KRITIK

The Dark Knight

The Dark Knight Der Terror hat Gotham City erreicht. Das ist erstmal nichts Neues – aber von neuer Qualität. Verkörpert wird der Schrecken von dem Mann, den sie Joker nennen und dessen aufgeschlitzte Mundwinkel zu einem makabren Dauergrinsen verdammt sind. „Es gibt Menschen, die wollen die Welt einfach brennen sehen“, sagt an einer Stelle jemand über diesen Maniac mit Clownsschminke, und das ist das Beängstigende an ihm.

Der Joker, schon immer Batmans reizvollster Gegenspieler, viel sinistrer als Catwoman oder Pinguin, kennt hier kein Ziel, hat keine Forderungen. Einmal steckt er einen gigantischen Haufen Geld in Flammen, es bedeutet ihm nichts. Er trumpft auf wie jene Fanatiker, die den Tod mehr lieben als das Leben – womit die selbsterklärten Guten und ihr Wertesystem überfordert sind. Allzu schnell bekämpfen sie Feuer mit Feuer, wie der von Aaron Eckhart gespielte Staatsanwalt Harvey Dent, der als Weißer Ritter antritt und als janusköpfiger Rächer endet. Und selbst Batman, dem wieder Christian Bale das markante Doppelgesicht als Fledermaus-Mann und Dandy-Milliardär Bruce Wayne leiht, weiß sich nicht anders zu helfen, als für seine Rasterfahndung heimlich die Mobiltelefone sämtlicher Bewohner Gothams anzuzapfen.

„The Dark Knight“, die zweite Batman-Verfilmung von Christopher Nolan („Memento“) ist eine elektrisierende Politparabel. Nolan, der mit „Batman Begins“ die zuletzt ausgeuferte Comic-Saga wieder geerdet, die Uhren in Gotham City auf Null zurückgedreht hat, erzählt hier in zweieinhalb furiosen Stunden von allerlei moralischen Schattengefechten, vom Duell zwischen Anarchie und Ordnung. Wobei der interessantere Part, wie immer, dem Bösewicht zufällt.

Die Joker-Performance des verstorbenen Heath Ledger in seiner letzten Rolle hat beim US-Start einen Begeisterungs-Hype entfacht, zu Recht und ungeachtet der Frage, ob man ihm dafür posthum den Oscar verleihen muss. Jack Nicholson jedenfalls war dagegen als Joker bei Tim Burton ein Steuerbeamter.

Mit welch irre flirrender, lustvoll zerstörerischer Energie Ledger diesen Chaos-Clown auflädt, das befeuert den gesamten, grundfinsteren Film. In einer der düstersten Passagen spielt er die Bürger von Gotham gegeneinander aus, indem er ihnen selbst den Sprengstoff-Zünder in die Hand gibt – nur wer andere in den Tod reißt, soll davonkommen. In dieser Frage von Leben und Sterbenlassen erlaubt sich Nolan, ein einziges Mal, so etwas wie eine Utopie.



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INHALT

Nach seinem Erfolg in der Bekämpfung von Ra`s Al Ghul und dem spurlosen Verschwinden der Scarecrow macht sich Batman daran, mit Hilfe von Polizeichef Gordon und dem Bezirksstaatsanwalt Harvey Dent dem organisierten Verbrechen in Gotham den Todesstoß zu versetzen. Er hat die Rechnung allerdings ohne den Joker gemacht, der zunächst als Bankräuber auftritt, schließlich aber viel diabolischere Absichten offenbart: Mit gezielten Terrorakten bringt er die öffentliche Ordnung in der Stadt zum Einbruch.
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Eure Kritiken zu The Dark Knight

  1. Udo

    Man muss nicht viele Worte über diesen Film verlieren, zwei reichen dabei aus: Ein Meisterwerk!

  2. Nicky

    Was für eine Leitung von Heath Ledger. Atemberaubend! Unbedingt anschauen!

  3. Hitmanski

    THE DARK KNIGHT bleibt auch nachdem die Jubelfanfaren um Heath Ledgers Performance verklungen sind, ein schwer in ein Bewertungsschema zu pressender Film, ist Christopher Nolans größter Verdienst doch auch sein größtes Manko: Es ist folgerichtig, dass der Mittelteil seiner Trilogie den durch Millers Comics inspirierten Pfad weiterschreitet, und nach dem Weltenbau im Vorgänger nun auch die narrative Ebene in der Realität verortet werden kann. Inwieweit man allerdings bereit ist, 9/11 als Ansatzpunkt einer Comicverfilmung zu akzeptieren, wird maßgeblich von der Toleranz des einzelnen Rezipienten abhängen.

