KRITIK

The Dark Knight Rises

plakat zum Film the Dark Knight RisesVon Aufbegehren, Auferstehung, Courage, schwarzen Seelen und dunklen Rittern: Christopher und Jonathan Nolan führen mit Anspielungen auf das aktuelle Zeitgeschehen zu Ende, was sie mit „Batman Begins“ und „The Dark Knight“ begannen. Die Erwartungen an den letzten Teil ihrer „Batman Trilogie“ waren groß. Über eine Milliarde Dollar hatte der Vorgänger weltweit eingespielt und nicht nur Publikum, sondern auch Kritiker zu Jubelstürmen hinreissen lassen. Doch erste Reaktionen einiger Fanboys auf schlechte Kritiken nach den Previews von „The Dark Knight Rises“ in den USA (wo der Film eine Woche früher anlief als in Europa) führten zu Morddrohungen und der Abschaltung der Kommentarfunktion auf einem oft zitierten Internet-Portal. Zudem wurde der Start überschattet von einem Amok-Schützen, der während einer Preview im US-Bundestart Colorado 12 Menschen in den Tod schickte und über 50 verletzte.

Das Brüderpaar Christopher (Regie) und Jonathan Nolan (Drehbuch), die den Vorfall in Aurora/Colorado mit den Worten „eine sinnlose Tragödie“ kommentierten, dürften sich dennoch mit diesem Film ihre Rente bis zum Lebensende gesichert haben, trotzt des gigantischen Budgets von über 250 Millionen Dollar und der Tatsache, dass der Film den hohen Erwartungen nicht gerecht wird. Aber der Reihe nach.

szene aus dem film The Dark Knight Rises

Bane vs. Batman (Photo: Warner Bros.)

„The Dark Knight Rises“ setzt acht Jahre nach den Geschehnissen aus seinem erfolgreichen Vorgänger an. Mit einem für einen Comic-Superhelden denkbar ungünstigen Einstieg: Batman wurde mit dem Bösewicht verwechselt, hatte einen beliebten Staatsanwalt in die ewigen Jagdgründe geschickt und sich in seiner märtyrerhaften Art aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Christian Bale verkörpert diesen gestürzten Superhelden von Beginn an mit derselben (Method Acting) Überzeugungskraft, mit der er bereits in Brad Andersons „The Machinist“ brillierte, blaß, fahl, hier nur mit den Insignien eines Multimilliardärs bzw. Superhelden ausgestattet.

Batman alias Bruce Wayne hält sich also in seinem Anwesen versteckt, um – auch zur Freude seines treuen Dieners Alfred (Michael Caine) – still und leise seine Wunden zu lecken. Doch das Böse lässt nicht lange auf sich warten. Vor allem nicht in einer Comic-Superhelden-Verfilmung. Mit einem fulminanten (Nolan-typischen-Action-) Prolog wurde zuvor der Konterpart eingeführt. Ein kahlköpfiger Koloss namens Bane (Tom Hardy), der nach einer erfolgreichen Flugzeugentführung als das personifizierte Böse in der Kanalisation von Gotham City nach Zerstörung und Chaos trachtet. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger, dem legendären Joker, herausragend verkörpert von Heath Ledger, bleiben jedoch nicht nur die Motive von Banes Handeln, sondern auch seine Monologe so blaß und undurchsichtig wie die Kanalisation von Gotham City. Zudem gibt die miserable deutsche Synchronisation dieser Figur den Rest. Liebe Verantwortliche: Die Zunahme an Lautstärke bedeutet nicht die Steigerung der Bedrohung!

Bis zum enttäuschenden Aufeinandertreffen dieser beiden (röchelnden) Figuren war es Christopher Nolan hervorragend gelungen, die Erwartungen der Zuschauer an ein modernes, großes, perfekt inszeniertes Gut-gegen-Böse-Unterhaltungs- und Ausstattungskino zu erfüllen. Bereits im ersten und zweiten Drittel, in denen jeder einzelne Dollar des sagenhaften Budgets von über 250 Millionen zu sehen ist, gibt es von der Massenszene bis zur (aus dem Trailer bekannten) Football-Stadion-Zerstörung unzählige Schauwerte zu bestaunen, von denen sich einige in das Gedächtnis brennen werden. Auch die geglückte Gratwanderung zwischen schwerfälliger Film-noir-Stilisierung und heldenhafter Phoenix-aus-der-Asche-Erweckung muss man dem Brüderpaar Nolan positiv zugute halten.

