KRITIK

Syriana

Syriana

Das Geschäft mit dem Öl ist ein schmutziges. Und eigentlich überrascht das auch niemanden, so wie ja die meisten annehmen, dass Politiker lügen. Der amerikanische Regisseur und Drehbuchautor Stephen Gaghan allerdings mag diesen stillschweigenden Korruptions-Konsens nicht länger hinnehmen, er versteht sich als Aufklärer dunkler globaler Kanäle. So schon in seinem Skript zu Steven Soderberghs Drogen-Thriller „Traffic“, der mit moralisch einwandfreiem Impetus sämtliche Seiten des internationalen Heroin-Handels offenzulegen trachtete, die Kriegsgewinnler im Kampf gegen die organisierten Pulver-Kartelle an den Pranger stellen wollte – bis hinauf in Washingtoner Regierungskreise. Schon da jedoch gerieten Gaghan manche Passagen reichlich exemplarisch und plakativ. Worunter auch sein Regiedebüt, der Ölfilm „Syriana“, ein wenig krankt. Außerdem daran, dass der engagierte Filz-Verächter in seinem Bemühen, keine mainstreamglatte Geschichte zu erzählen, die Dinge oft unnötig verkompliziert und sich erklärungslos ins Geschehen wirft.

Der Prinz eines arabischen Emirats hat die Förderrechte an einem gewaltigen Erdgasvorkommen den Chinesen übertragen. Das Nachsehen hat der amerikanische Großkonzern Connex, der daraufhin die kleine Konkurrenz-Firma Killen schlucken will – die besitzt nämlich lukrative Bohrrechte in Kasachstan. Ein Fall fürs Kartellamt und den ehrgeizigen Anwalt Bennett Holiday (Jeffrey Wright), der einerseits die nicht ganz koschere Übernahme möglich machen soll, weil der amerikanische Verbraucher davon profitiert, gleichzeitig aber dem Justizministerium ein Bauernopfer bringen muss. Währenddessen wird der CIA-Agent Bob Barnes (George Clooney) auf den reformwilligen Prinzen Nasir (Alexander Siddig) angesetzt, der sich durch den Chinesen-Deal verdächtig gemacht hat und kein verlässlicher Statthalter von US-Interessen ist.

Es werden noch rund ein Dutzend weiterer Figuren in die Jagd nach dem schwarzen Gold verwickelt, was den Überblick nicht gerade erleichtert. Dennoch ist das Interesse an einem derart politischen, nicht unbedingt marktwertgewissen Pipeline-Stoff ja erstmal begrüßenswert. Als Produzenten stehen dahinter unter anderem George Clooney und Steven Soderbergh, die mit ihrer Firma auch Clooneys in Kürze anlaufende Regiearbeit „Good Night, And Good Luck“ verantworten– die authentische Geschichte eines Fernsehmoderators im Kampf gegen den Kommunistenjäger McCarthy.

Im Falle von „Syriana“, entstanden nach dem Buch „Der Niedergang der CIA“ von Robert Baer, verzetteln sich die Beteiligten jedoch in ihrem Bemühen, bis hin zum Werdegang eines Selbstmordattentäters alle möglichen Facetten ihres „Kein Blut für Öl“-Aufrufs zu beleuchten.



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INHALT

CIA-Agent Bob Barnes schaltet als Spezialist im Mittleren Osten im Auftrag der US-Regierung unerwünschte Subjekte aus. Im Mittelpunkt seines Schaffens steht unter anderem der Ölkonzern Connex, der seine Bohrrechte im fiktiven arabischen Emirat des Prinzen Nasir an höher bietende Chinesen verloren hat. Einer von Barnes' Aufträgen lautet, Nasir auszuschalten, der aufgrund seiner reformistischen Ansichten nicht mit der US-Regierung konform geht.
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Eure Kritiken zu Syriana

  1. Papamichael

    Etwas verzwickt, etwas vertrackt. Der Film bedarf einer gewissen Aufmerksamkeit, um alles zu verstehen. Doch hat man sich erst einmal an die paralell laufenden Handlungsstränge gewöhnt, entfaltet sich ein sehenswerter Polit-Thriller mit einem hervoragenden George Clooney.

  2. marc

    Ich fand den Film klasse und ich war nicht der einzige. Es ist ein anspruchsvoller Film und kein Kitsch! Ich kann den nur empfehlen!

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