KRITIK

The Host

The Host Als der Film im Jahre 2006 während der Filmfestspiele in Cannes seine Premiere feierte, hielt sich die Filmkritik zurück. Einige Filmkritiker reagierten belustigt, andere abwertend desinteressiert. Nur wenige Wochen später trat der koreanische Film über ein Monster aus dem Fluss im Heimatland Südkorea seinen Siegeszug an. Und der Siegeszug rollt und rollt. 13 Millionen Koreaner wollten den Film bis dato im Kino sehen. Er gilt damit als der erfolgreichste Film aller Zeiten in Südkorea. Verantwortlich für den Genre-Mix aus Katastrophen- Horror- und Politthriller ist der Koreaner Bong Joon-ho, Kennern und Festivalbesuchern als einer der interessantesten Regisseure des koreanischen Gegenwartsfilms bekannt.

„The Host“ schließt an die Tradition des Monsterfilms an, die in den letzten Jahren – abgesehen von Peter Jacksons King Kong (2005) – zumindest in Hollywood wenig Interessantes hervorgebracht hat. Die Korea lieben dieses Genre, was nicht zuletzt die Godzilla-Manie gezeigt hat. Doch ebenso wichtig wie die Jagd auf ein Monster aus dem Fluss und die Rettung eines Schulmädchens, das dessen Gewalt überlebt hat, ist hier die Reaktion der Gesellschaft auf sein Auftauchen. Der Film darf sich somit auch im Genre Gesellschaftssatire beheimatet fühlen, ohne dabei in dieser Mixtur der verschiedenen Genres zu verwässern.

Im Kern erzählt der Film von einer Familie, die sich verloren hat und über eine äußere Bedrohung wieder zusammenfindet. Die zentrale Figur ist Gang-du (Song Gang-ho), ein ewiger Verlierer, dem es mit Müh und Not gelingt, seine Tochter Hyeon-seo (Ko A-sung) zu erziehen. Sein jüngerer Bruder Nam-il (Park Hae-il), ein arbeitsloser Akademiker mit Alkoholproblem, war in seinem bisherigen Leben auch nicht erfolgreicher. Und die größte Hoffnung der Familie stellt Nam-ju (Bae Du-na) dar, eine professionelle Bogenschützin, der jedoch im entscheidenden Moment meist die Nerven versagen. Die Figur des sympathischen Losers, der im Augenblick der Gefahr über sich hinauswächst, ist in der Filmgeschichte zwar nicht neu. Die Betonung des familiären Zusammenhalts in Zeiten der Gefahr auch nicht. Doch „The Host“ schreibt diese stereotypen Elemente systematisch in der sozialen und kulturellen Wirklichkeit des gegenwärtigen Koreas fest. Ein Wagnis, das auf geht. Denn diese klassische, hochmoralische Story ist von allerlei weiteren Handlungssträngen umrankt. Über diesem Haupt-Erzählstrang geht es auch um das prekäre Verhältnis Südkoreas zu den USA und deren Neo-Kolonialismus. Nicht nur die Figur des amerikanischen Wissenschaftlers, der für die Verseuchung des Flusses und damit für die Entstehung des Monsters verantwortlich ist, zeigt, dass die Vereinigten Staaten auch im heutigen Korea noch immer eine überaus unsympathische Rolle spielen.

Die Kameraarbeit und die dynamische, konsequente Inszenierung sind von hoher visueller Präzision. Auch die Darstellung des Monsters selbst, einhergehend mit den CGI-Effekten, sind zwar sehr ansehnlich, den Vorbildern im aktuellen amerikanischen Kino aber dennoch recht deutlich unterlegen. Hier setzt aber immerhin nicht sofort der Regen ein, sobald das Monster die Bühne betritt. Ganz im Gegenteil, es vergeht nicht viel Spielfilm-Zeit, bis das Monster zum ersten Mal in seiner Gänze zu sehen ist. Und das ist aller Ehren wert.



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INHALT

Die Einwohner Seouls werden eines Tages von einem Monster heimgesucht, das dem städtischen Fluss entstiegen ist. In dem Fluss wurden giftige Chemikalien entsorgt. Das Monster krallt sich neben vielen anderen auch Hyun-seo, die 12-jährige Tochter des schusseligen Kioskbesitzers Gang-du, der daraufhin die restlichen Mitglieder seiner schrägen Familie mobilisiert, um das kleine Mädchen zu retten. Hierbei können sie allerdings nicht mit der Unterstützung der Polizei rechnen, die den Ausnahmezustand verhängt hat. Unter Mithilfe des US-Militärs wird ein Giftgaseinsatz vorbereitet.
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Eure Kritiken zu The Host

  1. Namsan

    Der Film gibt die koreanische Befindlichkeit hervorragend wieder. Angst vor Ansteckung(Vogelgrippe), US-Kritik (US-Armee in Land), Umweltverschmutzung, etc. verpackt in einem modernen, witzigen Familien-Horrormonsterfilm, der seinesgleichen sucht. Koreas erfolgreichster Film aller Zeiten in einem kinobegeisterten Land.

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