KRITIK

Sweet Mud

Sweet Mud Das aktuelle israelische Kino zeigt sich mit zahlreichen Festivalbeiträgen und Filmen wie etwa Yoav Shamirs „Flipping Out“, der auf der diesjährigen Berlinale im Internationalen Forum lief oder Amos Kolleks neuem Film „Restless“ so inspirierend und lebendig wie nie zuvor. Alle Filme verbindet jedoch ein gemeinsamer Grundton: Es geht um die Flucht. Flucht vor sich selbst, Flucht vor einem Aggressor, Flucht vor einem Zustand.

Bestes Beispiel ist diese sehr sehenswerte deutsch/israelische Co-Produktion von Dror Shaul, die mit etwas Verspätung auch in Münster zu sehen war. Schonungslos rechnet der israelische Regisseur Dror Shaul hier mit der Kibbuz-Ideologie ab. Der Film spielt in den Siebzigerjahren. Shaul zitiert zu Anfang die hoffnungsfrohen Bilder der Filme aus den fünfziger und sechziger Jahren, wenn er seinen halbwüchsigen Helden mit einem Fahrrad über Felder und Hügel rasen lässt. Doch der Grundton changiert gekonnt zwischen diesem lockerleicht und später tonnenschwer. In den intensivsten Momenten erinnert „Sweet Mud“ gar an einen Thriller, wenn er die unsichtbare Gefangenschaft innerhalb der Kibbuz-Gemeinschaft nachfühlbar zur Schau stellt. Wenn sich die Kibbuz-Bewohner zur Vollversammlung treffen, will sich die Gemeinschaft nicht von ihrer starren Kollektivpolitik lösen. So wird darüber debattiert, ob Dvirs Mutter von ihrem Freund aus der Schweiz besucht werden darf. Da er nicht arbeiten wird, werden zwei Wochen Aufenthalt als Abstimmungsgrundlage angeboten.

Für die Mutter Miri, herausragend verkörpert von der israelischen Darstellerin Ronit Yudkevitz, wird dieser Zustand zur Bewährungsprobe, die sie nicht besteht. Da sie es aber allein nicht schafft, plant ihr zwölfjähriger Sohn Dvir die Flucht.

Vor allem Dank der hervorragenden Ronit Yudkevitz, dem jungen Tomer Steinhof als Dvir und allen anderen überzeugenden Darstellern ist dieser mehrfach ausgezeichnete Film ein echter Geheimtipp.



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INHALT

Israel. In den 70er Jahren wächst der zwölfjährige Dvir in einem Kibbuz auf. Seine Mutter leidet seit dem Tod des Vaters an Depressionen. Die verfliegen, als ihr alter schweizer Freund sie besucht. Doch die engstirnige und eingrenzende Gemeinschaft des Kibbuz verjagt den Fremden. So muss sich der junge Dvir und seine gleichaltrige Freundin allein um die Mutter kümmern. Denn auch sein älterer Bruder wendet sich von ihnen ab.
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