KRITIK

The Good German

The Good German Es ist eine Reise in die Vergangenheit, die Jack Geismer (George Clooney) unmittelbar nach Kriegsende antritt. Eigentlich soll der amerikanische Korrespondent über die Potsdamer Konferenz der Siegermächte berichten. Aber schon bald nach seiner Ankunft im zerstörten Berlin, wo Jack schon einmal, vor dem Krieg, stationiert war, geraten ihm Politisches und Persönliches durcheinander. Über seinen Chauffeur Tully (Tobey Maguire), einen verschlagenen, unbekümmerten Schwarzmarktdealer und Gelegenheitskuppler, trifft er die Deutsche Lena (Cate Blanchett), mit der Tully eine lieblose Affäre hat und die er bisweilen an den Mann bringt. Brisanterweise aber waren Jack und Lena vor Zeiten ein Paar. Doch noch bevor die Rivalenschaft der beiden Männer offen ausbrechen könnte, treibt Tully auch schon tot im Wasser. Geismer, der dem Mordfall nachspürt, wird über die Femme fatale Lena in ein Komplott verwickelt, das den heraufziehenden Kalten Krieg spüren lässt und vom schmutzigen Wettstreit um die klügsten Köpfe des besiegten Nazi-Regimes erzählt – vom Griff nach der Bombe.

Regisseur Steven Soderbergh, der diesen Film noir nach einem Roman von Joseph Kanon inszeniert hat, versteht den Stil und die Atmosphäre der vorbildhaften 40er-Jahre-Dramen, vom „Dritten Mann“ über „Die Mörder sind unter uns“ bis hin zu „Casablanca“, perfekt heraufzubeschwören – mittels Rückprojektionen, Wischblenden, Schattenspielen sowie Archivmaterial, das von Billy-Wilder-Drehs im Nachkriegs-Berlin übrig war. Indes bleibt Soderberghs nachtkühler Krimi nicht bloß Hommage, sondern legt mit Härte und Deutlichkeit frei, was unter der Oberfläche der Schwarzen Serie schon damals unausgesprochen mitschwang: dass der Krieg auch die Moral der Sieger korrumpiert.

Bei aller Bewunderung aber bleibt eine Distanz. Soderberghs strenges ästhetisches Konzept macht es den Schauspielern schwer – nicht nur Cate Blanchett, die mit angelerntem deutschen Akzent eine Verbeugung vor Marlene Dietrich versucht. Auch George Clooney, der den klassischen Noir-Loner spielt und sich dabei genregerecht ramponieren lässt, hat seine Schwierigkeiten mit dieser Geschichte einer unerfüllten Freundschaft.



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INHALT

Im Berlin der Nachkriegszeit soll der US-Kriegskorrespondent Jake Geismar über die Potsdamer Konferenz berichten. Tatsächlich will er aber Kontakt mit seiner ehemaligen Geliebten Lena Brandt aufnehmen, deren untergetauchter Ehemann von der amerikanischen und der russischen Armee gesucht wird. Schnell wird Geismar jedoch in einen Mordfall verwickelt, den die Alliierten zu vertuschen versuchen und der alle Beteiligten in Lebensgefahr bringt.
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Eure Kritiken zu The Good German

  1. Kasimir

    Die Arbeiten von Stephen Soderbergh unterliegen großen künstlerischen Schwankungen. Hier soll es eine „Casablanca“-Hommage sein. Schade, das ging daneben. Der Film wirkt irgendwie „entrückt“ und fern.

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