KRITIK

Teufel trägt Prada, Der

Niemand entgeht der Mode. Selbst wer sich nicht im Hungermodel-Milieu bewegt und mit Wühltisch-Pullis eigentlich ganz zufrieden ist, sitzt den Schnittmustern und Farb-Vorlieben der Laufsteg-Society und der Prêt-à-Porter-Welt nebst ihrer exzentrischen Star-Designer auf – bloß eben ein paar Jahre später, wenn die Kopie der Kopie des edlen Stoffes die Kaufhäuser erobert.

Die junge Andy Sachs (Anne Hathaway), die eigentlich zur sympathischen Schlabberlook-Fraktion zählt, muss sich diese Standpauke über modische Allmacht und Fashion Victims wider Willen von ihrem neuen Boss Miranda Priestly (Meryl Streep) anhören, der berühmt-berüchtigten Chefredakteurin des Mode-Magazins „Runway“.

Eigentlich wollte Andy eine ernstzunehmende Journalistin werden, nun ist sie als Mädchen für alles einer Frau zu Diensten, die ihre Assistentinnen verschleißt wie Chanel-Kostüme und jederzeit Haltung zeigt, bloß nie Gefühle. Wer es ein Jahr bei der Dior-Diktatorin Priestly ausgehalten hat, sagt man in der Branche, kann danach einen Job bei jeder Zeitung dieser Welt bekommen. Doch mehr und mehr lässt sich die Idealistin Andy vom elitären Houte-Couture-Hofstaat der Priestly korrumpieren.

Anna Wintour heißt die tatsächliche Teufelin hinter dieser Schicki-Micki-Komödie, die exzentrische und mächtige Chefredakteurin der „Vogue“, die von ihrer ehemaligen Redaktionsassistentin Lauren Weisberger im Schlüsselroman „The Devil Wears Prada“ unerbittlich sarkastisch porträtiert wurde.

Sonderlich spitz geht es in der Verfilmung dieses Business-Bestsellers indes nicht zur Sache, Regisseur David Frankel hat ein Herz für die Welt, in der es statt weinseliger Freundesrunden Cocktailparties für Größe-32-Trägerinnen gibt, die nur noch eine Darmgrippe vom Idealgewicht entfernt sind. Zwar erzählt er die Geschichte von der Verführbarkeit durch Macht unterhaltsam und mit einer phänomenal fiesen Meryl Streep in der Hauptrolle, die schon mal den neuen Harry-Potter-Band vor offiziellem Erscheinen verlangt. Aber es bleibt ein Pretty-Woman-Märchen in der Modewelt.



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