    Litt BATMAN BEGINS dabei bisweilen stark unter der Last, Ouvertüre und eigenständiges Werk sein zu müssen, ermöglicht seine Existenz Nolan für den Nachfolger nun zumindest eine gestraffte Dramaturgie, ist der Rahmen seiner Titelfigur doch in den Grundzügen bereits definiert, und bedarf nur noch der Ausgestaltung.
    Beschäftigte sich der erste Film vorallem mit der Transformation von Bruce Wayne in Batman, konzentrierte sich dabei vorwiegend auf die inneren Stukturen seines Protagonisten, und verband dabei die Frage nach der Berechtigung  einer symbolträchtigen Rächerfigur wie Batman mit der moralischen Hinterfragung von Waynes persönlichem Schicksal und den daraus resultierenden Entschlüssen, politisiert THE DARK KNIGHT bewusst sein Szenario, greift die Fäden des Vorgängers zwar auf, spinnt sie nun aber deutlich am aktuellen Weltgeschehen entlang: Es ist der Versuch, Terror und Paranoia einzufangen, ihre Mechanismen zu sezieren, der Nolan hierbei antreibt; mit Batman und seinen beiden Antagonisten fügt er eine weitere Konstante in die Systemstuktur seiner Welt  ein,  die – alle auf ihre Weise – geschickt zu deren Erosion beitragen.

    Es sind per se keine unbedingt klassischen Motive, die jede der Figuren auszeichnet, und doch nimmt man sie durch ihre Omnipräsenz in den letzten Jahren als solche wahr: Ist Unrecht im Kampf für das Recht moralisch zu legitimieren?
    Im Bezug auf die Titelfigur geht der Film deshalb auch nicht wesentlich weiter als  BATMAN BEGINS, ihre Hinterfragung ist nicht Entwicklung, sondern Teil des anfänglichen Konzepts, die Parallelen die Nolan zwischen einer Quasi-Institution wie dem maskierten Flattermann, und realen Geheimdiensten zieht wird nirgendwo deutlicher als im vorgezogenen Schiffsfinale, in dem die obige Fragestellung packend, aber auch eindimensional zur Parabel über den Patriot-Act ausbuchstabiert wird.

    Entgegen landläufiger Meinung geht – unter Auslösung der Darstellerebene – auch von Ledgers Joker wenig wirkliche Faszination aus; die ihm immanente Metaphorik, als ikonisierter Pate eines ebenso barbarischen, wie auch in seiner Motivation eher schwer zu umreißenden Terrors funktionieren zu müssen, engt seine Charakterzeichnung stark ein; die  bewusste Positionierung gegenüber Batman als einander ebenso bedingende, wie auch abstoßende Variable, trägt zwar zur größeren Akzeptanz bei, als es bei Ra’s al Ghul der Fall war, geht in ihrer Tiefenwirkung aber auch nicht weiter als Burtons Beziehungskonzeption fast zwanzig Jahre vorher.

    Die devote Faszination gegenüber einem kostümierten Bombenleger, die Film und Regisseur dabei des Öfteren fahrlässig an den Tag legen, vergisst aber nahezu vollständig das Potential der Dent-Figur abzuschöpfen, oder auch nur auszuleuchten; ist dieser doch in Verkennung der Strahlkraft seiner Symbolik stets nur Randfigur – erst von Bruce Wayne, später vom Joker. Dabei wäre die Metamorphose seines Körpers und Gerechtigkeitssinns, die subtilste Art gewesen die Auswirkungen eines nur sich selbst unterstehenden Vigilantismus aufzuzeigen, ebenso wie seine neurotische Zerissenheit sich als Spiegel Waynes geeigent hätte.

    Schlußendlich gelingt es Nolan, seine Interpretation des Batman-Stoffes weiterzuentwickeln, einen inhaltlichen und visuellen Einklang herzustellen, und so wirkt THE DARK KNIGHT trotz seiner vermehrten Zugeständnisse an actionaffines Blockbusterpublikum reifer und homogener, als BATMAN BEGINS. Sein aufgeblasener politischer Subtext bleibt dabei aber ebenso wie die rationale Welt und Nolans technizistischer Inszenierungsstil Geschmackssache.

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