Szene aus dem Film The Dark Knight Rises

Bruce Wayne und Catwoman (Photo: Warner Bros.)

Bis zum Aufeinandertreffen der beiden Hauptdarsteller. Denn danach zerfällt die Inszenierung wie das Ende eines zerschnittenen Tauwerks. Batman steht vor seiner zweiten Auferstehung, Figuren betreten die Bühne und verlassen diese ohne ersichtlichen Grund wieder, das Geschehen in Gotham bleibt undurchsichtig, viele Nebenfiguren bleiben auch angesichts einer Spielzeit von knapp 3 Stunden letztendlich überflüssig. Einzig und allein die Einführung der bekannten Batman-Figuren „Catwoman“ (überzeugend gerissen: Anne Hathaway) und „Robin“ (wird nicht verraten) geschieht nicht ohne Schmunzeln.

„The Dark Knight Rises“ ist eine filmgewordene Kapitulation vor einem allzu komplexen Handlungskonstrukt. Vielleicht auch, weil es angesichts eines Paradoxons nicht gelingen will: Christopher und Jonathan Nolan mussten vor dem Hintergrund eines großen Zweikampfs mit tagespolitischen Bezügen bekannte, populäre Figuren einführen, deren Charaktere kompatibel gemacht werden müssen mit den Erwartungen jener Zielgruppen, die nicht nur mit Tim Burtons „Batman“, sondern auch mit Internet und Ego-Shootern aufgewachsen sind. Aus diesem Grund rumpelt und ächzt es gewaltig am Ende eines Films, der nicht schlecht ist, aber eben – angesichts der hervorragenden Vorgänger – die hohen Erwartungen nicht erfüllen kann.

 



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Eure Kritiken zu The Dark Knight Rises

  1. channelv

    soll ich euch mal was sagen, ihr könnt einfach keine filme bewerten. was ist denn das bitte 6 von 10 und für ps ich liebe dich habt ihr auch 6 punkte gegeben. was hat der di bewertung bitte mit den vorgängern zu tun, machts besser als nolan das will ich mal sehen.

  2. Pingback: The Dark Knight Rises – Mehrfilm – Filmkritiken und mehr (Blog) | Reinwand Net Blog

  3. Hallo Volkan,

    vielen Dank für deinen Kommentar. Aber bei uns funktioniert das so: erst Film anschauen, dann Kommentar abgeben! Bis auf weiteres, viele Grüße!

  4. lol

    Hallo,
    habe den Film in den USA gesehen.Habe einen völlig anderen Eindruck vom Film! Perfektes Entertainment!

  5. Lumael

    Die Qualität eines Filmes wird nicht, an der Masse an Explosionen, Verfolgungsjagden, und erschossenen Personen gemessen, sondern am Drehbuch, der Regie und dem Schauspiel,…Aber das haben die Dummköpfe die Filme wie „Doom“ gut finden, und hier ihre Kommentare abgeben, nicht verstanden.
    Ich bin ein Fan von Nolan und der ersten beiden Teile seiner „Batman“ Interpretation, und habe mir, wie ich meine zurecht, mehr von diesem Film erwartet.
    Die Handlung wirkt verwürfelt,..als hätte man ein bestehendes Konzept zerrissen, und aus dessen Fragmenten, ein neues zusammengeflickt.
    Ich möchte nicht spoilern und deshalb verrate ich auch nichts konkretes, aber es kommen einige sehr verwirrende und unverständliche Szenen vor, die geradezu nach Konsequenzen schreien, welche von Nolan aber kaltschnäuzig unterschlagen werden.
    Am Ende gibt es ein Paradoxon, an welchem jeglicher logischer Erklärungsversuch scheitert.
    Dieser Film ist ein reines Mainstream-Produkt, welchem (leider) das gewisse Etwas, das Nolans Filme sonst auszeichnet, fehlt.

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