KRITIK

Tagebuch eines Skandals

Tagebuch eines Skandals Man kann wohl sagen, dass es bei beiden Verlangen auf
den ersten Blick ist. Die junge Lehrerin Sheba, herausragend verkörpert durch Cate Blanchett, die als Neue an eine britische Schule kommt, findet ihren vorlauten Schüler Steven derart attraktiv, dass sie wider besseres Wissen eine Affäre mit ihm beginnt. Die biestige alte Lehrerin Barbara, nicht minder überzeugend: Judi Dench, wirft sofort ein Auge auf Sheba, die Kunst-Liebhaberin, was Barbara indes nur ihrem Tagebuch anvertraut. Tatsächlich freunden die Lehrerinnen sich an, wenngleich mit verschiedener Absicht.

Barbara, eine altjungferliche Person, wittert ihre Chance, Shebas Zuneigung auf alle Zeiten zu erzwingen, als sie Wind von deren Liaison mit einem Schutzbefohlenen bekommt. Ihr Schweigen gegen die Ergebenheit der verheirateten Frau. Andernfalls droht der Skandal.

Die Geschichte, die der britische Regisseur Richard Eyre hier als erpresserisches Psycho-Duell erzählt, klingt nach einer verhängnisvollen Affäre unter anderen geschlechtlichen Vorzeichen.

Und tatsächlich schimmert hinter dem Well-made-play, das der britische Theaterautor Patrick Marber aus Zoe Hellers Romanvorlage gedichtet hat, nicht selten die B-Movie-Kolportage durch. Sicher, Marber beweist Stilsicherheit. Die Lebenswelt Shebas, die sich mit ihrem altlinken Mann sowie pubertierender Tochter und behindertem Sohn in einem Boheme-Heim eingerichtet hat, das nichts zu wünschen offen ließe, skizziert er famos. Brillant in ihrer sophistischen Bitterkeit sind auch die Tagebuch-Einträge Barbaras, die aus dem Off vorgetragen das Geschehen verschärfen. Doch ohne die beiden grandiosen Hauptdarstellerinnen verziehe man dem Film manche Schmiere kaum.



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INHALT

Als Lehrerin Sheba ihre neue Stelle antritt, erkennt die ältere Kollegin Barbara in ihr eine Seelenverwandte. Obwohl Sheba verheiratet ist, träumt Barbara davon, ihr näher zu kommen. Als sie Shebas Affäre mit einem Schüler entdeckt, benutzt sie diese als Druckmittel, um Sheba stärker an sich zu binden. Doch als Sheba ihren Lover nicht aufgeben kann, gibt Barbara dem Schicksal einen folgenschweren Anstoß.
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