KRITIK

Taffe Mädels

Komödiantische „Buddy-Movies” sind eine feine Sache: charismatische Darsteller, oftmals intelligente Drehbücher ergo Dialoge und daraus resultierende, zündende Gags, krachende Action und hin und wieder überzeugende moralische Botschaften. Diese Zutaten versetzten das Blockbuster-affine Publikum stets in Begeisterung. Nun kommt Regisseur Paul Feig („Arrested Development”) nach seinem Überraschungshit aus dem Jahre 2011, „Brautalarm”, nach seinem Ensemblefilm mit einem Buddy-Movie um die Ecke. Und was soll an den Kinokassen eigentlich schiefgehen, wenn Darstellerinnen wie Charisma-Granate Melissa McCarthy, die in „Brautalarm” als „Sidekick” für viel Wirbel gesorgt hatte, und die erfahrene, als auch sehr erfolgreiche Sandra Bullock („Miss Undercover”) auf der Leinwand für ordentlich Lacher als augenzwinkerndes Duo wider Willen sorgen sollen?

Die schlechte Nachricht lautet: eine ganze Menge. Regisseur Paul Feigst zunächst augenscheinlichst größter Verdienst in „Taffe Mädels” ist es, mit dem Cop-Duo Shannon Mullins (Melissa McCarthy) und Sarah Ashburn (Sandra Bullock) genau das weibliche Gegenstück zu den verkulteten, männlichen „Starsky und Hutch” 70er und 2000er Jahre-Krimi-Spürnasen gefunden zu haben, welche nicht minder in allerhand (zwischenmenschliche) Fettnäpfchen treten dürfen. Das Konzept „resoluter Straßenköter mit großer Klappe und Herz am rechten Fleck” trifft auf „zickig-arrogantes, Karriere orientiertes FBI-Girlie, die eine Wandlung durchleben muss ” würde eigentlich wunderbar funktionieren, wenn Drehbuchautorin Katie Dippold wenigstens im Ansatz verstehen würde, wie gute Buddy-Movies Dank ihrer Balance aus zwischenmenschlich-komischen Elementen, reichlich Spannung und Actionteilen generell funktionieren.

Script und Regie stürzen sich über die komplette Laufzeit aber derart übereifrig auf das Herzstück ihres Films, also die sich entwickelnde Beziehung zwischen den Protagonisten. Dieses Kennenlernen, das etwa zur Hälfte der stattlichen Laufzeit von 118 Minuten mit einer herzlichen Umarmung von Melissa McCarthy als Zeichen des emotionalen Verständnisses relativ plump abgehandelt wird und sich als pure Behauptung erweist. Es bleibt dann leider kaum noch Platz für die Entwicklung weiterer, liebenswerter Figuren und der Generierung eines richtigen Plots, um beispielsweise Gegenspieler Julian (Michael McDonald) herum, welcher sich am Ende, nebst seinen Mitstreitern, leider als klassischer McGuffin mit schalem Nachgeschmack entpuppt…

Somit wird schnell klar, worin die Intention der Machen in Sachen „Taffe Mädels” liegt:
Regisseur Paul Feig und Autorin Katie Dippold möchten ihren „Anarcho-Comedy-Knaller” gerne als Emanzipationsspaßgranate für das weibliche Geschlecht bzw. als einen weiblichem „Starsky und Hutch”-Abgesang auf all die Schlechtigkeiten der Männerwelt verstanden wissen. Und manipulieren damit gezielt auf eine reaktionäre Lesart hin, von welchem sich das weibliche Publikum momentan nachvollziehbarerweise ungemein angesprochen fühlt. Sich den eigenen Schwächen zu stellen, wäre für das männliche Publikum zumindest insofern zu verkraften, würde die scheinbar intelligente, auf Grund überbordender Dialoge manchmal endlos gedehnt wirkende, Dank des platten Drehbuchs und im angesprochenen Emanzipations-Rahmen sich bewegende Inszenierung nicht immer zwischen albernen Momenten, mal mehr, mal weniger gelungenen Gags, ordentlichem und dann wieder desaströsem Timing hin- und herschwanken.

Als auch dann der Verlockung nicht erliegen können, jeden wichtigen Teil der Handlung, auch die im Zuge eines anrückendem Attentäterkommandos nötige Evakuierung von Shannon Mullins Familie, mit nervigstem Sitcom-Klamauk und langweiligsten Wort-/Reimspielen nachwürzen zu müssen. Um sich so entsprechend selbst auszubremsen. Ebenso begibt sich Regisseur Paul Feig mit der Schlusspointe seiner Komödie „Taffe Mädels” in die gefährlichen Untiefen des platten, kalten und glorifizierenden Zynismus, anstatt „diese“ sich tatsächlich als smarte, intelligente, lustige, liebenswerte und im richtigen Maße kritische Abrechnung offenbaren kann.

Nebst dem dann fälligem Beweis, dass dann doch nicht alle Männer schlecht sind. Und Sandra Bullock in ihrer Rolle als FBI-Agentin Ashburne ihrem charmanten Bürokollegen Levy (verschenkt:  Marlon Wayans) vielleicht eine Chance zur längeren, zwischenmenschlichen Kommunkation (und vielleicht noch mehr) gibt. Aber diese sich über die Laufzeit aufbauende Erwartungserhaltung wird durch die angesprochene Schlusspointe völlig unterlaufen. Für Sarah Ashburn (stocksteif bis solide agierend / sich teilweise sichtlich unwohl fühlend: Sandra Bullock) gibt es am Ende weder einen Mann, noch das richtige Haustier. Und per (überflüssiger weise sogar im Abspann auftauchendem und breitgetretenem) Dialog mit Melissa McCarthy lässt sich „Taffe Mädels” dann leider doch nur als übereifriges, luftleeres Emanzipationsgeplapper über den Wert von wahrer Stärke, selbstlosem Kampf und den wahren Werten über Freundschaft unter Frauen entlarven.

Vielleicht hätten Regisseur Paul Feig und Autorin Katie Dippold auch mal jemand mitteilen sollen, dass durch das Bedienen von Klischees und Nonsens noch keine Rechtfertigung für einen Film entsteht, als komödiantisch-satirische Abrechnung bzw. als beseelter Spaß zur gewollten Behauptung gegenüber dem starken Geschlecht durchzugehen . Wenn Sandra Bullock beispielsweise mit kurzer Hose, wilder Mähne, Schmollmund, offenem Hemd, also ihrer gesamten Attraktivität, gespielte „Undercoverarbeit” leisten muss, verhält sich diese pubertär wirkende Aufmachung konträr / völlig unpassend zu ihrer jetzt reifen, besonderen und wertzuschätzenden Ausstrahlung, welche sie an den Tag legt…

Paul Feigs Komödie „Taffe Mädels” scheitert schon im Ansatz daran, dem Buddy-Comedy-Action-Genre eine entsprechende Seele und durch ein etabliertes Frauen-Duo neue Impulse zu verleihen. Und erinnert mitsamt seiner farblosen, ausrechenbaren bis auswechselbaren Inszenierungsart an den Komödienflop des Jahres 2012, „Einmal ist keinmal”mit Catherine Heigl. Nur der hin- und wieder solide auftretenden Sandra Bullock, der gut agierenden Melissa McCarthy und einigen an der Hand abzuzählenden, wirklich großen Gags ist es zu verdanken, das „Taffe Mädels” am Ende nicht in die gleichen Untiefen wie angesprochene 2012er Komödie versinkt. „Taffe-Mädels” offenbart sich leider nur als schwache bis durchwachsene, als bald wieder vergessene Vorstellung.



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