KRITIK

The Danish Girl

Bild (c) Universal Pictures Germany 2015.

Bild (c) Universal Pictures Germany 2015.

Zwei junge Künstler im Kopenhagen Ende der 1920er Jahre. Einar Wegener, ein beliebter Landschaftsmaler, ist glücklich verheiratet mit der schönen, weniger bekannten Gerda. Als diese ihn eines Tages bittet, als weibliches Modell für ein Porträt zu posieren, kommt es zu einem Erweckungserlebnis. Einar entdeckt in Nylonstrümpfen und Perücke seine weibliche Identität, tritt immer häufiger als „Lili Elbe“ auf, hat zusehends Mühe, in seine männliche Existenz zurückzukehren. Als beide ins brodelnde Paris ziehen, müssen sie einsehen: Nicht Lili ist die Rolle, die er spielt, sondern Einar. Lili Elbe geht in die Geschichte ein als erste Prominente, die sich der operativen Geschlechtsumwandlung unterzog.

King´s Speech„-Regisseur Tom Hooper legt mit seinem Drama „The Danish Girl“ keine Fallstudie vor, sondern ein saftiges Melodram mit dem Ziel, breitestmögliche Zuschauerschichten für eine Transgender-Biografie zu interessieren. Die Darsteller überzeugen: Eddie Redmayne kann hier nach seinem oscargekrönten Part als Stephen Hawking in „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ erneut seine Verwandlungskunst beweisen: Wie er in den noch „männlichen“ Passagen die feminine Seite durchscheinen lässt, ist fast beeindruckender als die „Lili“-Szenen. Dass Lili Elbe als Weiblichkeitsklischee der emanzipierten Gerda diametral entgegensteht, ist fast die größte Ironie.

Szene_Danish_GirlDie Schwedin Alicia Vikander, bekannt aus Alex Garlands´ Sci-Fi-Thriller „Ex Machina“, ist als lange loyale Gerda ebenso ergreifend – nicht zuletzt ist dies ein Film über eine Frau, die damit fertig werden muss, dass ihr Mann sexuell verschwindet.

Leider wagt Hooper zu wenig. Sein Film ist etwas zu hübsch, zu glatt und zu geschmackvoll geraten, von den Jugendstil-Dekors über die spätimpressionistische Bildgestaltung bis hin zum sanft perlenden Soundtrack: Die dunklen Seiten, die es für Lili und Gerda gegeben haben wird, finden zu oft jenseits der Szenengrenze statt. Zu viel der Schonung für ein aufgeklärtes Publikum.

 




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Eure Kritiken zu The Danish Girl

  1. Tine

    Ich war wirklich sehr beeindruckt von der ganzen Schauspielleistung, noch beeindruckter als ich vorher annahm … Eddie Redmayne ist für mich eh schon ein ganz grosser, Alicia Vikander war grossartig in der Darstellung der Frau die ihren Mann an die Frau in ihm selbst verliert, Ben Wishaw, Matthias Schonaerts als der loyaler Freund trotz langer Funkstille … und dann diese Bilder! Die Bilder der Kamera wie auch die Bilder von ihm und vor allem ihr. Klasse Film.

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