ist auch der Vorgängerfilm des Regisseurs (The House of the Devil) ebenso in der Art. The Innkeepers ist eine absolute Atmosphäre-Bombe mit super sympathischen Darstellern, tollen Kamerafahrten, wunder schönem Setting (Tapeten & Einrichtung des Hotels), dazu super toller Sound, der die Geistersucher-Szenen extrem spannend macht – UND was ich mal extremst hervorheben möchte – die Synchro! Hier wurde endlich mal wieder professionell gearbeitet. Keine Billig-Synchro und Billig-Mischung, wie bei The Visit, Katakomben und all den anderen Horrorfilmen der letzten Zeit – und dabei ist Sound sooo wichtig. Kein Wunder, dass immer mehr Menschen zum O-Ton greifen, weil dort zudem oftmal nur die guten HD-Tonspuren vorhanden sind. Ach ja, fast hätte ich den phänomenalen Soundtrack vergessen – eine Mischung Ghostbusters und dem alten Poltergeist! Einfach nur wundervoll, stimmungsvoll und perfekt für diese Art von Film. WER richtigen „Grusel“ und die Atmosphäre von 60er und 70er Jahren sucht, der ist hier genau richtig!

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