KRITIK

The Company you keep – Die Akte Grant

Plakat zum Film The Company you keepRobert Redford gilt nicht erst seit dem Erhalt des Ehren-Oscars im Jahre 2002 als Altmeister des amerikanischen Politthrillers. Der sich stets zu seiner Linksliberalität als auch als Liebhaber und Bewahrer der Natur bekannte. Dazu ebenso passend hob er stets in seinen Filmen den Verfall der wahren, amerikanisch-gesellschaftlichen Werte hervor. Auch in seinem 2013er Thriller “The Company you keep – Die Akte Grant”. In diesem wird Redfords Kritik am aktuellen, US-amerikanischen politischen System wieder laut. Wenn er in seiner Rolle als ehemaliger, vermeintlicher 70er-Jahre-Terrorist bzw. „Robin-Hood“-Aktivist Jim Grant, der oft gegen die politisch-wirtschaflichen Ungerechtigkeiten des eigenen Landes aufbegehrte und dadurch immer noch Blut an den Händen kleben hat, auch vor den aktuellen tagespolitischen Wahrheiten nicht davonläuft, verwundete es nicht, dass sich Robert Redford in seinem Film selbst besetzte.

Es ist ein ehrliches und gut gemeintes aber auch sehr zähes Unterfangen, in welches sich Robert Redford auch als Regisseur mit “The Company you keep – die Akte Grant” hineinsteigert. Er möchte mit seinem Film eine zeitlose Botschaft transportieren, welche die Menschen zum Nachdenken über ihre eigenen, momentanen, internationalen Befindlichkeiten anregen soll. Und scheut daher keinen inszenatorischen Aufwand, um dieses Ziel zu erreichen. Redford bietet daher einen exzellenten Cast von Shia LaBeouf bis hin zu Schauspielveteranen wie Nick Nolte (“Der schmale Grat”) und Susan Sarandon (“Thelma & Louise) auf. Ebenso zeigen sich Regie und Scriptwriter Lem Dobbs an den Ambivalenzen der Figuren in vielerlei Situationen im hohem Maße interessiert.

Besonders deutlich wird dies in einer einprägsamen (Verhör-)Szene des Films, wenn die Grenzen zwischen “Gut – und Böse” in Sachen persönlichen Denkens über die zwischenmenschlich-politischen und amerikanischen-gesellschaftlichen Ansichten Dank eines hervorragenden Dialoges von Susan Sarandon und Shia LaBeouf allmählich aufgehoben werden. Aber eine derart komplexe Thematik, der Robert Redfords Thriller „The Company you keep – Die Akte Grant“ zu Grunde liegt, benötigt zur Untermauerung ihrer vorgetragenen Thesen, damit diese dem internationalem Publikum als glaubwürdig verkauft werden können, montierte (Rück)Blenden in die Vergangenheit der Protagonisten. Dadurch soll das Verhalten der Protagonisten deutlicher legitimiert werden.

Robert Redford bringt sein politisches Anliegen zwar sehr zugespitzt und im gewissem Maße intelligent und sachlich-verständlich auf den Punkt. Er zeigt in den wichtigen Konversationen durch das (mit samt konventionell und politisch-korrekt konzipiertem Ausgangs der Geschichte) teils etwas flache Drehbuch aber leider nicht den Mut dazu, das moderne Publikum intellektuell per geistreicheren Dialogen noch ein gutes Stück mehr als vorgetragen herauszufordern. Und es somit insgesamt länger als 2-3 Minuten darüber nachdenken zu lassen, dass am Ende der Handlung eine heile-amerikanische, ja geradezu idealisierte Welt nicht existiert… Und sich diese weiterhin in der Ferne befindet. Neue, frische Erkenntnisse bzw. erzählerische Innovationen bleiben in „The Company you keep – Die Akte Grant“ also Mangelware.

Vielmehr zeigt er sich von der eigenen Bilder-Ästhetik und dem qualitativ gutem (Schau)Spiel seiner Ensemble-Darsteller überzeugt. Und schafft somit im Verlaufe des Filmes einige durchaus sehenswerte Passagen, welche sich aus geschickt platzierten Einzelmontagen zusammenfügen. Und zwischendurch immer wieder zumindest etwas Spannung aufkommen lassen. Diese Spannung verflacht jedoch häufig in der nur „erzählerischen“ Homogenität. Robert Redfors Thriller fehlt es am Ende also an einem konstantem, linearen Spannungsbogen. ”The Company you keep – Die Akte Grant” wirkt am Ende einen Tick zu altmodisch. Robert Redfords Thriller hätte, um ein retrospektives Gefühl als Hommage ans Polit-Thriller Genre entstehen lassen zu können, eine Verquickung aus althergebrachter Erzählung, Spannung und ausreichend modernen Actionelementen besser zu Gesicht gestanden. Als “nur” der augenscheinliche Ehrgeiz hinter der Kamera, dem Publikum etwas ganz Wichtiges mitteilen zu wollen. Robert Redfords Thriller lässt trotz einer Laufzeit von 121 Minuten am Ende bei einem Teil des Publikums das Gefühl entstehen, einen überaus ambitionierten, aber phasenweise auch etwas steril wirkenden Film von insgesamt 180 Minuten erlebt zu haben…




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