KRITIK

The Boss of it all

The Boss of it all Lars von Trier, Dänemarks innovativster Regisseur und „Dogma“-Schöpfer, dreht eine Komödie? Die Idee klingt nach herkömmlicher Verwechslungsklamotte: Der Besitzer einer Internetfirma rechtfertigt jede unternehmenspolitisch heikle Entscheidung vor seinen Angestellten durch die Instanz eines titelgebenden „Oberbosses“ – den es aber nicht gibt.

Als die Firma an einen dänenhassenden Investor aus Island (2006, als der Film bereits entstand, war die Insel noch nicht pleite) verkauft werden soll, droht der Schwindel aufzufliegen, und ein Schauspieler wird als Boss engagiert. Der Arme: Erst ist er der Sündenbock, dann läuft alles ziemlich lustig aus dem Ruder.

Lars von Trier nimmt diesen Plot und rupft ihn wieder auseinander: Er schaltet sich aus dem Off als Kommentator (der Erzählung, nicht des Erzählten) ein, er lässt improvisieren und den Isländer vom isländischen Regie-Kollegen Fridrik Thor Fridriksson als donnergottpolterigen Edda-Rezitator verkörpern. Und dann hat er noch die Technik der „Automavision“ erfunden. Die lässt herkömmliche Einstellungen nach Zufallsformeln wechseln und schneidet ohne Rücksicht auf die Bilddramaturgie zwischen den Bildkadern hin und her.

So wirkt „The Boss of it all“ ein wenig unaufgeräumt. Möglicherweise ist das aber auch nur eine Finte von Triers, wer weiß? Seine kapitalismussatirische Experimental-Posse wirkt jedenfalls wie eine Fingerübung und weniger wie ein Hauptwerk – vielleicht aber ist sie deswegen so sympathisch?



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INHALT

Um eine Firma verkaufen zu können, deren Chef nur auf dem Papier existiert, soll ein Schauspieler die maßgebliche Unterschrift beisteuern. Als er seine Rolle überspielt, werden die Käufer hellhörig.
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