Dicky Ekland hat mal gegen Sugar Ray Leonard geboxt und ihn zu Boden geschickt. Es heißt inzwischen, Leonard sei nur gestolpert. Seither ging es bergab mit Dicky. Er ist cracksüchtig und zeichnet sich in seiner Heimatstadt Lowell, Massachusetts, vor allem durch fahrige Gestik und notorische Unzuverlässigkeit aus.
Dicky gibt es wirklich. Christian “Batman” Bale spielt ihn virtuos am Rande der Karikatur, und für diese Virtuosität gab es einen Oscar. Siehe auch Alice, Dickys Mutter, eine blondierte Unterschichts-Schreckschraube, die ihre Zwangs-Patentheit als Waffe einsetzt: Oscar für Melissa Leo.
Aber weder Alice noch Dicky sind “The Fighter”. Das ist Micky Ward, Dickys Bruder. 2002 wurde er berühmt, als er gegen Arturo Gatti geradezu unmenschliche Nehmerqualitäten bewies. Mark Wahlberg spielt ihn als Gegenentwurf zu Dicky: introvertiert, ruhig, schweigsam. Eine Großleistung des unterschätzten Mimen (“Helden der Nacht”).
Dass die Titelfigur im Schatten zweier Nebendarsteller steht, ist fast Programm. Denn zum Boxerfilm wird “The Fighter” eher nebenbei – kühn endet das Ganze gar vor den berühmten Gatti-Kämpfen. Regisseur David O. Russell, der 2005 mit der Farce “I Heart Huckabees” einen sehr anderen Film drehte, zeigt dagegen halb-dokumentarische Episoden aus dem Arbeitermilieu: Familienbande, Verrat, Drogensucht. Über Dicky etwa wird eine Reportage gedreht, die der Süchtige als Heldenporträt missversteht. Das Filmteam ist Teil der Szene. Micky muss sich währenddessen seinen Routinen entwinden: Trainiert von Dicky, gemanagt von der Mutter, bleibt er zwangsläufig im Mittelmaß stecken.
Erst seine neue Freundin (Amy Adams) bringt ihn darauf, dass er sich von der Familie lösen muss, um Erfolg zu haben. Wenigstens ein bisschen. Russell erzählt viele Geschichten, lässt absurden Witz ins realistische Setting einfließen, vermeidet alle üblichen Boxfilmklischees: Zusammen mit der durchweg grandiosen Besetzung ergibt das eine bewegende Biografie. Sehenswert.
Ähnliche Beiträge:
Vorsicht, Etikettenschwindel: Mit der witzigen Culture-Clash-Komödie „My Big Fat Greek Wedding“ aus dem Jahr 2002 hat dieser neue...
Ein Hinweis vorweg: Für „Carlos“ ist Sitzfleisch vonnöten. 333 Minuten dauert die in Cannes bejubelte und eigentlich als Dreiteil...





Wow, ein herausragender Film. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Beeindruckend sind nicht nur die schauspielerischen Leistungen. Fast doku-artig wird das Leben der Familie zu Beginn eingefangen. Klasse. Ansehen!
Pingback: Specials, Sieger und Verlierer, Unsere besten Filme 2011, Bestenliste, Bestenlisten, Kinofilme 2011, Kinofilme, 2011, Übersicht, Filmtitel, deutscher Filmtitel, Mehrfilm Redaktion, Carsten Happe, Gian-Philip Andreas, Lida Bach, Sebastian Büttner, Christ