KRITIK

Thank You for Smoking

Thank You for Smoking Nur wenige Wochen nach „American Dreamz“ kommt bereits die nächste ätzende Satire über die amerikanischen Verhältnisse in die Kinos – formiert sich da in den Kreativnischen von Hollywood eine neue, relaxte Spaß-Opposition? Nach der Medienschelte mit Hugh Grant wird diesmal der Lobby-Opportunismus durch den Kakao gezogen. Es geht keineswegs um ein Für-und-wider-Plädoyer in Sachen Rauchen, ganz im Gegenteil, sowohl die erbitterten Dunstgegner als auch die skrupellosen Tabakgiganten bekommen ihr Fett weg. Regie führte der bislang eher unbekannte Jason Reitman, seines Zeichens Sohn des „Ghostbusters“-Komödienveteranen Ivan Reitman und auf dem besten Wege, einer der interessantesten Jungregisseure Hollywoods zu werden.

Hier stellt er einen Mann in den Mittelpunkt, der den vielleicht zynischsten und verhasstesten Job hat in den Vereinigten Staaten: Nick Naylor (top: Aaron Eckhart aus „Suspect Zero“) ist der Chef-Lobbyist und PR-Ausputzer der Tabakindustrie. Am Anfang sieht man ihn in einer Talkshow neben einem glatzköpfigen Lungenkrebskind: Es liege den Tabakkonzernen sehr viel an dessen Überleben, denn dann bliebe es ja ein zukünftiger Kunde. Dass er trotz heftigster Empörung als Sympathieträger aus der Show herausgeht, weist ihn als brillanten Manipulierer und Argumentierer aus. Sein Chef bei „Big Tobacco“ setzt ihn denn auch sofort auf den unwirschen Senator Finistirre (William H. Macy aus „Sahara“) an, der auf jede Zigarettenpackung Totenschädel kleben lassen möchte und damit ein potenzielles PR-Desaster heraufbeschwört. Und so begleiten wir Naylor auf seinen Reisen und sehen, wie ihm vom greisen Zigarettenpatriarchen (Robert Duvall aus „Open Range“, mal wieder als mächtiger alter Mann) väterlich auf die Schulter geklopft wird, wie er den krebskranken Ex-Marlboro-Mann (Sam Elliott aus „Hulk“) mit Geld zum Schweigen bringen will, wie er von Aktivisten verschleppt und gedemütigt wird und wie ihm von einer nassforschen Journalistin (Katie „Batman Begins“ Holmes, deren Sexszene ihr Ehemann Tom Cruise aus dem Film entfernen ließ) die Infos entlockt werden – im Bett. Besonders schön sind die Szenen, in denen Nick mit seinen Lobbyisten-Kollegen von der Alkohol- (Maria Bello aus „A History of Violence“) und Waffenbranche (David Koechner aus „Deine, meine & unsere“) beim fröhlichen Gelage sitzt und darum schachert, wer von ihnen am meisten Leichen auf dem Gewissen hat. Und auch jene Passage, in der Nick einen alerten Hollywoodproduzenten (köstlich: Rob Lowe) und dessen aufdringlich fröhlichen Assistenten (Adam Brody) besucht, um das Rauchen in Kinofilmen wieder populär zu machen, versprüht köstlich viel Gift und Galle in Richtung Political Correctness. Wer den Teufel durchsetzen will, kann das in Amerika tun, er muss es nur gut verkaufen können, lautet die sarkastische Moral dieses vergnüglichen und überraschend bösen Films – der nur in der privaten Handlung etwas zu mild daherkommt. Nicks Sohn (Cameron Bright) muss da als Lehrling in Sachen Selektivmoral dienen, und das überzeugt nicht immer. Dennoch ist es erfreulich zu sehen, dass Hollywood auch wieder mal schön kritisch-satirisch sein kann.



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INHALT

Nick Naylor ist ein Ass in seinem Job. Er ist stets zur Stelle, wenn die Tabakindustrie einen aalglatten, sauberen und sympathischen Typen braucht, der sie in der Öffentlichkeit vertreten muss. Nick, der keinerlei moralische Probleme mit seinem Posten hat, hat viel zu tun: Ein liberaler Senator setzt alles daran, dass jedes Päckchen mit einem Totenkopf-Zeichen versehen wird, und Nick soll Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit leisten, dieses abzuwenden. Keine leichte Aufgabe, wo doch gleichzeitig der an Lungenkrebs erkrankte Marlboro-Mann Front gegen die Industrie macht, Todesdrohungen gegen ihn ausgestoßen werden und er in der Washington Probe alles andere als positiv dargestellt wird.
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