KRITIK

The House of the Devil

The House of the Devil Baby-Sitting und Satanismus – unmittelbar nach seiner planlosen Hommage an das Splatter- und Backwoodkino vergangener Jahrzehnte in CABIN FEVER II, legt Ti West nahezu im Alleingang eine weitere Aufarbeitung von zwei sehr klassischen Genretopoi vor. Diese werden bei ihm zu einer fatalistischen Geschichte verschmilzt. Wests bisheriges Œuvre ließ in all seiner Versiertheit stets einen Verehrer und Fan des abgründigen Films durchscheinen, doch erst sein jüngster Streich offenbart, dass der Amerikaner auch ein meisterhafter Regisseur sein kann.

Natürlich ist THE HOUSE OF THE DEVIL, der in Deutschland nur auf DVD/Blu-Ray erschienen ist, ein bewusst altmodischer Film. Ein Horrorstück, dessen grainy look und Eighties-Utensilien durchaus offensiv daherkommen, und der doch zwischen all den halbherzigen Retro-Versuchen und den Hochglanz-Remakes der letzten Jahre einen eigenen und unkonventionellen Weg zu beschreiten versucht: Konträr zu den Spukhaus-Effekten der Konkurrenz, lässt West nicht nur die Optik, sondern auch die Mechanismen der großen Klassiker des Suspense-Kinos Revue passieren; gönnt sich und seinem Werk eine fast einstündige Exposition der Figur und ihrer Situation und fordert das Publikum damit zu jener Geduld auf, die dem Genre in den letzten Dekaden so großflächig verloren gegangen schien.

Damit ist HOUSE OF THE DEVIL in erster Linie auch ein Bekenntnis zum Medium Film selbst, eines zur Kraft von Bild- und Tonkomposition, die weder Geschwätzigkeiten noch visuelle Überladenheit benötigt, um eine einzigartige Atmosphäre zu kreieren. Denn – und hier wird Wests Verehrung gegenüber Roman Polanski, die sich durch den ganzen Film, zieht, deutlich – ebenso wie die Apartment-Trilogie des polnischen Regisseurs, ist auch West mehr am „Wie“, denn am „Was“ seiner Geschichte gelegen: Wenn Jocelin Donahue das Anwesen in der Einöde erreicht, gibt es keinen Zweifel an der weiteren Entwicklung des Plots, dessen ist sich der Zuschauer stets bewusst, weshalb sich der Blick auch zunehmend auf die wachsende Paranoia zentriert. Spätestens wenn Donahue wie einst Mia Farrow mit dem Messer in der Hand durch die düsteren Gänge des Hauses stolpert, ist dies nicht nur ein nettes Zitat des wegweisenden Klassikers ROSEMARY‘S BABY, sondern auch dessen Quintessenz: Der eigentliche Horror spielt sich im Kopf ab, weit bevor er sich in der Realität manifestiert.

Trotz dieser einschlägigen Prägung fühlt sich Wests vierter Film origineller an, er setzt Genrefloskeln und Verweise wohl dosiert ein und zeigt mit dem stilistischen Bruch während des Finales, dass er sich sehr wohl von den großen Vorbildern emanzipieren kann, sobald es nötig erscheint. Umso faszinierender, dass sich all dies zudem noch erstaunlich homogen anfühlt, und gar prächtig funktioniert: Die bewusste Reduktion und das gemäßigte Tempo provozieren mehr Unwohlsein, als alle Highspeed-Slasher im vergangenen Jahr.

THE HOUSE OF DEVIL ist somit zwar nicht die Revolution des Genres, das möchte er auch gar nicht sein, aber er ist eine Verbeugung vor dessen Ursprüngen, und der Beweis, dass man vergangenen Zeiten nicht immer hinterher trauern muss. Auch die heutige Filmlandschaft bringt noch solche, gegen den Strich gebürstete Kleinode hervor: Leider immer seltener vielleicht, aber immerhin.



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INHALT

Studentin Samantha ist auf der Suche nach einem Nebenjob, um ihr neues Apartment bezahlen zu können. An einer Pinnwand findet sie ein Jobangebot. Im abgelegenen Haus des älteren Ehepaars Ulman soll sie einen Abend lang Babysitten. Immerhin 400 Dollar kann sie aus dem Engagement schlagen, nachdem sie Bedenken äußert, den Abend allein im Haus zu verbringen. Ihr wurde verschwiegen, dass es sich bei dem Kind um eine alte Dame handelt. Der Hausherr scheint verzweifelt und ist bereit zu zahlen. Samantha ist auf das Geld angewiesen und nimmt den Job trotz Abratens ihrer Freundin an.
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